Exklusive Yougov-Umfrage

So würden die Deutschen der GKV helfen wollen – und so nicht

Wie soll die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nur wieder auf die Beine kommen? Vorschläge gibt es inzwischen einige, doch wie findet das Volk sie? In einer exklusiven Umfrage zusammen mit Yougov tickern wir zehn Maßnahmen ab – und erhalten zum Teil sehr deutliche Voten.
Apotheke in Hannover: Ob die Deutschen höhere Eigenanteile auf Medikamente zahlen würden?
© picture alliance / imageBROKER | Arnulf Hettrich
Apotheke in Hannover: Ob die Deutschen höhere Eigenanteile auf Medikamente zahlen würden?

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist krank, das ist nicht neu. Die jährlichen Fehlbeträge reichen in Milliardenhöhen hinauf. Und wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht, wird es höchstwahrscheinlich noch schlimmer.

Inzwischen hat die Kommission zur Sozialstaatsreform ihre Arbeit aufgenommen, um unter anderem jene GKV auf stabile Füße zu stellen. Da tut sich also was.

Doch wozu wären die Deutschen überhaupt bereit? Wir haben zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Yougov eine Umfrage durchgeführt. Darin schlagen wir Maßnahmen vor und holen Meinungen ein.

Grundsätzlich lässt sich dabei feststellen, dass die Befragten nur ungern mehr zahlen möchten. Schon klar. Bei Spar- und Effizienzmaßnahmen sind sie deutlich aufgeschlossener. Hier sind unsere zehn Vorschläge mit Reaktionen:

Höherer Eigenanteil bei Medikamenten und Behandlungen …

… kommt gar nicht gut an. Nur 3 Prozent sind voll dafür, 48 Prozent lehnen das rundweg ab. Insgesamt können sich 15 Prozent für den Vorschlag erwärmen, 80 Prozent lehnen ihn eher oder komplett ab.

Am ehesten kommen noch die Millennials (29 bis 44 Jahre) damit klar. Von ihnen lehnen „nur“ 71 Prozent ab, und 22 Prozent wären dafür.

Moderate Kontaktgebühr bei Arztbesuchen

Vorgeschlagen hat das der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter. Und auch hier ist das Echo eindeutig: 71 Prozent der Befragten lehnen dankend ab, 21 Prozent wären dafür. Davon 7 Prozentpunkte voll und ganz.

Auf bestimmte Zusatz- oder Komfortleistungen verzichten

In diesem Punkt – sind ja keine Mehrkosten – beginnt sich ein Ansatz von Balance herauszubilden. Immerhin 38 Prozent der Befragten können diesem Vorschlag was abgewinnen. Und knapp jeder Zweite (49 Prozent) ist dagegen.

Die Zahl der Krankenkassen reduzieren

Auch das wird diskutiert, wobei der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, vorrechnete, dass es nur wenig bringt. Unsere Befragten ficht das nicht an, denn eine Mehrheit von 60 Prozent kann sich sehr gut weniger Krankenkassen vorstellen. 27 Prozent wollen eher oder gar ganz sicher an der aktuellen Auswahl festhalten.

Arbeitgeberanteil erhöhen

Sollen doch die Arbeitgeber den höheren Beitrag schultern. Ganz zu Ende gedacht ist das zwar nicht, doch es ist eine Variante. Und sogar eine gar nicht mal so unbeliebte. Mehr als jeder zweite Befragte (54 Prozent) finden die Idee gut, 30 Prozent lehnen sie ab.

Seite 2: Bei welcher Maßnahme über 80 Prozent zustimmen.

Zusätzliches Steuergeld in die GKV

Der Staat soll also aus dem Steuerhaushalt Geld in die GKV hinüberschieben. Damit würden am Ende fast alle die Zeche bezahlen, immerhin einigermaßen nach Finanzkraft gestaffelt.

Auch dieser Vorschlag trifft auf Rückhalt. 55 Prozent finden ihn gut oder total gut. Lediglich 28 Prozent sind dagegen.

Beiträge stärker nach Einkommen staffeln

Hier kommen wir zum ersten Favoriten in der Umfrage. Denn den Gedanken, (finanziell) stärkere Schultern mehr tragen zu lassen, finden 69 Prozent der Befragten charmant. Nur 22 Prozent sind dagegen. Welches Einkommen diese 22 Prozent monatlich nach Hause bringen, wäre zweifellos interessant gewesen, wurde aber leider nicht abgefragt.

Stärkere Digitalisierung, um Kosten zu senken

Doch es gibt Maßnahmen, die noch beliebter sind. Denn zum Beispiel Kosten mithilfe von Digitaltechnik zu senken, wollen deutliche 77 Prozent der Befragten. Voll und ganz befürworten es 42 Prozent. Dagegen sind nur 14 Prozent.

Gemeinsame Rabatt-Einkäufe für Medikamente und Behandlungen

Auch an den Preisen für Behandlung und Medikamente lässt sich was machen, findet eine deutliche Mehrheit. 69 Prozent meinen, dass Rabatte über Einkaufsgemeinschaften möglich werden sollten. 14 Prozent finden das nicht.

Prävention und Gesundheitsförderung, um langfristig teure Krankheiten zu verhindern

In der letzten Frage geht es darum, dass die Menschen sich besser um ihre eigene Gesundheit kümmern und ihnen die GKV dabei hilft. Der Gedanke ist übrigens nicht neu. Zahlreiche Krankenkassen wollen jetzt schon nicht mehr nur Rechnungen bezahlen, sondern über Gesundheitsprogramme die Menschen gar nicht erst krank werden lassen. Zwei Beispiele bekommen Sie in Videos hier und hier erklärt.

84 Prozent wollen so etwas, was somit den Höchstwert in der Umfrage markiert. Nur 8 Prozent sind dagegen.

Und wenn wir an dieser Stelle mal in die Klischee-Tüte greifen dürfen: Diese Maßnahme ist einige der wenigen, in denen mehr Frauen zustimmen als Männer (85 versus 83 Prozent). Ausgerechnet dann, wenn sich Menschen um die eigene Gesundheit kümmern sollen.

Die zweite Frage, in der mehr Frauen als Männer zustimmen, ist die nach dem Arbeitgeberanteil. Da sind es 56 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer. Ansonsten stimmen stets mehr Männer zu als Frauen, nur bei der Einkommensstaffel liegen beide Geschlechter gleich auf.

Zur Methode:

Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des Yougov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 5. bis 8. September 2025 insgesamt 2.022 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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