Ein paar Möglichkeiten

Wie sich in der PKV der Beitrag drücken lässt

In der privaten Krankenversicherung steigen in vielen Tarifen die Prämien. Kann man dagegen etwas unternehmen? Viel ist es nicht, was am Wesen dieser Versicherungsform liegt. Ein paar sinnvolle Maßnahmen gibt es allerdings.
© picture alliance/dpa | Jens Kalaene
Britta Müller (parteilos), Gesundheitsministerin in Brandenburg, spricht mit Lukas Beyer, Chefarzt Radiologie, im Klinikum Ernst von Bergmann: PKV-Kunden müssen selbst entscheiden, ob ihnen Chefarztbehandlung wichtig ist

Die Überschriften im Blog des Krankenversicherungsspezialisten KVoptimal.de gleichen sich zurzeit enorm. Zuerst steht da der Name eines Versicherungsunternehmens, und dann folgt die Wortgruppe „erhöht PKV-Beiträge 2026“. Zwölf solche Artikel sind es aktuell. Einige werden wahrscheinlich noch folgen, denn die Saison in der privaten Krankenversicherung (PKV) läuft: Alle Prämien fliegen hoch. Mehr oder weniger.

Die Gründe dafür entsprechen grundsätzlich denen, weshalb auch der Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erneut steigt: Die Zahl der Krankheitsfälle wächst, und Medikamente, Behandlungsmethoden und Personal werden teurer. So weit, so nicht ganz neu.

Doch während beispielsweise nicht wenige Kunden in der KFZ-Versicherung einfach nach günstigeren Angeboten suchen, sollte man sich das hier gut überlegen. Denn in der PKV steht nicht der Beitrag im Vordergrund, sondern die Leistung. „Die PKV ist in erster Linie ein Leistungsversprechen darauf, die Lebensqualität im Krankheitsfall schnell wieder zurückzubekommen“, sagt Versicherungsmakler Thomas Kliem, der sich unter anderem auf Krankenversicherungen spezialisiert hat. Der erste Fehler sei es schon, wenn jemand in die PKV wechselt, um Geld zu sparen. Das sollte man niemals tun.

Mehr zum Thema

Gut ein Viertel der PKV-Beiträge wandert in Altersrückstellungen

2022 sind mehr als ein Viertel der Beitragseinnahmen der privaten Krankenversicherung in Altersrückstellungen geflossen. 47,1…

12 aufschlussreiche Grafiken aus dem Gesundheitssystem

Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) hat seinen Bericht namens „Basisdaten des Gesundheitswesens 2023“ veröffentlicht. Es…

Deshalb sorgen immer wieder große Tarifvergleiche im Verbraucherschutz für ordentlichen Unmut. Einen davon hatte die „Stiftung Warentest“ im Februar veröffentlicht – und dabei intensiv auf den Beiträgen herumgeritten. Hauptsache günstig.

Doch das ist in der PKV eben keine gute Idee: Wer zum Billig-Tarif greift, läuft später in stark steigende Prämien hinein. Das Versichertenkollektiv will nun mal Leistungen bezahlt bekommen, und vor allem wollen Alterungsrückstellungen gebildet werden. Die sollen später die Beiträge stützen, wenn es mit der Gesundheit im Alter bergab geht. PKV-Makler Sven Hennig schimpfte damals über den Test: „Mehr Beitrag bedeutet, dass ich eine vernünftige Kalkulation kaufe. Und wenn ich billig kaufe, laufen mir später massiv die Beiträge weg, und ich kann nicht mehr ausgleichen.“

PKV drei Jahre im Voraus zahlen

Aber was lässt sich tun, wenn die Prämie trotzdem ein bisschen sinken soll? „Die legalen Mittel sind sehr begrenzt“, stellt Makler Walter Benda klar. Mittel- bis langfristig könne man die Prämien generell nicht drücken, außer über gekürzte Leistungen. „Langfristig haben alle Tarife eines bestimmten Niveaus einen bestimmten Preis, ohne dass große Beitragsdifferenzierung möglich ist“, so Benda.

Eine kleine, aber effektive Maßnahme könnte es sein, die PKV bis zu drei Jahre im Voraus zu zahlen (wenn der Anbieter mitmacht). Das bringt vor allem Selbstständigen was. Sie können dadurch Rabatt auf die Prämie bekommen und sie jetzt schon als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. In den zwei folgenden Jahren lassen sich dann hingegen andere Vorsorgebeiträge ansetzen, die die PKV-Beiträge sonst verdrängt hätten.

Eine andere mögliche Maßnahme ist eher eine Hygienemaßnahme: Makler sollten nachsehen, ob noch Risikozuschläge bestehen, der Grund dafür aber inzwischen entfallen ist. So nennt Makler Dieter Homburg in einem Artikel für den „Focus“ als Beispiel eine Kundin und ihren Rücken. Sie lässt sich von ihrem Arzt bestätigen, dass der Rücken inzwischen in Ordnung ist – und spart damit 120 Euro im Monat. Auch Thomas Kliem hat schon Risikozuschläge „rausverhandelt“, wie er es nennt. Beiträge könnten dadurch schon gut und gerne um 10 Prozent sinken.

Interner Wechsel? Jederzeit

Als zweite Maßnahme nennt Dieter Homburg den internen Tarifwechsel. Paragraf 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) schreibt vor, dass PKV-Kunden jederzeit beim selben Anbieter wechseln können. Zur Wahl stehen alle Tarife, auch die alten, schon geschlossenen. Die Alterungsrückstellungen gehen komplett mit, und der Versicherer prüft die Gesundheit nicht neu, wenn nicht gerade weitere Leistungen hinzukommen sollen. Klingt erstmal gut, um Geld zu sparen, widerspricht aber dem eingangs erwähnten Wesen der PKV.

