Stress mit Geld

Studie warnt: Opt-out-Modell in der bAV könnte schiefgehen

Das Opt-out-Modell soll mehr Menschen in die betriebliche Altersversorgung lotsen. Doch eine Studie zeigt nun, dass das ausgerechnet bei einer wichtigen Bevölkerungsgruppe nicht klappen könnte. Schuld ist der finanzielle Stress.
Handwerker schneidet Holz in Werkstatt, kreative Arbeit, Holzprojekt.
© picture alliance / Zoonar | Dmitrii Marchenko
Tischler in der Werkstatt: Gerade in Kleinbetrieben soll sich die betriebliche Altersversorgung weiter verbreiten. Das Opt-out-Modell soll helfen

Das sogenannte Opt-out-Modell aus dem Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG II) soll ab Juli greifen: Arbeitgeber können ihre Beschäftigten dann automatisch in die betriebliche Altersversorgung (bAV) aufnehmen. Wer nicht widerspricht, spart fürs Alter mit weniger Netto auf dem Konto. Damit soll sich die bAV weiter verbreiten.

Doch eine Studie des House of Finance & Tech Berlin (HOFT) und der Financial Health Initiative mit 5.020 Beschäftigten schürt Zweifel, ob das auch wirklich klappt. Genau die, die eigentlich dadurch besser vorsorgen sollen, könnten abspringen.

Wie kommt das? Die „Employee Financial Wellbeing Studie 2026“ befasst sich insbesondere mit einem Phänomen, das die finanziellen Entscheidungen der Menschen beeinflusst: dem finanziellen Stress. Bei wem Geld mal knapp war, der dürfte ihn kennen.

38 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind laut Studie finanziell gestresst. In kleinen Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern liegt die Quote sogar bei 43 Prozent. Gleichzeitig haben die Beschäftigten in solchen Unternehmen deutlich seltener Zugang zur bAV (34 Prozent versus 52 Prozent in Großunternehmen) und zu vermögenswirksamen Leistungen (22 Prozent versus 44 Prozent). Weniger Schutz bei höherem Stress. Doch genau diese Betriebe will das BRSG II erreichen. Sie sollen jetzt Opt-out einführen.

Die Studienautoren sehen folgendes Risiko: Wer sowieso schon auf jeden Euro schauen muss und den langfristen Vorsorgeeffekt nicht einsieht, wird wohl nicht hinnehmen, dass das Netto sinkt. Und damit die Veto-Karte ziehen.

Dagegen hilft auch nicht mehr Gehalt. 58 Prozent der Beschäftigten erhielten in den vergangenen zwölf Monaten mehr Geld. Doch fast jeder Dritte davon (32 Prozent) fühlt sich weiter finanziell gestresst. Das lasse sich nicht einfach mit mehr Geld wegverhandeln, meinen die Studienautoren. Die Ursache liege stattdessen tiefer: fehlende Finanzkompetenz, mangelnde Vorsorgeplanung und das Gefühl, den Überblick verloren zu haben.

Sebastian Schäfer, Chef des HOFT, fasst zusammen: „Eine Reform, die auf der Voreinstellung basiert, braucht Menschen, die verstehen, was diese Voreinstellung bedeutet. Unsere Studie zeigt: Der größte Stressfaktor ist nicht fehlendes Geld, es ist fehlendes Verständnis. Wenn ab Juli Millionen Beschäftigte automatisch in die bAV eingeschrieben werden, muss Finanzbildung Teil des Pakets sein. Sonst riskieren wir, dass gerade die finanziell Verwundbarsten aus dem System fallen.“

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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