„Gewaltiges Defizit“ für 2021 erwartet

Krankenkassen so sehr im Minus wie zuletzt 2003

Das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherer hat sich im vergangenen Corona-Jahr erneut erhöht – auf 2,5 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind die Ersatzkassen, dicht gefolgt von den Allgemeinen Ortskassen.
© picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow
Eine Ärztin führt einen Corona-Test durch.

Im vergangenen Jahr hat sich das Gesamtdefizit in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um etwa eine Milliarde auf 2,5 Milliarden Euro erhöht. Zuletzt war die Lage 2003 schlechter – mit einem Minus von 3,5 Milliarden Euro. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) berichtet, liegen insbesondere die Ersatzkassen (1,1 Milliarden Euro) und die Allgemeinen Ortskassen (AOK) mit rund einer Milliarde Euro im Minus.  

Bei den Innungskassen beträgt das Defizit 250 Millionen Euro, bei der Knappschaft 138 Millionen Euro. Für die Betriebskrankenkassen (BKK) und die landwirtschaftlichen Kassen liegen laut der F.A.Z. bislang noch keine genauen Daten vor – doch auch hier sei mit roten Zahlen zu rechnen, da die BKK-Familie in den ersten drei Quartalen 2020 ein Negativergebnis von 95 Millionen Euro eingefahren habe. Bei den Agrarkassen sei es in derselben Zeit zu einem Defizit von rund 45 Millionen Euro gekommen.

Während die Lage der GKV von Anfang bis Mitte 2020 – sogar mit Überschüssen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro im ersten Quartal – noch recht gut aussah, entwickelte sich das Corona-Jahr dann doch noch zu einer Talfahrt für die Krankenkassen: Denn im dritten Quartal mussten sie laut der F.A.Z. einen schwerer Einbruch auf minus 3 Milliarden Euro schultern, dicht gefolgt von einem weiteren Defizit in Höhe von fast 900 Millionen Euro im vierten Quartal.

Die Kassen erklärten das auf der einen Seite mit Nachholeffekten in der stationären und ambulanten Betreuung, für die sie verspätet zahlen müssten, sowie mit zusätzlichen Corona-Kosten, heißt es im F.A.Z.-Bericht. Aber auch einige Reformen hätten die Ausgaben im Gesundheitswesen stärker in die Höhe getrieben als die Einnahmen.

GKV drohe 2021 „gewaltiges Defizit“

Und auch für das laufende Jahr sieht es nicht besonders rosig aus, da „trotz des zweiten Lockdowns die Ausgaben weiter dynamisch steigen“ – das zumindest stellte der Verband der Ersatzkassen (VDEK) gegenüber der Zeitung in Aussicht. Insgesamt klaffe im laufenden Jahr in der GKV eine Finanzierungslücke von 16 Milliarden Euro – und diese könne „nur durch noch höhere Steuerzuschüsse, durch den Abbau der Kassenrücklagen sowie durch die Erhöhung des Krankenkassenzusatzbeitrags um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte geschlossen werden“.

Das Problem: „Der Finanzdruck auf die Kassen bleibt weiterhin hoch. Die Rücklagen werden im Laufe des Jahres weitestgehend aufgebraucht sein“, erklärte die VDEK-Vorsitzende, Ulrike Elsner, der Zeitung. „Gibt es keine Konsolidierungsmaßnahmen, besteht das Risiko, dass sich die Zusatzbeitragssätze für das kommende Jahr auf rund 2,5 Prozentpunkte nahezu verdoppeln.“

Martin Litsch, Vorsitzender des AOK-Bundesverbands, schließt sich dieser Meinung an, wie er der F.A.Z. verriet. Der GKV drohe 2021 ein „gewaltiges Defizit“. Das zurückliegende „Pandemie-Jahr 2020“ sei von Sondereffekten geprägt gewesen, und auch die Finanzentwicklung im laufenden Jahr 2021 bleibe wegen der „dynamischen Entwicklung“ unklar.  „Inzwischen wird eine dritte Infektionswelle befürchtet“, so Litsch im Gespräch mit der Zeitung. Hinzu kämen die Belastungen der „kostspieligen Gesetze aus den Vorjahren“.

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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