So sieht das auch Walter Benda, der solche Wechsel lediglich als „temporäres Verschnaufen“ bezeichnet, „dessen Folge überproportionale Beitragsanpassungen sind, im Kollektiv und folglich auch für den 204er-Wechsler selbst“. Sind die neuen Tarife sogar offenkundig zu billig beziehungsweise unterkalkuliert, dürften die Vorteile in den folgenden zehn Jahren verpuffen, schätzt der Makler.

KVoptimal.de-Chefin Anja Glorius hält es hingegen für einen Versuch wert. So schreibt sie im Blog: „Das hat durchaus Aussicht auf Erfolg, da private Krankenversicherungen immer wieder neue Tarife auf den Markt bringen.“ Um 43 Prozent könnte man den Beitrag so senken. In der Tat: Mal nachschauen kostet erstmal nichts.

Wo es einen internen Wechsel gibt, da gibt es natürlich auch einen externen. Doch der bringt zunächst einige Nach­teile mit sich: Der neue Anbieter prüft die Gesundheit und schließt eventuell Vorerkrankungen aus. Und mindestens ein Teil der Alterungsrückstellungen geht verloren. Weshalb allenfalls junge und gesunde Menschen den Anbieter wechseln sollten, so die allgemeine Ansicht. Andererseits können der bisherige Anbieter und Tarif derart unpassend geworden sein, dass man vielleicht doch lieber wechselt. Auch ein saurer Apfel enthält Vitamine.

Das gilt auch für den Selbstbehalt, den man nie vergessen sollte. Kunden zahlen also bis zu einer bestimmten Grenze ihre Behandlungen selbst. „Der jährliche Selbstbehalt ist die gängigste Form, um den monatlichen Beitrag zu reduzieren“, teilt etwa der Verband der Privaten Krankenversicherung mit.

Nachlass oft über dem Selbstbehalt

Der Selbstbehalt darf 5.000 Euro nicht überschreiten, bringt aber einen zusätzlichen psychischen Spareffekt mit sich: Weil sie selbst Geld auf den Tisch legen müssen, lassen PKV-Kunden dann die eine oder andere Behandlung weg. Dadurch spart der Versicherer Geld über den Selbstbehalt hinaus, und der Beitrag kann noch stärker sinken.

Normale Arbeitnehmer wählen bei Makler Thomas Kliem Selbstbehalte von etwa 600 Euro. Und dann beobachtet er einen Trick: Manche Kunden schieben Behandlungen, die sich schieben lassen, gebündelt in ein bestimmtes Jahr.

Damit übertreffen sie den Selbstbehalt, und die Versicherung zahlt den Rest. In anderen Jahren müssen sie nur wenig bis gar nichts selbst zahlen, haben aber trotzdem den Beitragsnachlass.

Gleichwohl hat der Selbstbehalt auch Nachteile. Einen nennt der PKV-Verband: „Arbeitnehmer erhalten einen Arbeit­geberzuschuss zu ihrem Versicherungsbeitrag. Sinkt dieser Beitrag aufgrund des Selbstbehalts, reduziert sich auch der Zuschuss.“ Zu den selbst zu zahlenden Ausgaben hingegen schießt der Arbeitgeber nichts hinzu. Andererseits sind Krankheitskosten steuerlich als außergewöhnliche Belastungen absetzbar. Aber erst, wenn sie eine „individuelle zumutbare Belastung“ überschreiten. Deutsches Steuerrecht, nun ja.

Zu allerletzt: Leistung kürzen

Wem es mit dem Beitrag ganz besonders ernst ist, der kann schließlich auch die Axt am Allerheiligsten ansetzen – und Leistungen abwählen. „Einbettzimmer im Krankenhaus oder Erstattungssatz bei Zahnbehandlung und Zahnersatz – es gibt einige Beispiele, wie Versicherte ihren Vertragsumfang beitragsmindernd ver­ringern können und dennoch im Krankheitsfall gut versorgt sind“, meint der PKV-Verband. Was noch „gut versorgt“ ist, muss jeder selbst entscheiden. Weshalb beim Leistungskatalog absolutes Fingerspitzengefühl nötig ist.

Makler Kliem tut sich damit schwer. Sicherlich könne man die Wahlleistungen im Krankenhaus herausnehmen und würde damit Geld sparen. 40 oder 50 Euro im Monat könnten das sein, bei manchen auch über 100 Euro. „Aber dann hat man nur noch den Status wie ein normaler Kassenpatient. Es macht einen riesigen Unterschied, ob der teure Spezialist die Operation durchführt oder jemand anderes.“ Niemals streichen würde er übrigens das Krankentagegeld, das lange Verdienstausfälle abdecken soll. „Dabei geht es einfach um zu viel“, so Kliem.

Anja Glorius meint in ihrem Blog, dass viele Menschen recht schmerzfrei auf Einzelzimmer, freie Arztwahl oder Heilpraktikerleistungen verzichten können. „Nicht antasten sollte man Basics wie Rehabilitationsmaßnahmen, Anschlussheilbehandlung, implantologische Leistungen beim Zahnersatz, Hospiz- und Palliativ­leistungen. Diese sind teuer und können schnell zur Kostenfalle werden.“ Es gibt nun mal Grenzen. Und die sind bei jedem anders.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia