Bankrocker-Kolumne

Zwischen KI und neuer Menschlichkeit

Künstliche Intelligenz (KI) ist überall – effizient, perfekt, kalt. Bankrocker Stephan Heider plädiert in seiner Kolumne dafür, bei aller technologischen Euphorie das Wesentliche nicht zu verlieren: Menschlichkeit, Nähe und echte Begegnung.
Edler Mann mit Brille und Tattoos, Schwarz-Weiß-Foto.
© Gregor Haase
Bankrocker Stephan Heider.

Irgendwann wurde aus der DKM in Dortmund eine Technologiemesse. KI hier, KI da – Chatbots, Automatisierung, Prozessoptimierung. In fast jedem Vortrag fielen die Worte ChatGPT, künstliche Intelligenz und Effizienz. Und jedes Mal, wenn ich sie hörte, spürte ich etwas wie metallische Kälte.

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Effizienz ist gut, zweifellos. Aber ist sie auch das, was wir brauchen? Oder verlieren wir auf dem Weg zum perfekten Prozess das, was uns einmal ausgemacht hat – unsere Menschlichkeit?

Menschen kaufen von Menschen – das ist ein eisernes Gesetz. Und so sehr ich Technik liebe, so sehr glaube ich: Dieses Gesetz bleibt bestehen. Vertrauen entsteht nicht durch Code, sondern durch Begegnung. Eine von KI geschriebene Grußkarte mag fehlerfrei sein – aber sie hat keine Seele. Eine handgeschriebene Karte mit Tintenklecks und schiefem Wort trägt Wärme. Sie erzählt von Zeit und Aufmerksamkeit.

Echtheit statt Perfektion

KI ist für mich wie ein Energy Drink: kurzfristig beflügelnd, langfristig bleibt der flaue Magen. Menschlichkeit dagegen ist die Morgenmeditation – die Kraft, die alles zusammenhält. Wenn Kunden sagen: „Ich fühle mich wohl bei dir“, liegt das nicht an Software, sondern an Präsenz. Am ehrlichen Zuhören. Am echten Geschenk, das nicht aus Kalkül, sondern aus Gefühl kommt. Wir unterschätzen, wie viel Wirkung Echtheit entfalten kann – gerade in Zeiten, in denen alles nach Perfektion strebt.

Ich bin kein Gegner der KI. Im Gegenteil – sie ist faszinierend. Doch sie bleibt ein Verstärker, kein Ersatz. Sie kann Prozesse beschleunigen, aber sie darf nicht unsere Basis werden. Wenn wir uns nur nach oben strecken – nach mehr Output, mehr Klicks – und dabei den Boden verlieren, auf dem wir stehen, dann stürzen wir.

Auch ich musste das lernen. Ich war so sehr damit beschäftigt, effizient zu sein, dass ich vergaß, warum ich das überhaupt tue. Bis mir ein Kunde sagte: „Stephan, wo ist denn deine Ruhe hin?“ Da wusste ich, dass mein Tempo mich nicht definiert – meine Menschlichkeit tut es.

Wenn wir KI nutzen, um unsere natürlichen Talente zu unterstützen, nicht zu ersetzen, wird sie großartig. Dann wird sie zur Lupe, nicht zur Maske. Die Kunst übernimmt dort, wo die Natur endet. Und die Natur des Menschen ist – Menschlichkeit.

„Die Kunst ist die Liebe zur Natur.“ Das sagte einer, der es wissen musste: Vincent van Gogh. Und so ist die KI – im besten Fall – die Liebe zur Menschlichkeit. Vielleicht zeigt uns die Zeit, wie beides zusammengeht. Noch aber ist eine handgeschriebene Karte mehr wert als ein digitaler Text mit perfektem Satzbau. Weil sie spürbar ist. Weil man den Menschen in den Zeilen fühlt. Und weil sie erinnert, dass alles Technische nur dann Sinn hat, wenn es dem Leben dient – nicht umgekehrt.

Über den Autor

Stephan Heider, MBA, bekannt als der „Bankrocker“, gilt als Deutschlands unkonventionellster Makler, ist seit 21 Jahren in der Finanzbranche, studiert immer irgendwo irgendwas und liest gern Philosophie.

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