Krankenversicherung

Welche PKV-Zusatzversicherungen sinnvoll sind

Wer nicht voll in die private Krankenversicherung wechseln kann oder möchte, kann das Niveau seiner gesundheitlichen Absicherung dennoch anheben. Private Krankenzusatzversicherungen bieten dafür vielfältige Angebote. Worauf es dabei ankommt und was wirklich sinnvoll ist.
Eine Zahnärztin schaut sich das Röntgenbild eines Patienten an: Zahnzusatzversicherungen gehören zu den beliebtesten Zusatztarifen zum GKV-Schutz.

Nur rund jeder zehnte Einwohner Deutschlands ist privat krankenversichert, das sind 8,7 Millionen Menschen. Wer als Angestellter nicht genug verdient oder wer sich als Selbstständiger nicht privat krankenvollversichern möchte, kann dennoch wesentliche Gesundheitsleistungen über Zusatzpolicen abdecken. Diese Option wird immer mehr genutzt – die privaten Krankenzusatzversicherungen haben insbesondere in den vergangenen zehn Jahren einen deutlichen Bestandszuwachs erfahren. Rund 26,8 Millionen Menschen besitzen mittlerweile mindestens eine solche Police.

Vor allem zwei Gründe sind dafür verantwortlich. „Durch die fortwährenden Einschnitte in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung halten immer mehr Menschen eine zusätzliche Absicherung für notwendig oder zumindest für sinnvoll“, sagt Stefan Reker, Pressesprecher des PKV-Verbands. Zudem habe das GKV-Modernisierungsgesetz im Jahr 2003 erst Kooperationen zwischen gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen ermöglicht. Seitdem ist ein weitreichendes, teilweise hochwertiges Angebot entstanden, das unkomplizierte Abschlüsse auf breiter Front ermöglicht.

Erhältlich sind unter anderem stationäre und ambulante Zusatztarife, Zusatzversicherungen für Zahnbehandlungen und Zahnersatz, Kranken- und Krankenhaustagegeld, Pflegezusatztarife, spezielle Vorsorge-Tarife bis hin zum Auslandskrankenschutz. Für die Branche und den Vertrieb besonders bedeutsam sind vor allem Zahnzusatzversicherungen und stationäre Krankenhauszusatztarife.

Mehr als 300 Zahnzusatztarife

„Den besten Zahnzusatztarif gibt es nicht, sondern lediglich den befund- und bedarfsorientiert am besten passenden“, sagt der auf diese Sparte spezialisierte Makler Tassilo Pollmeier, Deutscher Zahnversicherungs-Service (DZVS). Die Vielfalt und die Innovationsgeschwindigkeit der Zahnzusatztarife sei mit mehr als 300 Angeboten auf dem Markt enorm. Vor Abschluss müsse der Makler daher sowohl den Zahnstatus seines Kunden als auch das gewünschte Leistungsspektrum genau kennen.

„Reine Zahnersatztarife werden kaum noch abgeschlossen. Die meisten Verträge sehen mittlerweile Zahnersatzleistungen von 80 Prozent oder mehr vor, beinhalten Zahnbehandlungsleistungen und professionelle Zahnreinigung von 100 Euro oder besser noch 150 Euro pro Jahr. Kunden wollen nicht umständlich Tarife kombinieren, sondern präferieren einen Tarif, der alle Leistungsanforderungen einfach abbildet“, sagt Andreas Haut, Business Line Manager der Gothaer.

Top-Leistungen gefragt

Der Trend geht in Richtung Top-Leistung. Premium-Zahnzusatztarife bieten 100 Prozent Kostenübernahme für Leistungen frei nach Wahl. Hochwertige Materialien etwa für Füllungen und modernste Verfahren zum Beispiel für Wurzel- oder Parodontose-Behandlungen sind ohne Kostendruck und ohne Eigenanteil auswählbar. Generell wird zudem vermehrt nach Art des Schadens kalkuliert, also ohne Alterungsrückstellungen. „Jeder fünfte neue Vertrag ist eigentlich gar nicht neu, sondern ein Wechsel von einer älteren Zahnzusatzversicherung in einen modernen Tarif“, sagt Gothaer-Manager Haut.

Aufgrund von Wartezeiten und Leistungsstaffeln über mehrere Jahre sind Wechsel zu einem anderen Anbieter gerade zu Beginn der Laufzeit meist ein Risiko. Die Gothaer hat daher einen Wechselbonus eingeführt. „Im Tarif Gothaer MediZ Duo haben Kunden eine relativ kurze Leistungsstaffel von drei Jahren mit Leistungsgrenzen von 1.000, 2.000 und 3.000 Euro. Wechselt ein Kunde aus einem anderen Tarif, schenken wir ihm ein Jahr der Leistungsstaffel. Somit hat er bereits nach zwei Jahren vollen Versicherungsschutz“, so Haut. Ein neues Tarifmerkmal, das immer mehr Wettbewerber übernehmen.

