Spätestens seit dem Buch „Artgerechte Ernährung“ von Matthias Riedl wird regelmäßig über diese Form der Ernährung diskutiert. Riedl selbst definiert sie als eine, die zurück geht zu den Ursprüngen der menschlichen Ernährung. Jedoch hat sie nichts mit der klassischen Paläo-Diät zu tun, die etwa Loren Cordain propagiert. Sie ist zum größten Teil pflanzenbasiert, ballaststoffreich, enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe, Kräuter, Nüsse und in begrenztem Maß rotes, dafür viel weißes Fleisch.
Bei ballaststoffreich und pflanzlichen Eiweißen denkt man schnell an Hülsenfrüchte. Tatsächlich empfiehlt Riedl diese an mehreren Stellen seines Buches. Wer nun die Bücher vom Paläo-Papst Cordain liest, findet genau die gegenteilige Empfehlung. Er rät von Hülsenfrüchten ab. Diese enthielten zu viele antinutritive Stoffe, also Antinährstoffe wie Lektine, Phytate, Saponine und Tannine. Im Laufe der Evolution haben Pflanzen diese Stoffe entwickelt, um sich vor Umwelteinflüssen wie beispielsweise der UV-Strahlung, als auch vor Fressfeinden schützen zu können. Cordain zählt den Menschen zu den Fressfeinden mit dazu.
Während Riedl davon spricht, dass Menschen pflanzliche Eiweiße besonders gut verwerten können, schreibt Cordain in seinem Buch „Die Paleo-Strategie“: „Unser Körper verarbeitet Proteine aus Bohnen und Hülsenfrüchten nicht annähernd so effizient wie tierisches Protein“. Was stimmt nun aber? Sind Hülsenfrüchte gesundheitsfördernd, oder schädlich? Das Chaos ist perfekt. Der Verbraucher maximal verwirrt.
Wie entgegengesetzte Aussagen richtig sein können
Jetzt kommt es. Beide haben Recht! Wie kann das sein? Der Grund dafür liegt in der jeweils individuellen Situation, der Art der Zubereitung und der Menge der gegessenen Nahrungsmittel. Auch wenn der menschliche Stoffwechsel noch immer zum großen Teil so funktioniert, wie vor vielen hunderttausend Jahren, gab es doch einige regionale Anpassungen. Eine Ernährung, die für einen Menschen mit asiatischen Wurzeln günstig ist, muss deshalb nicht pauschal für einen mit europäischen, oder afrikanischen Wurzeln geeignet sein. Viel relevanter sind jedoch Faktoren wie die Zubereitung, der Zustand des Darms und dessen Besiedlung.
Richtig ist, dass Gemüse und Getreide Antinährstoffe enthalten können. Phytinsäure kann die Aufnahme von Mineralstoffen im Körper hemmen und so zu Mängeln führen. Auch das ist eine Abwehrmaßnahme der Pflanze, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Phytinsäure ist beispielsweise in Soja enthalten. Wie kann es nun sein, dass gerade die ursprünglich lebenden Asiaten, die viel Soja verzehren, mit die höchste Lebenserwartung haben?
Das liegt an der Zubereitung. Asiaten konsumieren viel fermentiertes Soja, wie zum Beispiel Miso. Durch die Fermentierung reduziert sich der Gehalt an Phytinsäure, während die förderlichen Substanzen erhalten bleiben. Auch Linsen enthalten diesen Stoff. Werden Linsen jedoch über Nacht eingeweicht und das Einweichwasser regelmäßig gewechselt, reduziert sich der Anteil dieses antinutriven Stoffs. Das wusste schon unsere Oma. Gleiches gilt beim guten alten Sauerteigbrot, bei dem der Teig noch viele Stunden ruhen darf.
Ein weiterer Antinährstoff ist Lektin. Ein gesunder Darm hat mit Lektin weniger Probleme. Ist die Darmschleimhaut jedoch geschädigt, oder entzündet oder der Darm löchrig (Leaky Gut), so können Antinährstoffe sich weiter schädigend auf die Darmschleimhaut auswirken, oder in die Blutbahn gelangen.
Einige dieser Stoffe wirken auf den menschlichen Körper jedoch nicht nur schädigend. Von deren Schutzwirkung in der Pflanze profitieren wir teilweise auch. Gut nachvollziehbar ist das bei den sekundären Pflanzenstoffen wie den Polyphenolen zu denen die oben genannten Tannine gehören. Einige dieser Stoffe wirken beispielsweise antioxidativ, entzündungshemmend und krebsvorbeugend.
Du bist, was du verdauen kannst
Wurden die Nahrungsmittel in ursprünglicher Art und Weise zubereitet und ist der Darm gesund, so können Hülsenfrüchte gesundheitlich förderlich sein. Im anderen Fall können sie jedoch auch bestehende Krankheitsbilder verschlechtern. So kommt es zu unterschiedlichen Studienaussagen, die sich gegenseitig widersprechen und doch beide Recht haben. Es ist eben immer wichtig, den Menschen als Ganzes zu betrachten und seine jeweilige, individuelle Situation zu berücksichtigen.
So können Nahrungsmittel bei einem Menschen förderlich und beim anderen krankheitsverstärkend sein. Dieser Zustand kann sich im Laufe der Zeit auch wieder verändern. Ist die Besiedlung des Darms wieder ausgeglichen, sodass die Darmschleimhaut optimal mit Nähr- und Schutzstoffen versorgt wird und besteht kein Leaky Gut mehr, so kann man plötzlich wieder Nahrungsmittel essen, auf die man zuvor schlecht reagiert hat.
Das wussten schon die alten Chinesen. Im Ernährungsbereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist genau diese individuelle Berücksichtigung ein wesentlicher Bestandteil. Bis zum 6. Jahrhundert gab es in China praktisch keinen Unterschied zwischen Nahrungsmitteln und Medizin. Viele kennen das Sprichwort: „Du bist, was du isst“. Unter Berücksichtigung der oben genannten Zusammenhänge ist es sinnvoller von „Du bist, was du verdauen kannst“ zu sprechen.
Deshalb kann es im Bereich der Ernährung auch nur grundsätzliche biochemische, beziehungsweise stoffwechseltechnische Zusammenhänge geben, jedoch selten pauschale Empfehlungen, die für alle gelten. Der eine kann verdauen, was der andere (noch) nicht verdauen kann. Ich spreche in meinen Seminaren und meiner Beratung stets von individueller, artgerechter Ernährung. Deshalb gibt es bei mir auch keine generellen Verbote, oder Vorschriften, sondern lasse die Teilnehmer die Zusammenhänge erkennen. Was für wen in welchem Fall eine individuelle, artgerechte und damit gesundheitsförderliche Ernährung ist, lässt sich durch die Berücksichtigung des Menschen als Ganzes ermitteln.
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Das ist ein Test Kommentar, um zu prüfen ob man den Text sieht.
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