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„Die durchschnittlichen Schadenkosten in der KFZ-Haftpflicht sind von 2017 bis 2024 um rund 60 Prozent gestiegen“, sagt Franz Gündel, Leiter Schaden- und Betrugsmanagement bei Versicherungsforen Leipzig. Hohe Schadeninflation, die weit über dem Anstieg der Verbraucherpreise liegt, setzt Versicherer unter Druck, nicht nur in der KFZ-Versicherung. Die Versicherungsforen Leipzig haben daher zu einem Online-Talk geladen, um das Thema zu diskutieren.
Preistreibend wirken vor allem zwei Faktoren, meint Michaele Völler. „Das ist zum einen die Teuerung bei den Ersatzteilen. Im KFZ-Bereich hängt das stark mit dem Monopol der Originalteilehersteller, den OEMs, zusammen. Zum anderen sind Stundenlöhne stark angezogen, zum Teil werden mehr als 400 Euro verlangt“, so die Professorin am Institut für Versicherungswesen an der TH Köln.
Als weiterer Faktor komme zum Beispiel die integrierte Modulbauweise im KFZ-Bereich dazu, sodass statt einzelner Teile zunehmend ganze Baugruppen ausgetauscht werden müssen.
Auch die gestiegene Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen trägt zur Schadeninflation bei. Das betrifft insbesondere Wohngebäudeversicherungen.
„Zwar sind die Ereignisse oft lokal begrenzt, dafür aber sehr intensiv, was zu einem höheren Schadenaufwand pro Fall führt“, sagt Horst Nussbaumer, Mitglied des Vorstands der Zurich Gruppe Deutschland. Auch treibend wirke, dass die Bauvorschriften heute sehr viel anspruchsvoller sind und ein Neubau nach einem Schadenfall entsprechend teurer.
„Normalerweise wird eine Versicherungsprämie aus Erfahrungen der Vergangenheit berechnet. Das gilt künftig nicht mehr. Es müssen andere Parameter angesetzt werden“, so Nussbaumer. Für Versicherer stellten sich zwei Fragen: Wie stellen wir unsere Solvenz sicher und wie bleiben solche Ereignisse versicherbar? Ohne Prävention und Resilienz wird dies seiner Ansicht nach nicht funktionieren. Hier seien auch politische Entscheidungen gefragt.
Schadenprävention ist für die Talk-Teilnehmer eine wichtige Strategie, um der Schadeninflation zu begegnen. Bei Gewerbekunden, vor allem bei großen Unternehmen ist dies wohl relativ einfach: „Die wissen, dass ohne Prävention ihre Risiken nicht versicherbar sind“, so Nussbaumer. Schwieriger wird es bei kleinen und mittleren Unternehmen und insbesondere bei Privatkunden. Zurich Deutschland arbeitet daher mit Partnern zusammen, die bei der Prävention unterstützen. Dies ist Teil der Versicherungsleistung. Vor allem in der KFZ-Versicherung funktioniere das gut.
Die Bayerische wiederum hat eine Gebäudeversicherung für Einfamilienhäuser entwickelt, die Budgets für Vorsorgemaßnahmen einschließt. „Dafür können Versicherungsvermittler eine zusätzliche Ausbildung als Präventionsberater machen“, sagt Martin Gräfer, Mitglied des Vorstands der Bayerischen. Sie sollen Schäden frühzeitig erkennen und so die Kosten begrenzen. „Die Versicherung enthält Vorsorgebudgets. Die Vermittler können ihre Beratung dem Kunden in Rechnung stellen, und diese können die Kosten bei uns einreichen“, so Gräfer.
Für ihn bietet das Konzept echten Mehrwert, auch für das Kunde-Berater-Verhältnis. Auch Nussbaumer hält den Berater für die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen für wichtig. Vertrauen sei hier entscheidend. Er sieht die Wohngebäudeversicherung nicht als Produkt für den Direktvertrieb.
Als weitere kostendämmende Strategie im Schadensmanagement gelten die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von KI. „Wenn wir nicht im Underwriting und Schadenmanagement digitalisieren, haben wir als mittelständischer Versicherer kaum eine Chance gegenüber großen Mitbewerbern“, sagt Gräfer und glaubt an autonome Prozesse im Management von Standardschäden, durch KI initialisiert und den Menschen orchestriert.
Auch Nussbaumer setzt auf den Einsatz von KI bei Standardschäden. Ein Vorteil von KI und Digitalisierung sei auch die Beschleunigung der Prozesse. Es können schneller richtige Entscheidungen getroffen werden, was die Schadenkosten senken kann. Für Professorin Völler besteht die Herausforderung für KI-Anwendungen vor allem darin, dass die Mitarbeitenden den richtigen Weg zwischen zu starkem Misstrauen und blindem Vertrauen gegenüber dem „neuen Kollegen“ finden. Mitarbeitende müssten daher eine gewisse KI-Grundkompetenz haben.
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