Gesundheits- und Altersvorsorgereform

Barmenia-Gothaer glaubt nicht an PKV-Wechselwelle

Der Versicherungskonzern Barmenia-Gothaer bezieht auf seiner Pressekonferenz klare Positionen zu den großen politischen Reformen – im Gesundheitswesen und der Altersvorsorge. Und er meldet starke Zahlen und äußert sich zur Zukunft der eigenen Marke.
Boten starke Zahlen und starke Meinungen: Andreas Eurich (links) und Oliver Schoeller, Vorstandschefs der Barmenia-Gothaer
© Barmenia-Gothaer
Boten starke Zahlen und starke Meinungen: Andreas Eurich (links) und Oliver Schoeller, Vorstandschefs der Barmenia-Gothaer

Die geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sorgt in der Branche für Diskussionen – und auch in der Barmenia-Gothaer sieht man sie differenziert. Das wurde auf der diesjährigen großen Bilanz-Pressekonferenz deutlich. Gesundheitsvorstand Christian Ritz macht darin keinen Hehl aus seiner Skepsis gegenüber der geplanten Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um rund 300 Euro: Das verteuere Arbeit und setze das falsche Signal.

Besonders skeptisch ist er in der Frage, ob die angehobene Versicherungspflichtgrenze – nach Einschätzung des PKV-Verbands auf rund 85.000 Euro für Angestellte, ein Anstieg von knapp 10 Prozent – tatsächlich nennenswerte Wechselströme in die private Krankenversicherung auslösen wird (wie es etwa Gesundheitsministerin Nina Warken erwartet). Das hält Ritz für unrealistisch. Die seit Jahrzehnten stabile Quote vollversicherter Personen in Deutschland von rund 12 Prozent dürfte sich kaum verschieben, jedenfalls nicht über den Angestelltenkanal.

Dennoch sieht der Konzern im Reformpaket auch Chancen. Wo die gesetzliche Krankenversicherung Leistungen kürzt – etwa beim Festzuschuss für Zahnersatz –, werden Ergänzungspolicen attraktiver. Und generell gilt: Einschränkungen in der GKV stärken das Argument für private Zusatz- und Vollversicherung. Das Wachstumsfeld betriebliche Krankenversicherung (bKV), das derzeit von vielen Wettbewerbern erschlossen wird, sieht Ritz ebenfalls als dauerhaftes Wachstumsfeld. Der Markt sei noch längst nicht ausgeschöpft.

Altersvorsorgereform: Mitmachen – aber richtig

Das zweite große Reformvorhaben, das die Lebensversicherungsbranche bewegt, ist die private Altersvorsorge (pAV). Zum 1. Januar 2027 tritt das neue Altersvorsorgereformgesetz in Kraft, das Riester ablöst und den Markt für geförderte Altersvorsorge auch für Banken und Fondsanbieter öffnet.

Lebensvorständin Alina vom Bruck betont, was sie an der Reform am wichtigsten findet: nicht das Gerangel um bestehende Kunden, sondern den sich verbreiternden Gesamtmarkt. Der Gesetzgeber habe der Versicherungsbranche einen klaren gesellschaftlichen Auftrag gegeben – neue Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die bisher wenig für das Alter vorgesorgt haben.

Zum neuen Altersvorsorgedepot – dem staatlich geförderten Wertpapiersparkonto, das im Kern ohne Garantien funktioniert – hat die Barmenia-Gothaer eine klare Haltung: Sie wird es anbieten. Die Frage, wer intern das Produkt trägt, wird noch geprüft. Denn der Konzern verfügt neben den klassischen Lebensversicherungsgesellschaften auch über einen eigenen Fondsvertrieb und eigene Barmenia-Gothaer-Fonds. Co-Vorstandschef Oliver Schoeller gibt sich überzeugt, dass das neue Modell Kraft entfalten wird: Der Konzern rechnet mit einem neuen, erheblichen Markt – und will daran teilhaben.

Markenname soll so bleiben

Was wir auf der Pressekonferenz wissen wollten: Wie lange trägt der recht frisch fusionierte Konzern noch den etwas sperrigen Doppelnamen Barmenia-Gothaer? Die Antwort von Co-Chef Schoeller ist eindeutig: Der Name bleibt – dauerhaft.

Der Grund liegt im sogenannten Markendepot: Beide Einzelmarken, Barmenia und Gothaer, waren in ihren jeweiligen Kundengruppen außergewöhnlich stark verankert – mit positiven Assoziationen, Vertrauen und Bekanntheit, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Keinen von beiden aufzugeben, war aus Sicht der Verantwortlichen schlicht die ökonomisch vernünftigere Entscheidung.

Was noch läuft: Im Verlauf des Geschäftsjahres sollen alle verbliebenen Außendarstellungen unter den alten Einzelmarken – Beschilderungen, Risikoträger, Gesellschaftsauftritte – auf das gemeinsame Markenbild Barmenia-Gothaer umgeflaggt werden. Strategiechef Andreas Eurich, zugleich der andere Co-Chef, sieht darin noch einmal einen Motivationsschub, insbesondere für die rund 2.500 Vermittlerinnen und Vermittler im gemeinsamen Exklusivvertrieb, der seit Jahresbeginn 2026 unter einem Dach arbeitet.

Und ein paar starke Zahlen

Was die Geschäftszahlen angeht, fiel das erste volle Konzerngeschäftsjahr der Barmenia-Gothaer bemerkenswert aus.

Die gebuchten Bruttobeiträge wuchsen um 7,8 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro – 1,2 Prozentpunkte über dem Gesamtmarkt (6,6 Prozent). Besonders stark war das Wachstum in Gesundheit (plus 8,9 Prozent gegenüber 7,3 Prozent Marktwachstum) und Komposit (plus 8,3 Prozent gegenüber 7,6 Prozent). Die Lebensversicherung wuchs mit 4,6 Prozent leicht unter dem Marktniveau von 5,2 Prozent.

Besonders stark kam der Konzernjahresüberschuss daher: Er stieg von 63,5 Millionen Euro auf 180,5 Millionen Euro – also fast verdreifacht.

In der Kompositversicherung sank die Combined Ratio der Gothaer Allgemeinen auf 90,8 Prozent (minus 2,6 Prozentpunkte), die der Barmenia Allgemeinen sogar auf 90,7 Prozent (minus 9,8 Prozentpunkte). Im Krankengeschäft verzeichnete die Vollversicherung einen Nettozuwachs von über 9.000 versicherten Personen – den besten Wert seit 20 Jahren.

Bis 2028 peilt der Konzern Bruttobeitragseinnahmen von 10 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuss von 200 Millionen Euro an. Das Beitragsziel dürfte nach aktuellem Wachstumstempo sogar ein Jahr früher erreicht werden.

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Autorin

Minzia Kolberg ist seit Mai 2025 Teil der Pfefferminzia-Redaktion. Dabei ist Minzia nicht von dieser Welt: Sie ist eine KI-basierte Redaktionsassistentin, trainiert auf Fachinformationen, Branchentrends und den Stil von Pfefferminzia. Ihre Texte entstehen im engen Zusammenspiel mit der Redaktion. Minzias erklärtes Ziel: Inhalte liefern, die nicht nur informieren, sondern Mehrwert schaffen – sachlich, pointiert und immer mit einer Prise frischer Minze.

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