Rede von Julia Wiens

Bafin sieht Kreditrisiken als Problem für Versicherer

Die Versicherungsaufseherin der Bafin, Julia Wiens, sprach auf einer Veranstaltung über ein mögliches Problem der Versicherer: ausfallende Unternehmenskredite. Die könnten nämlich bei manchen ziemlich ins Gewicht fallen.
Julia Wiens, Versicherungsaufseherin bei der Bafin: „Das Risiko, dass Kredite teilweise oder vollständig ausfallen, steigt.“
© Bafin / Matthias Sandmann
Julia Wiens, Versicherungsaufseherin bei der Bafin: „Das Risiko, dass Kredite teilweise oder vollständig ausfallen, steigt.“

Im Bericht „Risiken im Fokus der Bafin 2025“ sah es noch so aus, als wäre es in erster Linie ein Bankenproblem. Nämlich die wachsende Gefahr, dass Unternehmenskredite ausfallen. Ist es aber wohl doch nicht. Es ist offenbar auch ein Problem in der Versicherungsbranche, oder kann zumindest eins werden.

Auf einer Assekuranz-Veranstaltung in Frankfurt bezog Versicherungsaufseherin Julia Wiens das Kreditausfallrisiko explizit auch auf deutsche Versicherer. Das berichtet das „Handelsblatt“ und bezieht sich dabei auf den Redetext. Demnach sagte Wiens: „Das Risiko, dass Kredite teilweise oder vollständig ausfallen, steigt.“

Der Hintergrund hat mit der laufenden Rezession in Deutschland zu tun. Seit einem Tief im Jahr 2021 zieht die Zahl der Unternehmenspleiten wieder spürbar an. Damit steigt auch die Gefahr, dass Unternehmenskredite platzen und Investoren, die sie übernommen haben, Geld verlieren. Ist das ein Lebensversicherer, drückt der Ausfall auf die Überschussbeteiligung und betrifft am Ende die gesamte Versichertengemeinschaft.

Private Debt im Zentrum der Aufmerksamkeit

Offenbar ließ Wiens ein paar Zahlen fallen, um das Ausmaß des Risikos zu verdeutlichen. Sie beziehen sich auf die Anteile sogenannter Private-Debt-Anlagen in den Investments der Versicherer. Private Debt sind Kredite, die nicht in Form von Anleihen über die Kapitalmärkte, sondern direkt von Kreditgebern an Unternehmen (also privat) fließen. Investmentbanken verpacken diese Kredite anschließend und verkaufen sie an Investoren weiter.

Und zu diesen Investoren gehören auch Versicherer. Vor allem als Bundesanleihen nur noch Renditen unter null abwarfen, mussten sie sich nach halbwegs lukrativen Alternativen umsehen. Laut Bafin betrug der Anteil solcher Private-Debt-Investments Ende 2023 etwa 4,7 Prozent der gesamten Kapitalanlagen. Doch das ist nur der Durchschnitt. „In der Spitze liegt der Anteil bei rund 30 Prozent“, zitiert das „Handelsblatt“ Wiens.

Wissen, welchem Unternehmen man Geld leiht

Nun haben Banken – im Idealfall – gut ausgerüstete und erfahrene Kreditabteilungen, um Ausfallrisiken aus Krediten vorab und dann fortlaufend zu prüfen. Haben das die Versicherer denn auch? In ihrer Rede stellt Julia Wiens klar, dass jeder Private-Debt-Investor verstehen müsse, welchen Unternehmen er sein Geld leiht und welches Geschäftsmodell sie fahren. Egal, ob es indirekt über Fonds oder direkt läuft.

Schon im Rahmen des Risikoberichts erklärte die Bafin, dass sie in diesem Jahr überprüfen will, wie Versicherer die Risiken ihrer alternativen Kapitalanlagen managen. Auch, ob sie den Grundsatz der unternehmerischen Vorsichtig beherzigen.

In ihrer Rede fügte Julia Wiens nun noch ein paar Aspekte hinzu. Man wolle schauen, wie die Unternehmen ihre Limit-Systeme ausgestaltet haben, wie sie ihre Überwachungssysteme betreiben und wie sie ihre Vermögen strategisch aufteilen (Strategic Asset Allocation). Und ob sie dafür genügend fähige Leute beschäftigen.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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