Muss die Finanzen der Krankenkassen in den Griff kriegen: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
  • Von Karen Schmidt
  • 06.01.2026 um 10:40

Zum Jahresbeginn 2026 haben viele Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge angehoben – mehr als 30 Millionen Versicherte sind betroffen. Kassenvertreter und Verbraucherschützer fordern von der Politik, Reformen voranzutreiben und mehr Transparenz für Versicherte zu schaffen.

Wie zu befürchten war, ist die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für viele Bürgerinnen und Bürger 2026 teurer geworden. Wie das Vergleichsportal gesetzlichekrankenkassen.de berichtet, sind mehr als 30 Millionen Versicherte betroffen.

Die Details: Ab Januar 2026 gibt es in Deutschland 92 Krankenkassen ohne die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau.

Von diesen 92 Kassen haben

  • 44 ihre Beiträge erhöht,
  • 46 ihren Beitrag unverändert gehalten, wobei einige davon in den vergangenen Monaten bereits erhöht haben,
  • 2 Krankenkassen ihren Beitrag gesenkt.

Dabei haben

  • 21 Krankenkassen um maximal 0,4-Prozentpunkte erhöht, was der Anhebung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags entspricht.
  • 21 Krankenkassen über 0,4 bis maximal einen Prozentpunkt erhöht.
  • nur 2 Kassen um mehr als einen Prozentpunkt erhöht.

Den höchsten Beitrag zahlt man laut dem Vergleichsportal nun bei der BKK24 mit 4,39 Prozent Zusatzbeitrag, den geringsten bei der bundesweit geöffneten BKK firmus mit 2,18 Prozent Zusatzbeitrag. Welche Kassen am wenigsten und am stärksten erhöht haben, lesen Sie hier.

Drei- bis vierstellige Mehrkosten pro Jahr

Das Vergleichsportal Verivox hat mal ausgerechnet, wie hoch die Mehrkosten für Versicherte sind. Für Angestellte mit dem durchschnittlichen Jahreseinkommen eines Vollzeitbeschäftigten (55.608 Euro) summieren sich diese demnach auf bis zu 612 Euro im Jahr. Durch die paritätische Finanzierung entfallen davon 306 Euro auf den Versicherten selbst.

„Für viele Haushalte werden die jährlich steigenden Beiträge zur finanziellen Dauerbelastung. Gutverdiener spüren den Effekt gleich doppelt. Versicherte zahlen immer mehr für ein Leistungsniveau, das sich kaum verbessert“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer von Verivox Versicherungsvergleich.

Denn: Zusätzlich zu den Beiträgen steigt 2026 auch die Beitragsbemessungsgrenze von 66.150 Euro auf 69.750 Euro. Damit wird ein größerer Anteil des Einkommens beitragspflichtig. „Für Arbeitnehmer über dieser Grenze bedeutet das bis zu 690 Euro Mehrkosten im Jahr für die Krankenversicherung“, heißt es von Verivox weiter.

Ebenso hoch seien die Mehrkosten für ihre Arbeitgeber, weil diese die Hälfte der Krankenkassenbeiträge zahlten. „Selbständige, die ihre Beiträge vollständig selbst tragen, sind noch stärker betroffen“, so Verivox, „ihre Belastung erhöht sich um bis zu 1.379 Euro pro Jahr“.

Wieder Appelle an die Politik

„Der durchschnittliche, nach Mitgliedern gewichtete Zusatzbeitragssatz ist zum Jahreswechsel von 2,94 auf 3,13 Prozent gestiegen“, sagt Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, in einem Interview mit der „Bild“. Dieser Anstieg müsse ein Weckruf für alle sein, die für das Gesundheitssystem Verantwortung tragen. Also etwa Politiker.

Blatt weiter: „Ich appelliere an die Politik, aus dem Jahr 2026 ein echtes Reformjahr zu machen. So muss als dringlichste Maßnahme der starke Anstieg bei den Krankenhauskosten und den Medikamentenpreisen gestoppt werden.“

Verbraucherschützer fordern unabhängiges Vergleichsportal

Bei steigenden Beiträgen denkt der ein oder andere über einen Wechsel der Krankenkasse nach. Dabei sollte aber nicht nur der Preis eine Rolle spielen, sondern auch die Leistungen. Um hier den Überblick zu vereinfachen, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) nun ein unabhängiges Vergleichsportal.

„In Deutschland gibt es über 90 gesetzliche Krankenkassen. Die Politik muss dafür sorgen, dass Versicherte diese sinnvoll vergleichen können“, sagt VZBV-Vorständin Ramona Pop. „Ohne verlässliche Informationen zu Qualität und Service bleibt die Wahl der passenden Krankenkasse für viele ein Ratespiel – mit möglicherweise teuren Folgen“.

Eine aktuelle, repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands bestätige den Bedarf nach einem solchen Vergleichsportal. 59 Prozent fänden das gut. Bei den jüngeren Menschen zwischen 18 und 34 Jahren geben sogar 79 Prozent an, ein unabhängiges Krankenkassen-Vergleichsportal hilfreich zu finden.

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Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.