Schwere Krankheiten

„Eine Dread-Disease-Versicherung ist ein Must-have“

Vor einer schweren Krankheit ist niemand gefeit. Darum sollten Dread-Disease-Versicherungen in der Beratung nicht fehlen, meint Alexander Leutfeld. Der Bereichsleiter Cross Border Life bei Zurich Deutschland erläutert, was die Produkte können und warum sie eine BU hervorragend ergänzen.
Alexander Leutfeld ist Bereichsleiter Cross Border Life bei Zurich Deutschland.
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Alexander Leutfeld ist Bereichsleiter Cross Border Life bei Zurich Deutschland.

Pfefferminzia: Herr Leutfeld, schwere Erkrankungen erleben wir im persönlichen Umfeld immer wieder. Warum bleiben Dread-Disease-Versicherungen in der Vorsorgeberatung trotzdem oft unangesprochen? 

Alexander Leutfeld: Genau das haben wir uns dieses Jahr einmal näher angeschaut und sind auf mehrere Gründe gestoßen. Erstens gibt es eine emotionale Hürde, in einem Kundentermin, der eigentlich einem anderen Zweck diente, Themen wie Krebs oder Herzinfarkt anzusprechen. Zudem hat der Zeitdruck wieder an Bedeutung gewonnen. Vermittler müssen Dread-Disease-Versicherungen den Kunden erklären und zu anderen ähnlichen Absicherungen abgrenzen. Das kostet Zeit. Hinzu kommt die Unsicherheit gegenüber dem Produkt. Dabei ist das Produkt gar nicht kompliziert, wie viele Berater feststellen, wenn sie sich etwas Zeit dafür nehmen. 

Viele denken auch, dass es sehr aufwändig ist, die Leistung zu bekommen. Dabei bietet die Schwere-Krankheiten-Versicherung eine einmalige Kapitalleistung, wenn eine versicherte Erkrankung die vertraglich festgelegten Voraussetzungen erfüllt. Eine Berufsunfähigkeit muss dafür nicht vorliegen. Ein weiterer Grund: Der Fokus von Absicherungen liegt auf monatlichen Zahlungen, wie sie die BU leistet. Dabei wird vergessen, dass gerade nach einer Diagnose häufig hohe Kosten entstehen. Dafür kann die Schwere-Krankheiten-Vorsorge mit ihrer Einmalleistung finanziellen Handlungsspielraum schaffen. 

Welche finanziellen Risiken können bei einer schweren Erkrankung auf Menschen zu kommen und sollten abgedeckt sein? 

Leutfeld: Eine schwere Krankheit ist schlimm, aber eine schwere Krankheit ohne Geld ist eine untragbare Last. Dem sind sich viele Menschen gar nicht bewusst. Es kommen häufig immense Kosten auf sie zu. Zum Beispiel Behandlungs- und Therapiekosten, die die Krankenversicherung nicht trägt. Oder Taxikosten zu einem weiter entfernten Ärztezentrum. Was viele ausblenden, ist der Einkommensausfall. Eventuell müssen Kinder betreut werden, man braucht Haushalts- und Pflegehilfen oder Umbauten im eigenen Heim. Hinzu kommen Verbindlichkeiten, etwa eine laufende Immobilien- oder Autofinanzierung. Fällt dieser ganze finanzielle Druck weg oder wird zumindest gemindert, kann das heilungsfördernd wirken, weil sich die Betroffenen auf ihre Genesung konzentrieren können.  

Das Hauptinstrument zur Absicherung der Arbeitskraft ist eine BU-Versicherung. Warum ist die Dread-Disease-Versicherung wichtig als strategische Ergänzung zur BU? Was kann sie, was eine BU nicht kann? 

Leutfeld: Ein wichtiger Unterschied ist, dass die BU-Versicherung monatlich eine Rente zahlt, während die Dread-Disease-Versicherung eine einmalige Kapitalleistung vorsieht. Bei unserem Eagle Star Krankheits-Schutzbrief kommt es auf die versicherte Erkrankung und die in den Bedingungen definierten Voraussetzungen an, etwa den erforderlichen Schweregrad. Berufsunfähigkeit ist dafür keine Voraussetzung. Die Auszahlung erfolgt nach Prüfung und Anerkennung des Leistungsanspruchs. Bei der BU steht dagegen grundsätzlich die gesundheitlich bedingte Einschränkung im zuletzt ausgeübten Beruf im Mittelpunkt. Welche Absicherung im Einzelfall zuerst greift, lässt sich nicht pauschal sagen. 

Die Dread Disease kann im Leistungsfall einen Liquiditätsbooster liefern, mit dem sich eine gewisse Zeit überbrücken lässt. Langfristig ist die monatliche Zahlung aus einer BU eine essenzielle Absicherung. Deckt die vereinbarte BU-Rente nicht das gesamte Nettogehalt ab, können bei einer langfristigen Berufsunfähigkeit Einkommenseinbußen bleiben. Auch hier kann das Kapital aus der Dread-Disease-Versicherung helfen. Die beiden Konstrukte greifen gut ineinander. 

Kann eine Dread-Disease-Versicherung sogar ein BU-Ersatz sein für Menschen, die keine BU bekommen? 

Leutfeld: Beide Absicherungen ergänzen sich sinnvoll. Aber wenn Kunden tatsächlich keinen Zugang zu einer BU haben, kann eine Dread-Disease-Versicherung zumindest einen Teil der finanziellen Risiken abdecken. Ein gleichwertiger BU-Ersatz ist sie nicht: Auch eine hohe Einmalleistung ersetzt keine laufende Rente über viele Jahre. Die Versicherungssumme sollte deshalb zum individuellen Bedarf passen. Über die Verwendung der Leistung entscheidet der Kunde selbst. Zudem sind nur die vertraglich vereinbarten Erkrankungen versichert, nicht sämtliche Ursachen einer Berufsunfähigkeit, etwa psychische Erkrankungen.   

Bei welchen Kunden sollten Vermittler die Dread-Disease-Versicherung unbedingt auf der Beratungsagenda haben? Gibt es klassische Zielgruppen? 

Leutfeld: Meine erste Zielgruppe als Vermittler wären Freunde, Bekannte, alle Menschen, die mir am Herzen liegen. Ich möchte mir nicht irgendwann anhören: Warum hast du mir das nicht erzählt? Klassische Zielgruppen sind die bereits angesprochenen Kunden ohne BU-Möglichkeit, aber auch Selbstständige und Freiberufler. Für die kann die Kapitalleistung bei einer versicherten Erkrankung helfen, private und betriebliche Fixkosten aufzufangen. Eine Betriebsausfallversicherung ersetzt sie nicht. Auch für Kunden mit einer familiären Vorbelastung ist die Absicherung wichtig. Ob und zu welchen Bedingungen Versicherungsschutz möglich ist, hängt von der individuellen Risikoprüfung ab. Das Thema hat hier einen ganz anderen Stellenwert und kann in der Beratung nach vorn geschoben werden. Und last but not least, würde ich alle Bestandskunden mit einer BU zu dem Thema ansprechen. Das Spektrum an möglichen Kunden ist also sehr breit. 





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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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