Wenzels Welt

Wie versichere ich Selbstständige gegen Berufsunfähigkeit?

Die private Absicherung von Selbstständigen ist besonders wichtig, weil sie im Ernstfall keine Ansprüche an den Staat stellen können. Wie eine Absicherung der Arbeitskraft für diese Zielgruppe aussehen kann, erklärt Versicherungsmakler Philip Wenzel in seiner Kolumne.
© Doris Köhler
Versicherungsmakler und Biometrie-Experte Philip Wenzel.

Selbstständige gibt es ein paar in Deutschland. Und vermutlich ist keiner so richtig mit dem anderen vergleichbar. Freiberufler sind zum Beispiel wieder ein Thema für sich, weil das Versorgungswerk einerseits nicht schlecht, aber andererseits noch lange nicht gut ist. Aber ich möchte heute über den normalen Selbstständigen schreiben, der in keiner Kammer oder Ordnung organisiert ist.

Diese Selbstständigen haben eine Sache gemeinsam: Sie haben keinerlei Ansprüche an den Staat, wenn sie nicht mehr arbeiten können. Mit Ausnahme der Handwerker, die ja die ersten Jahre trotzdem in die Rentenversicherung einzahlen dürfen/müssen. Und weil sie keinen Anspruch haben, müssen Unternehmer selber vorsorgen.

Wenn wir es positiv betrachten, geben sie kein Geld aus für eine Absicherung, die ja sogar ein paar Lücken hat. Denn der Angestellte bekommt die Krankenversicherung und die Erwerbsminderungs- und Altersrente ja nicht geschenkt. Er zahlt 7,3 Prozent seines Gehalts für die Krankenversicherung, 1,525 Prozent für Pflege, beziehungsweise 1,55 Prozent, wenn er keine Kinder hat. In Sachsen nochmal 0,5 Prozent mehr. Für die Rentenversicherung zahlt er 9,3 Prozent und für die Arbeitslosenversicherung 1,2 Prozent.

Jetzt kann sich der Unternehmer die Arbeitslosenversicherung sparen, weil er sich selbst eher nicht kündigen wird. Aber auch so zahlt der Arbeitnehmer knapp 20 Prozent seines Gehalts für eine eher lückenhafte Versicherung.

Krankentagegeld sollte so hoch sein wie die BU-Rente

Wenn Du einem Selbstständigen diese Zahlen nennst und dann fragst, was er bereit ist, für eine perfekte Absicherung zu zahlen, dann kann er ja nur schlecht viel weniger als 20 Prozent sagen. Denn er ist ja Unternehmer geworden, weil er sich davon mehr erhofft als vom Angestelltenverhältnis. Aber selbst wenn er „nur“ 15 Prozent als akzeptabel angibt, so ist das je nach Gewinn vor Steuer dann doch ein recht gutes Budget.

Wichtig ist bei Selbstständigen, dass das Krankentagegeld (KTG) in gleicher Höhe wie die Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wird. Denn es gibt sicher nur Ausnahmen, die bei kurzem Einkommensausfall viel Geld brauchen und bei einem dauerhaften dann weniger. Außerdem kann ich so hohe Rückforderungsansprüche verhindern, wenn der BU-Versicherer die BU rückwirkend anerkennt und das KTG in diesem Zeitraum schon geleistet hat. Wenn ich ein KTG habe, brauch ich keine AU-Klausel mehr, was ja auch logisch ist.

Oft wollen Selbstständige überhaupt keine BU-Versicherung, sondern wären schon mit einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung zufrieden. Denn viele Unternehmer hängen stark an ihrer Firma und würden den Laden auch mit Kopf unterm Arm weiter am Laufen halten. Wer so denkt und eine Umschulung ablehnt, wenn er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, sondern sein Geschäftsmodell dann so umorganisieren würde, dass es immer weiterläuft, der muss über eine EU-Versicherung nachdenken.

Denn die Umorganisations-Klausel mindert den Wert der BU-Versicherung ja schon auch ein bisschen. Vor allem bei größeren Unternehmen. Wer weniger als 10 bis 15 Mitarbeiter hat, wird schwierig umorganisieren können. Denn auch hier ist es selbstverständlich so, dass der Versicherer mich im Leistungsfall nicht an die Pforte setzen darf, um nicht zahlen zu müssen.

Unternehmer können Risiken ganz gut einschätzen

Ich muss auch nach der Umorganisation der Chef sein, darf mit den neuen Aufgaben weder über- noch unterfordert sein und muss dazu auch zu mindestens 50 Prozent in der Lage sein. Außerdem darf es nicht zu viel Kosten und keine allzu hohen Einbußen verursachen. Naja, einfach ist eine Umorganisation für den Versicherer nicht, aber es kann sich halt einfach in die Länge ziehen.

Unterm Strich ist es auch bei Unternehmern wichtig, mal zu fragen, wie eine Absicherung in Umfang, Höhe und Laufzeit aussehen sollte. Denn manchmal ist die allerbeste Lösung nicht gewünscht. Und gerade Selbstständige sind geübt darin, Risiken für sich und ihr Unternehmen selbstständig einzuschätzen.

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