Doch nicht jede Innovation ist sinnvoll. „Die Verpackung wird immer schöner, aber der Inhalt tritt in den Hintergrund“, beobachtet Gerd Güssler, Geschäftsführer des auf Krankenversicherungen spezialisierten Analysehauses KVpro.de. Laut dem Experten bedienen die Versicherer die steigende Nachfrage – viele Kunden erwarten, den Schutz rasch und so günstig wie möglich online abschließen zu können. „Ein Implantat kostet 3.000 Euro. Wenn ein Tarif, der Implantate absichert, 5 Euro im Monat kostet, kann die Rechnung nicht aufgehen“, warnt Güssler. Die in solchen allzu günstigen Tarifen versteckten Preisverzeichnisse, Summenbegrenzungen und Wartezeiten würden dabei oft übersehen. Im Leistungsfall sei der Kunde dann enttäuscht.

Die Tarifdetails zählen

„Makler sollten nicht auf den aktuellen Beitrag, sondern auf die aufzuwendende Gesamtsumme über die Laufzeit schauen“, rät Güssler. Bei der Wahl des für den Kunden passenden Tarifs komme es insbesondere auf die Tarifdetails an. Testurteile der „Stiftung Warentest“ oder Ratings von Analysehäusern seien zwar allesamt auf den jeweiligen Tarif bezogen stimmig und böten eine Orientierung. Aber ob der Tarif dann auch zu den höchst individuellen Voraussetzungen des Kunden passe, sei damit noch nicht gesagt. An einer genauen Tarifanalyse inklusive Preisverzeichnisse, Summenbegrenzungen und Wartezeiten kommen Vermittler daher nicht vorbei. Experten wie KVpro mit einem Tarifcheck oder der DZVS mit einer eigenen Abwicklungsplattform, bieten Maklern hier Unterstützung an. Im Leistungsfall kann der Kunde sonst enttäuscht werden.

Etwa bei Tarifen, die einen Laborkostenkatalog vorsehen. „Dieser führt in der Praxis dazu, dass ein Patient, der etwa eine 90-prozentige Erstattung inklusive GKV bei Zahnersatz erwartet, die Abstriche im Bereich der Laborleistungen selber zahlen muss. Das kann schnell bis zu einem Drittel der Gesamtrechnung ausmachen“, nennt DZVS-Geschäftsführer Pollmeier ein typisches Beispiel aus der Praxis.

Unterschiede auch bei stationären Tarifen

Auch bei den Zusatztarifen für die Behandlung im Krankenhaus bestehen große Unterschiede im Kleingedruckten. Sie bieten generell freie Arzt- und Krankenhauswahl. Dadurch sind auch Behandlungen durch Spezialisten oder neue Heilmethoden abgedeckt, die nicht im Leistungskatalog der GKV stehen und nur von wenigen Kliniken angeboten werden.

Der große Vorteil stationärer Krankenzusatzpolicen ist die Flexibilität. „Die besten Produkte dieser Sparte bieten eine große Auswahl an Krankenhäusern, sie zahlen insbesondere bei den Wahlleistungen nicht nur bis zum 3,5-fachen Satz, sondern auch darüber hinaus“, so Versicherungsmakler Sven Hennig. Die Spanne der Monatsbeiträge reicht von 15 bis 80 Euro. Je mehr Leistungen mitversichert werden, desto teurer ist der Schutz. Im Fokus steht, wie viel Extras man zur GKV ergänzen möchte und wie viel man dafür bezahlen möchte. Es geht sowohl um die Leistung wie freie Arztwahl als auch um den Komfort wie Einzel- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus.

Viele Anbieter statten ihre Tarife mit immer mehr Assistance-Leistungen aus und versuchen, sich so im Wettbewerb auszuzeichnen. „Sie helfen dem Kunden etwa, ein Klinikum zu finden oder einen Spezialisten für eine bestimmte Krankheit, manche bauen auch die ärztliche Zweitmeinung neu in die Bedingungen mit ein“, weiß Hennig. Makler sollten hier auf klare Bedingungen und klare Aussagen achten und schwammige Definitionen meiden. Vorteilhaft ist etwa der Einschluss von Leistungen für ambulante Operationen, denn es werden immer mehr Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich verschoben.

