Vorteile einer temporären BU

„Auf lange Sicht ist die Berufsunfähigkeit nicht existenzbedrohend“

Richtig existenzbedrohend ist eine Berufsunfähigkeit nur in der Umorientierungsphase, sagt BU-Experte Philip Wenzel. Deshalb hat der Gedanke einer temporären BU-Versicherung für ihn durchaus Charme. Seinen ganzen, nicht ganz Mainstream-konformen Gedankengang, lesen Sie hier.
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Aufräumarbeiten nach einem Zusammenstoß zwischen Zug und LKW: Wird ein Berufskraftfahrer berufsunfähig, bekommt er seine BU-Rente.

Die meisten Dinge auf dieser Welt lassen sich von zwei Seiten betrachten. Und weil wir meistens nur die eine sehen und dazu noch immer so gerne Recht behalten wollen, ist eine sachliche Diskussion nur selten möglich. Im Folgenden soll mal mit aller gebotenen Vorsicht die Absicherung der Berufsfähigkeit von einer anderen Seite betrachtet werden.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert das existenzielle Risiko, aus gesundheitlichen Gründen außerstande zu sein in meinem Beruf – so wie er zuletzt in gesunden Tagen ausgestaltet war – ein Einkommen zu erzielen. 

Wenig Motivation umzuschulen

Wenn ich also Berufskraftfahrer war und berufsunfähig bin, erhalte ich meine versicherte Rente. Diese Rente beziehe ich so lange, bis ich wieder in meinem Beruf arbeite oder ein vergleichbares Einkommen mit einem anderen Beruf erziele.

Die Motivation umzuschulen oder an Rehabilitations-Maßnahmen teilzunehmen, dürfte relativ gering ausfallen. Das ist aber auch in Ordnung, da eben dieser Schutz vorher durch die Beiträge bezahlt wurde.

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An dieser Stelle sind zwei Dinge anzumerken:

1.    Will der Versicherte tatsächlich von da an von der BU-Rente leben und nie mehr arbeiten?
2.    Sichert diese Art der BU tatsächlich ein existenzielles Risiko ab?

Die erste Frage ist mit dem Kunden bei Vertragsabschluss zu klären. Dabei muss immer bedacht werden, dass es einigermaßen schwierig sein wird, sich als gesunder Mensch in die Lage eines Kranken zu versetzen. Homer Simpson macht auch mal Urlaub im Altenheim und genießt es, bedient zu werden. Bin ich aber auf Hilfe angewiesen und nicht mehr aus eigener Kraft in der Lage, für mich zu sorgen, sieht es meist ganz anders aus.

Durch Eigeninitiative in Lohn und Brot zurück

So sehr wir auch das Wochenende und den nächsten Urlaub herbeisehnen, wird es wohl bei den meisten so sein, dass man sich nach dem ersten Jahr nach Alternativen umsieht.

Jetzt ist die Meinung durchaus berechtigt, dass ich der Versicherung quasi Geld schenke, wenn ich durch Eigeninitiative wieder in Lohn und Brot komme und der Versicherer leistungsfrei wird.

Gesellschaft könnte sich an Umschulungsmaßnahmen beteiligen

Deswegen wäre es nur konsequent, wenn sich die Gesellschaft an Umschulungsmaßnahmen beteiligen würde und/oder bei Beendigung der BU wegen Neuaufnahme einer Tätigkeit einen Teil der Restleistung, die zu erwarten gewesen wäre, an den Kunden auszahlt. Eigeninitiative sollte ja auch belohnt werden.

Alternativ dazu wäre es auch eine Idee, wenn der BU-Schutz von da an kostenfrei weiterbestünde. Schließlich hat der Versicherungsnehmer schon bewiesen, dass er kein Interesse an Leistungserschleichung hat, sondern im Gegenteil nur für den schlimmsten Fall abgesichert sein möchte und die Berufsunfähigkeitsversicherung eher wie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung interpretiert.

Außerdem sollte ja auch die Gesellschaft ein gesteigertes Interesse daran haben, dass sie aus der Leistung frei kommt. Unter diesem Aspekt ist es geradezu verwunderlich, wie wenige Gesellschaften derzeit aktiv Unterstützung bei gesundheitlicher und beruflicher Rehabilitation beziehungsweise Reintegration anbieten. Dabei wäre der Kunde in vielen Fällen dankbar, selbst wenn er am Ende wieder für sein Geld arbeiten muss.

Schnellere Leistung als bei einer EU

Die zweite Frage ist etwas worüber man sich unter Kollegen lange und erbittert streiten kann. In meinen Augen liegt der große Vorteil der BU darin, dass sie schneller leistet als die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Wenn ich in meinem Job kein Geld mehr verdienen kann, benötige ich dringend finanzielle Unterstützung. Da kann die Zeit bis zur Leistungsanerkennung schon zu lang sein.

Bin ich durch die BU finanziell abgesichert, kann ich mir ohne Druck Gedanken machen, wie es nun weitergehen soll. Und wenn ich mich entscheide, dass es einfach so weitergehen soll und ich zukünftig von der BU-Rente lebe, dann kann ich das auch tun.

Existenzbedrohung nur in der Phase der Umorientierung

Aber hier darf man durchaus der Meinung sein, dass es schon weniger mit einem existenzbedrohenden Risiko zu tun hat und der Versicherte mit Druck dazu angehalten werden sollte, umzuschulen. Existenzbedrohend ist die BU nur in der Phase der Umorientierung. Kann ich danach wieder ein Einkommen erzielen, ist ja auch wieder alles mehr oder weniger im Lot. Ein gewisses Lebensrisiko verbleibt ja immer.

Auf lange Sicht ist die BU aber eher nicht existenzbedrohend. Das wäre die Unfähigkeit, ein Einkommen zu erzielen. Aus diesem Grund sind temporäre Lösungen gefragt. Die derzeit angebotenen Tarife, die in den ersten Jahren auf BU prüfen, sind schon ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sind diese Lösungen noch recht starr. Ich müsste zu Beginn festlegen, wie lange ich auf BU geprüft werden möchte, bevor ich nur noch bei Vorliegen einer Erwerbsunfähigkeit Leistungen erhalte. Das werde ich zu diesem Zeitpunkt kaum festlegen können.

Flexiblere Lösungen gefragt

Hier sind flexiblere Lösungen gefragt. So sollte ich beispielsweise mindestens bis Ausbildungsende auf BU geprüft werden, idealerweise sogar bis ich wieder ein angemessenes Einkommen verdiene. Mit einer Klausel, die garantiert, dass bei verschlossenem Arbeitsmarkt ebenfalls weiter auf BU geprüft würde, wäre diese Absicherung sehr nahe an der jetzigen BU. So könnte die Premium-Lösung abgelöst werden.

Darunter müsste man mal durchrechnen, wie lange echter BU-Schutz für risikoreiche Berufe bezahlbar ist, bevor auf EU geprüft würde.

Ob sich damit alle Probleme lösen ließen, darf angezweifelt werden. Man kann es ja auch von einer anderen Seite sehen. Aber wenn schon staatliche Lösungen diskutiert werden, ist es zumindest einen Versuch wert.

Über den Autoren: Philip Wenzel ist Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK) und hat das Spezialgebiet biometrische Risiken. Er arbeitet beim Maklerunternehmen freche versicherungsmakler GmbH & Co. KG in Kemnath. Weitere Infos finden Sie auch auf der Facebook-Seite und bei Google+.

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