Heutige Generationen wachsen bereits mit den oben erwähnten Geräten auf und kennen kein Leben ohne diese sogenannten IoT-Geräte. Unter der Abkürzung IoT verbirgt sich das Internet der Dinge, wozu neben den Wearables beispielsweise tragbare vernetzte Waagen, Puls-, Blutdruck- sowie Blutzucker-Messgeräte oder auch intelligente Inhalatoren gehören.
Für Versicherer bieten sich in diesem Kontext vielerlei Chancen, den Kunden bereits vor Eintritt eines Leistungsfalles im Rahmen der Prävention zu unterstützen – und so den eigenen Schadenaufwand minimal zu halten. Durch eine geringere Schadenquote kann dem Versicherten beispielsweise eine Beitragsersparnis gewährt werden.
Bereits der Dalai Lama erkannte, dass der Mensch seine Gesundheit opfert, um Geld zu verdienen. Wenn er das Geld dann habe, opfere er es, um seine Gesundheit zurückzuerlangen. Er sei so auf die Zukunft fixiert, dass er die Gegenwart nicht genieße, und als Resultat lebe er weder heute noch in Zukunft. Er lebe, als würde er sterben und schließlich sterbe er, ohne jemals richtig gelebt zu haben.
Das vorangestellt, machen wir eine kleine gesundheitliche Bestandsaufnahme, eine Anamnese unserer Gesellschaft gewissermaßen: Vor allem Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, chronische Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, psychische Störungen sowie Diabetes mellitus sind weit verbreitet und beeinflussen Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und Sterblichkeit. Häufig zeigen sich bei den Betroffenen Mehrfacherkrankungen und die Behandlung kann nicht auf eine der oben genannten Krankheiten beschränkt werden.
Durch den demografischen Wandel und damit verbundenen Personalmangel sowie fehlende Betreuungsangebote für Kinder und Senioren nimmt der Stress im Alltag zu. Ärzte kommen im Rahmen der Untersuchung an ihre Grenzen, stellen häufig psychosomatische Diagnosen und verschreiben Psychopharmaka. Doch einige Studien schätzen, dass bei jeder zehnten psychiatrischen Diagnose eine organische Ursache übersehen wird.
Des Weiteren belegen einige Studien den Zusammenhang zwischen Adipositas, Diabetes und Depression. Doch auch Rückenschmerzen hängen mit einer Depression zusammen. Nach Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen gehören Krankheiten des Atmungssystems zu den dritthäufigsten Todesursachen in Deutschland. 2017 waren diese bereits für mehr als jeden zehnten Sterbefall verantwortlich. Laut Statistischem Bundesamt leben aktuell 7,9 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland. 89 Prozent der Behinderungen wurden durch Krankheiten ausgelöst, unter anderem durch die bereits genannten. Lediglich ein Prozent der Behinderungen war auf Unfälle zurückzuführen.
Warum berichte ich Ihnen all das? Nun, für die Versicherer äußern sich die geschilderten Gesundheitsrisiken zuvorderst als wirtschaftliche Risiken. Entsprechend ist der Branche daran gelegen, die Schadenquoten ihrer angebotenen Produkte gering zu halten.
Im Rahmen der betrieblichen Krankenversicherung greifen Versicherer bereits auf die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements bei Kunden zurück. So werden Unternehmen für die Gesunderhaltung der Belegschaft belohnt. Zur Unterstützung erhalten sie Gesundheits-Portale und -Apps, welche Rezeptideen, Trainingsprogramme, Kalorienrechner sowie Tipps zu Vorsorgemaßnahmen enthalten.
Außerdem werden Wearables vergeben, um Wettbewerbe zum Schritte sammeln oder zu zurückgelegten Fahrradstrecken zu starten. Bereits 2013 hatte sich der Mineralölkonzern BP dazu entschieden, den Angestellten kostenlose Fitbit-Tracker zur Verfügung zu stellen. Über das gesamte Jahr 2013 sollte jeder Mitarbeiter eine Million Schritte nachweisen und konnte dadurch Wellnesspunkte sammeln. Wer teilnahm und das spielerische Ziel erreichte, sparte bei seiner Krankenversicherung 1.200 Dollar ein. Wer nicht teilnahm oder das Ziel nicht erreichte, zahlte spürbar mehr.
Auch für Versicherer und ihre Kunden sowie Mitarbeitenden in Deutschland ist es vorteilhaft, wenn diese ihre Gesundheit durch ähnliche Anreizsysteme erhalten und Beiträge eingespart werden können. Neben der Messung der Schrittanzahl können Sturzsensoren sowie GPS-Tracker dabei unterstützen, Schadenquoten in der privaten sowie gesetzlichen Unfall-, Kranken-, Pflege- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung zu verringern. Gerade für die Außendienstmitarbeitenden bietet sich der Vorteil, dass der Arbeitgeber durch die Sturzfunktion sofort benachrichtigt wird und dank GPS-Tracking schnelle Erste Hilfe senden kann. Außerdem betrifft dies auch die Berufsunfähigkeits-, funktionelle Invaliditäts-, Risiko- sowie Sterbegeldversicherung.
Dabei bereits entstandene Krankheiten kontrollieren zu können, unterstützen medizinische IoT-Geräte wie intelligente Inhalatoren bei Asthma oder COPD, smarte Blutdruckgeräte bei Bluthochdruck und Blutzucker-Messgeräte bei Diabetes. Weitere Technologien wie Zahnbürsten zur Speichelanalyse, Toiletten, welche Exkremente auf Blut untersuchen, und im Körper integrierte, nach außen vernetzte Sensoren befinden sich noch in den Kinderschuhen.
Die folgende Grafik zeigt die Chancen und Risiken von IOT auf:

Durch Datenübertragung in Echtzeit, per offener Plattformen und Schnittstellen, kann der Versicherer das Verhalten seines Kunden in seinem CRM-System beobachten und die Beiträge entsprechend kalkulieren. Gleichzeitig muss jedoch die Datenschutzgrundverordnung eingehalten werden. Weitere Risiken, die Versicherer einkalkulieren müssen, sind das Hacking der smarten Geräte, Datendiebstahl und mögliche Bedienungsfehler.
IoT-Geräte sind fester Bestandteil der Gegenwart und Zukunft. Um dem steigenden Krankenstand sowie Personalmangel und den damit verbundenen Schadenquoten entgegenzuwirken, müssen Versicherer sich dem smarten Wandel stellen. Wer den Fokus nicht auf die technologischen Trends und die künftige Generation legt, wird langfristig vom Markt verdrängt. Für viele Versicherungen ist eine Kooperation mit bereits am Markt etablierten IoT-Geräte-Herstellern sowie IT-Dienstleistern ratsam. Alternativ bietet sich die Möglichkeit, eigene Geräte herzustellen, nachdem die Make-or-Buy-Analyse erfolgt ist.
Daniela König ist als Consultant in der Line of Business Insurance beim Beratungs- und IT-Dienstleister Adesso am Standort Hannover tätig. Ihr Fokus liegt auf der Optimierung von Vertriebsprozessen. Dazu gehört die Business Analyse, das Requirements Engineering, die User Experience und das Change Management. Zusätzlich beschäftigt sie sich mit agiler Transformation und dem Thema IoT im Versicherungskontext.
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