Laut Hennig auch empfehlenswert: Die Leistung sollte nicht an eine Vorleistung der GKV gekoppelt sein. Falls diese nämlich bei Wahl einer anderen Klinik entfällt, ist auch der Zusatzversicherungsschutz hinfällig. Ein Tarif mit Altersrückstellungen verhindert zudem, dass die Beiträge alle drei bis fünf Jahre deutlich teurer werden. Ansonsten steigt der Beitrag mit zunehmendem Alter in vertraglich festgelegten Stufen. Es gilt: Je eher die Police abgeschlossen wird, desto niedriger ist der Beitrag und desto länger können Alterungsrückstellungen gebildet werden.

Für viele Menschen ist eine stationäre Krankenzusatzpolice sinnvoll, allerdings ist sie längst nicht für jeden erreichbar. Die Versicherer nutzen die Möglichkeit von Ablehnungen und Ausschlüssen aufgrund von Vorerkrankungen häufig. Die Gesundheitsfragen umfassen indes im Vergleich zur privaten Krankenvollversicherung kürzere Abfragezeiträume und sind zunehmend einfacher oder entfallen bei einigen Anbietern sogar. „Aber viele Versicherer schließen einzelne Krankheiten wie zum Beispiel Rückenleiden aus. Als Makler sollte man sich genau ansehen, wie der Ausschluss formuliert ist“, rät Hennig. Die Erläuterung „Ausgeschlossen sind Rückenerkrankungen und alle Folgen“ etwa sei unzureichend abgefasst. Klar definiert hieße es: „Ausgeschlossen sind Verletzungen der Bandscheiben und daraus resultierende Operationen“. So ist auch ein Autounfall mit verletztem Rücken versichert.

Wichtiges Krankentagegeld

Neben den stationären Tarifen sind auch Krankentagegeldversicherungen bedeutsam im Kosmos der privaten Zusatzversicherungen. Laut KV-Experte Güssler sollte dieser Aspekt sogar vorrangig betrachtet werden. „Die Menschen versichern lieber ihr Handy als ihre Existenzgrundlage, dabei sollte das Nettoeinkommen bei Krankheit an erster Stelle kommen“, betont Güssler.

Eine Krankentagegeldversicherung sichert dem Kunden auch bei längerer Krankheit sein Einkommen. Wer gesetzlich versichert ist, erhält nämlich gerade einmal sechs Wochen lang eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber, danach überweist die Kasse 70 Prozent des Bruttoeinkommens (maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens) für maximal 72 Wochen. Schwere Erkrankungen wie Krebs, die Folgen eines Schlaganfalls oder ein Burn-out können aber wesentlich länger anhalten. Ohne weitere Absicherung kann dies dazu führen, dass der Versicherte bis auf die Stufe von Hartz IV abrutscht.

Kombiprodukte treffen selten genau den Kundenbedarf

Der Rat des Experten: Erst wenn Kunden bereits über eine Krankentagegeldversicherung verfügen, sollte über stationäre oder ambulante Krankenzusatztarife nachgedacht werden. Von Produkten, die verschiedene Leistungsaspekte zusammenfassen, rät Güssler ab, denn es sei selten, dass ein Kombiprodukt genau die individuellen Wünsche eines Kunden zu 100 Prozent berücksichtigt. Allein aus Gründen der Flexibilität sollten daher besser einzelne Versicherungen abgeschlossen werden.

Vieles spricht dafür, dass Qualität und Bandbreite privater Krankenzusatztarife weiter steigen und die Vermittlung auch künftig florieren wird. Das Thema bleibt ein Eckpfeiler im Beratungsportfolio jedes Maklers. Das A und O in der Beratung sollte dabei nicht die Position eines Tarifs in den Ranglisten der Branche sein, sondern ausschließlich der Leistungsinhalt, den der Kunde braucht und sich wünscht.

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Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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Eine Antwort

  1. Tut mir leid, aber das Thema wurde vollständig verfehlt. Die Überschrift heißt: „Welche PKV-Zusatzversicherungen wirklich sinnvoll sind“. Hierauf wird im Artikel überhaupt nicht eingegangen. Macht z.B. eine Krankentagegeldversicherung Sinn, oder wofür benötige ich eine ambulante Zusatzversicherung mit Heilpraktikerleistungen, wenn ich doch da sowieso nicht hingehe? Solche Antworten lässt der Titel erhoffen.
    Was immer mehr Menschen für richtig oder falsch halten, oder wohin der mediengetriebene „Trend“ geht, ist auch nicht geeignet, hier einen Mehrwert in dem Bericht zu entdecken.
    Der einzige sinnvolle Satz kommt vom Kollegen Tassilo Pollmeier: „„Den besten Zahnzusatztarif gibt es nicht, sondern lediglich den befund- und bedarfsorientiert am besten passenden“.
    Ich würde mir wünschen, dass die Beiträge zu den Headlines passen, denn so ist die Pfefferminzia das, was so viele sind: Klickratensucher und Search-Engine-Optimizer.

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