Schokolade und Urlaub sollen helfen

Deutsche schätzen Depressionen falsch ein

Im Umgang mit Depressionen offenbaren viele Deutsche eklatante Wissenslücken. So glaubt rund jeder fünfte Befragte laut einer aktuellen Umfrage, dass „Schokolade essen“ oder „Sich zusammenreißen“ geeignete Mittel gegen die schwere Erkrankung seien, die heute als eine der Hauptursachen für eine Berufsunfähigkeit gilt.
© Deutschland-Barometer Depression 2017
Psychische Probleme sind die Hauptursache für Erwerbs- und Berufsunfähigkeit.

Über Behandlungsmöglichkeiten von Depression wissen die Deutschen bislang nicht ausreichend Bescheid. So lautet eine wichtige Erkenntnis der Autoren der Studie „Deutschland-Barometer Depression“, die von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Deutsche Bahn Stiftung in Auftrag gegeben wurde.

Demnach glaubt rund jeder fünfte Befragte, dass „Schokolade essen“ (18 Prozent) oder „Sich zusammenreißen“ (19 Prozent) geeignete Mittel seien, um die „schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung“ zu bekämpfen. Außerdem meinen 78 Prozent der Befragten, dass es Betroffenen helfe, wenn sie mal „in den Urlaub fahren“ – an Depressionen Erkrankte befinden aber nur zu rund 49 Prozent, dass eine Urlaubsreise ein „sehr geeignetes“ oder „eher geeignetes“ Hilfsmittel sei, ergab die Studie.

Weiter zeigt sich, dass die psychotherapeutische Behandlung in der Bevölkerung einen besseren Ruf genießt  – 96 Prozent halten sie für eine geeignete Behandlungsmöglichkeit – als medikamentöse Behandlungsmethoden (75 Prozent). Diese unterschiedliche Einschätzung sei vor allem darauf zurückzuführen, dass vier von fünf Deutschen glaubten, Antidepressiva würden süchtig machen (78 Prozent) oder den Charakter verändern (72 Prozent), berichten die Autoren.

„Antidepressiva machen nicht ‚high‘“

„Antidepressiva machen nicht ‚high‘, sie wirken in erster Linie gestörten Funktionsabläufen im Gehirn entgegen. Auch die Persönlichkeit wird nicht verändert“, erklärt Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Die Depression selbst dagegen führt zu schweren Veränderungen im Erleben und Verhalten“, so Hegerl.

Wenn es unter der Behandlung mit Antidepressiva zum Abklingen der Depression komme, so der Experte, berichte die große Mehrheit der Patienten, „sich wieder wie im gesunden Zustand zu fühlen“, stellt der Wissenschaftler klar.

Psychische Probleme sind nach wie vor die Hauptursache für eine Berufsunfähigkeit. So zeigt eine aktuelle Auswertung des Versicherers Debeka, dass die Psyche in 41,8 Prozent der Fälle für die Berufsunfähigkeit verantwortlich ist. Dies deckt sich mit Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund zur verminderten Erwerbsfähigkeit auf welche die Studienautoren hinweisen (siehe Grafik).

Mehr zum Thema

„Die EU-Police wurde von den Gesellschaften selbst ‚verbrannt‘“

Pfefferminzia: In einem Blogbeitrag von Franke und Bornberg im Sommer 2015 hieß es, dass die…

Wann die Erwerbsunfähigkeitspolice eine Alternative zur BU-Versicherung sein kann

„Produktqualität steigt“ – so betitelte das Analysehaus Franke und Bornberg im Sommer 2015 einen Unternehmensbeitrag…

Deutsche unterschätzen psychische Krankheiten

Laut einer aktuellen Umfrage der Gothaer glauben viele Deutsche, dass man hauptsächlich durch körperliche Beschwerden…

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia