Laut JDC-Trendbarometer

Diese PKV-Leistungen sind aktuell (nicht) gefragt

Auf welche Leistungen legen privat Krankenversicherte besonderen Wert – und woran sparen sie lieber? Das aktuelle Trendbarometer des Maklerpools Jung, DMS & Cie. ist dieser Frage nachgegangen und stützt sich dafür auf zehntausende anonymisierte Berechnungsvorgaben des Analysehauses Morgen & Morgen. Hier geht es zu den wichtigsten Erkenntnissen.
© picture alliance / Shotshop | Iordache Magdalena
Patientin bei der Krankengymnastik: Der Sparwille zeigt sich auch bei PKV-Anwärtern – die Nachfrage nach Tarifen, bei denen Reha-Kosten komplett übernommen werden, ging zuletzt merklich zurück.

Welche Absicherungs- und Vorsorgeleistungen sind den Menschen wichtig, wenn sie sich für eine private Krankenversicherung (PKV) entscheiden? Worauf können sie verzichten? Und wie alt sind die Versicherten im Durchschnitt, wenn sie in die PKV eintreten?

Antworten darauf liefert die aktuelle Ausgabe des JDC-Trendbarometers. Herausgegeben wurde die Studie vom Maklerpool Jung, DMS & Cie., einer Tochter der JDC Group. Dazu greifen die Studienautoren laut eigenen Angaben auf exklusive Daten des unabhängigen Analysehauses Morgen & Morgen zurück. Das Unternehmen gehört ebenfalls zur JDC Group und hat zehntausende anonymisierte Berechnungsvorgaben für den Zeitraum von Anfang 2020 bis März 2023 zur Verfügung gestellt.

PKV-Neueinsteiger werden älter

Eine erste Erkenntnis, die JDC aus den Datensätzen zieht, lautet, dass das Eintrittsalter in der PKV markant gestiegen sei: Demnach sind 2020 noch 7,7 Prozent aller Tarifberechnungen für ein Eintrittsalter von 30 Jahren durchgeführt worden – dieser Anteil kletterte bis März 2023 auf 11,3 Prozent (siehe erste Grafik). „Dadurch erhöhte sich das durchschnittliche Eintrittsalter in die PKV von 29,7 Jahren (2020) auf 31,4 Jahren (März 2023)“, wie die Autoren mitteilen.

Quelle: Morgen & Morgen
Zusatzversicherungen genügen oft nicht

Weiter kommt die Analyse zu dem Schluss, dass sich viele Menschen lieber gleich privat versicherten als Zusatzversicherungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung abzuschließen. Dies zeigt sich JDC zufolge daran, dass die Tarifberechnungen für eine PKV-Vollversicherung von 2020 bis März 2023 um 4,6 Prozentpunkte stiegen, während die Berechnungen für eine Zusatzversicherung im gleichen Zeitraum um fast 5 Prozentpunkte zurückgingen (siehe zweite Grafik). „Offensichtlich ist der Wunsch nach umfangreicheren Vorsorgeleistungen in den zurückliegenden gut drei Jahren weiter gestiegen“, kommentieren die Autoren diese Verschiebungen. Statt also den Leistungsumfang ihrer GKV mit Zusatzversicherungen zu erweitern, bevorzugten mehr Menschen den direkten Wechsel in die PKV.

Quelle: Morgen & Morgen

Dazu passt, dass im vergangenen Jahr 145.500 Menschen von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechselten, für den entgegengesetzten Weg haben sich laut JDC 115.900 Menschen entschlossen. „Erneut haben sich also laut Zahlen des PKV-Verbands mehr als 250.000 Versicherte zu einem Systemwechsel entschieden“, rechnen die Autoren vor.

Von jenen Menschen, die im vergangenen Jahr lieber darauf setzten in der GKV zu bleiben, um dort ihren Leistungsumfang durch Zusatzversicherungen zu erweitern, war die überwiegende Mehrheit an einer Zahnzusatzversicherung interessiert (42,3 Prozent). Für viele Menschen werde auch das Thema „Pflege“ immer wichtiger, heißt es. So entfielen immerhin fast 10 Prozent aller Anfragen im vergangenen Jahr auf Tarifberechnungen von Pflegetagegeldversicherungen (siehe dritte Grafik). Kaum nachgefragt wurden dagegen Pflegekostenversicherungen (0,5 Prozent). „Das liegt jedoch daran, dass sich der finanzielle Bedarf im Alter schwer vorhersagen lässt. Für Menschen bis etwa 50 Jahre empfiehlt sich daher meist noch keine Pflegezusatzversicherung“, ordnet man bei JDC dieses Ergebnis ein.

Quelle: Morgen & Morgen

Seite 2: An welchen Leistungsbausteinen PKV-Anwärter gerne sparen

Auch PKV-Versicherte schauen aufs Geld

Außerdem kommt das Trendbarometer zu der Erkenntnis, dass auch die PKV-Versicherten aufs Geld schauten. So ging die Wahl der bislang beliebtesten Leistungsfilter seit 2020 zum Teil kräftig zurück (siehe erste Grafik auf dieser Seite). Leistungsfilter ermöglichten es, PKV-Anbieter zu finden, die den Absicherungswünschen der Kunden in bestimmten Bereichen am besten entsprechen, erklärt JDC. Damit verbunden seien aber unter Umständen auch höhere Prämien. Die Experten führen diese Entwicklung maßgeblich auf den Beobachtungszeitraum von 2020 bis März 2023 zurück. „Immerhin fielen die Corona-Pandemie, die Energiekrise und die kräftig steigenden Lebenshaltungskosten in diese Zeit“, so die Erklärung.

Quelle: Morgen & Morgen

Der Sparwille potenzieller PKV-Kunden zeige sich auch darin, dass sie bei den gewünschten Zusatzbausteinen wählerischer vorgingen. Während etwa die Nachfrage nach Tarifen, bei denen Reha-Kosten komplett übernommen werden, seit 2020 um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist (minus 57,6 Prozent), erhöhte sich die Nachfrage nach dem Baustein Kurtagegeld, die einen Zuschuss zu einer Reha-Maßnahme zahlt, seit 2020 um 41,8 Prozent (siehe Grafik unten). Anders gesagt: Die Menschen entscheiden sich seltener für ein teureres Rundum-sorglos-Paket und arrangieren sich eher mit einer Art Teilkasko-Leistung.

Eine stark gestiegene Nachfrage seit 2020 gibt es laut JDC auch nach den Bausteinen Krankentagegeld (34,8 Prozent) und dem Optionstarif. Mit diesem könne ein späterer Wechsel in einen anderen, leistungsstärkeren PKV-Tarif „vorbereitet“ werden und damit unter Umständen kräftigere Prämienerhöhungen vermieden werden, so die Autoren.

Quelle: Morgen & Morgen

 

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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