Corona-Bilanz

Krankenkassen machen 3 Milliarden Euro Minus

Hohe Corona-Kosten und nachgeholte Operationen aus dem Frühjahr: Die Krankenkassen stehen nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ im dritten Quartal mit mehr als 3 Milliarden Euro in der Kreide. Am schlechtesten schnitten die Allgemeinen Ortskrankenkassen ab, gefolgt von den Ersatzkassen.
© picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Gesundheitskarten verschiedener Kassen: Die Finanzlage verschärft sich.

Nachdem sich die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2020 noch über einen satten Überschuss freuen konnten, haben sie nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im dritten Quartal ein Defizit von mehr als 3 Milliarden Euro eingefahren. Am schlechtesten sah es demnach bei der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit minus 1,4 Milliarden Euro aus, gefolgt von den Ersatzkassen mit minus 1,2 Milliarden Euro.

Aus Plus wird Minus

Bei den Innungskrankenkassen überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um mehr als 200 Millionen Euro, berichtet die FAZ unter Berufung auf vorläufige Zahlen der Kassenverbände. Bei den Betriebskrankenkassen betrage die Unterdeckung 150 Millionen Euro, in der Knappschaft 52 Millionen Euro. Das Minus in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sei damit insgesamt fast sechzehn Mal so groß wie vor Jahresfrist, als es 193 Millionen Euro betragen habe.

Im ersten Halbjahr erzielten die Kassen dem Bericht zufolge noch einen Überschuss von fast 1,3 Milliarden Euro. Der Grund: Während des ersten Lockdowns in der Corona-Pandemie waren teure Operationen verschoben worden und weniger Patienten zum Arzt gegangen.

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Nach dem Ende des ersten Lockdowns habe es eine Normalisierung bei Behandlungen und Operationen sowie Nachholeffekte gegeben, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, der FAZ. Das Ergebnis drehe „nun erwartungsgemäß wieder ins Minus“. Belastet werde die Bilanz zusätzlich durch das sogenannte Versichertenentlastungsgesetz, mit dem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die GKV dazu bringen will, ihre Milliardenrücklagen schrittweise abzubauen.

„Das dicke Ende kommt erst noch“

Noch seien die längerfristigen Kosteneffekte der Pandemie nicht abzusehen. „Klar ist aber, dass wir in diesem Jahr mit einem Minus abschließen werden und dass das dicke Ende für die gesetzliche Krankenversicherung erst noch kommt“, betont Litsch, der für 2022 in der GKV einen Fehlbetrag von 17 Milliarden Euro erwartet.

Erst vor wenigen Tagen hatte der AOK-Bundesverband vor einer möglichen Verdoppelung der Zusatzbeiträge zur GKV gewarnt, sollte die Bundesregierung bei den Corona-Hilfen nicht deutlich nachlegen. Der zugesagte höhere Bundeszuschuss von einmalig 5 Milliarden Euro reiche bei Weitem nicht aus, um die Finanzierungslücke zu schließen. Beschlossen ist bereits, dass die durchschnittlichen GKV-Zusatzbeiträge 2021 von 1,1 auf 1,3 Prozent steigen werden.

Autor

Achim

Nixdorf

Achim Nixdorf war von April 2019 bis Mai 2024 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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