Arbeitskraft

Industrie unter Druck: Was jetzt in der AKS-Beratung zählt

Es ist leider so: Menschen, die in knochenharten Berufen arbeiten, erhalten nur teure Berufsunfähigkeitsversicherungen – wenn überhaupt. Wie man sie trotzdem zu großen Teilen absichern kann, erklärt Stefan Holzer, Vorstandsmitglied Swiss Life Deutschland, in seinem Gastbeitrag über Arbeitskraftabsicherung (AKS).
Geschäftsmann in Anzug vor Fenster mit Stadtblick.
© Swiss Life Deutschland
Stefan Holzer, Vorstandsmitglied Swiss Life Deutschland

Hohe Energiepreise, geopolitische Krisen und wachsender internationaler Wettbewerb: Die deutsche Industrie steht vor Herausforderungen. Das hinterlässt Spuren bei den Beschäftigten. In unserer neuen Yougov-Studie mit der Industriegewerkschaft IGBCE und der Chemierente haben wir über 1.100 Beschäftigte deutscher Schlüsselindustrien befragt, was der Wandel mit ihnen macht. Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Der Druck steigt. Besonders in der Produktion. Dort, wo körperlich hart gearbeitet wird, klagen bereits 59 Prozent der Menschen über spürbare physische oder mentale Mehrbelastungen. Und mehr als die Hälfte rechnet damit, dass sich die Belastungsschraube in den nächsten Jahren weiterdreht. Sicherheit wird für die Zielgruppe zur wichtigsten Währung.

Ungewisse Zukunft – Sehnsucht nach Sicherheit

Der Arbeitsdruck erzeugt bei den Beschäftigten hohes Risikobewusstsein: Eine große Mehrheit von 72 Prozent hält Vorsorge und Absicherung angesichts der Umbrüche für wichtig. Dass dennoch Millionen Menschen ohne adäquaten Schutz ihrer Arbeitskraft dastehen, überrascht nur auf den ersten Blick.

In der Praxis sind es oft hohe Zugangshürden, die Absicherung verhindern: Wer am Schmelzofen steht, im Akkord montiert oder am Krankenbett Schichten schiebt, erhält in der klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) wegen hoher Risikozuschläge oft nur Angebote zu teuren Konditionen – oder gar keinen Zugang zur BU. Für Vermittlerinnen und Vermittler heißt das: Der Handlungsdruck in diesen Berufsgruppen ist enorm, verlangt in der Praxis aber oft nach bezahlbaren, pragmatischen BU-Alternativen.

Ergebnisoffenheit statt „BU oder nichts“

Lange galt die BU in der AKS-Beratung als einziges Go-to-Produkt. Ein Monopol, das in den Köpfen der Kundschaft langsam zu bröckeln beginnt. Unsere Chemierente-Studie deckt auf: Mit 31 Prozent Präferenz ist die Absicherung wichtiger Fähigkeiten bei den Befragten exakt gleichauf mit dem Schutz des gesamten beruflichen Status.

Die Devise „BU oder nichts“ ist damit endgültig passé. Das große Aber: Wie unsere AKS-Umfrage aus dem letzten Jahr zeigt, wissen drei von vier Befragten nicht, dass es die Grundfähigkeitsversicherung überhaupt gibt. Löchriges Wissen in den Köpfen, das reale Absicherungslücken an der Werkbank nach sich zieht.

Ziel einer modernen Beratung muss deshalb sein, die Arbeitskraftabsicherung ergebnisoffen anzugehen. Die Grundfähigkeitsversicherung ist keine Notlösung, sondern eine hochattraktive Alternative, die sich an der realen Arbeitswelt der Menschen orientiert. Dennoch besitzen aktuell nur 12 Prozent der Befragten eine Grundfähigkeitsversicherung – bei gleichzeitig 56 Prozent, die sich unzureichend informiert fühlen. Hier klafft eine riesige Beratungslücke, die wir schließen müssen.

Drei Stellschrauben für eine zukunftsfeste AKS-Beratung

Um Beschäftigte, gerade in körperlich anspruchsvollen Berufen mit steigendem Arbeitsdruck, sicher in eine bezahlbare Absicherung ihrer finanziellen Existenzgrundlage zu lotsen, sollten wir folgende Aspekte künftig stärker in den Fokus rücken:

  1. Von der Berufsgruppe zur realen Belastung: Statt sich allein auf abstrakte Berufsgruppen und deren BU-Potenziale zu konzentrieren, lohnt sich der genaue Blick auf die gefragten physischen Fähigkeiten im konkreten Berufsalltag eines Menschen. In Bereichen wie Produktion oder Pflege entscheiden konkrete Tätigkeiten wie Heben, Tragen, Schieben oder die Feinmotorik der Hände. Und genau diese können wir schützen – auch wenn die BU keine Option ist.
  2. Vom Einzelprodukt zur Branchenlösung: Konsortiallösungen wie die MetallRente, KlinikRente oder ChemieRente verbinden Großkundenkonditionen mit branchenspezifischen Leistungsauslösern. Wenn Bedingungen exakt auf den spezifischen Berufsalltag zugeschnitten sind – etwa über realitätsgerechte Infektionsklauseln im Gesundheitswesen oder das Bedienen hochspezifischer Präzisionswerkzeuge in der Industrie – schafft das Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz bei den Beschäftigten.
  3. Von starren Produktgrenzen zu durchlässigen Absicherungswegen: Ein starkes Argument für unentschlossene oder preisbewusste Kunden sind moderne Grundfähigkeitskonzepte mit integrierter BU-Wechseloption. Beschäftigte – insbesondere Nachwuchskräfte und Azubis – sichern sich damit sofort bezahlbaren Schutz und halten sich gleichzeitig die Tür offen, später ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine BU zu wechseln.

Verantwortung im wirtschaftlichen Wandel

Am Ende muss unsere gemeinsame Mission lauten: Wir bringen möglichst viele Menschen in den Schutz ihrer finanziellen Existenzgrundlage. Nicht nur, aber insbesondere in Zeiten steigender Mehrbelastung ist gar kein Schutz das denkbar größte Risiko. Dafür sollten wir unseren Horizont in der Beratung erweitern. Welcher Baustein am Ende der richtige ist, entscheidet keine starre Regel, sondern ganz allein die individuelle Lebens- und Arbeitsrealität der Menschen, die wir schützen.

Über den Autor

Stefan Holzer ist Vorstandsmitglied bei Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management Versicherung bei der Swiss Life Lebensversicherung.

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