Die Verbraucherzentrale Hamburg hat sich für ihre Analyse die im Internet abrufbaren Versicherungsbedingungen der beiden Tarife Job Comfort und Job Premium von Getsurance angesehen und sich außerdem durch das Online-Antragsformular geklickt. Hier kommt das Urteil. Die Gegenkritik von Getsurance steht jeweils im Kasten darunter.
+++ Hinweis der Redaktion: Das Insurtech hat auf Basis der Kritik einige Änderungen vorgenommen. Diese lesen Sie auf der zweiten Seite. +++
Kritikpunkt 1: Viele Ausschlusskriterien
Es gebe bei den beiden Tarifen eine Reihe von Ausschlusskriterien, die den Versicherungsschutz für einige unerreichbar macht. „Wer etwa in den letzten fünf Jahren länger als vier Wochen am Stück Medikamente eingenommen hat – außer Verhütungsmitteln wie zum Beispiel der Pille und Antihistaminika –, bekommt keine Versicherung der Tarife Job Comfort und Job Premium angeboten, sondern wird auf den Tarif Job Basic verwiesen, für den aktuell noch keine Bedingungen hinterlegt sind“, heißt es von der Verbraucherzentrale.
Gleiches gelte für den, der in den vergangenen sieben Jahren stationär behandelt wurde und bei dem die zugrundeliegende Erkrankung oder Verletzung nicht seit mindestens zwölf Monaten folgenlos ausgeheilt sei.
Eine Leistung bei psychischen Erkrankungen sei bei diesen beiden Tarifen „ausdrücklich vom Schutz ausgenommen“, so die Verbraucherschützer weiter.
Kommentar von Getsurance: Das ist sachlich falsch. Wir stellen hier noch eine Folgefrage. Nur wenn die Krankheit nicht folgenlos ausgeheilt ist, können wir Comfort und Premium nicht anbieten.
Kritikpunkt 2: „Basic-Tarif ist keine BU-Versicherung“
Genaue Angaben zum Basis-Tarif „Job Basic“ hat Getsurance bisher noch nicht veröffentlicht. Auf der Website stehe bisher nur, dass dieser Tarif nur dann leistet, wenn die Berufsunfähigkeit durch einen Unfall verursacht wurde. „Für uns handelt es sich beim Auffangtarif Job Basic damit nicht um eine Berufsunfähigkeitsversicherung, denn Unfälle sind in weniger als 10 Prozent der Fälle die Ursache für eine Berufsunfähigkeit. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass in diesem Tarif in mehr als 90 Prozent der Fälle nicht gezahlt würde“, so das Urteil der Verbraucherschützer.
Während eine Leistung bei psychischen Erkrankungen in den Tarifen Job Premium und Job Comfort wie erwähnt ausgeschlossen ist, ist das bei Job Basic anders. Hier bekommt man einen Schutz, aber nur dann, wenn man in den vergangenen zehn Jahren nicht hinsichtlich psychischer Erkrankungen untersucht oder beraten wurde.
Kommentar von Getsurance: Einseitig. Wir sind der einzige Anbieter, der Menschen mit psychischer Vorerkrankung überhaupt versichert! Dafür wurden wir auch von der Stiftung Warentest gelobt. Sehr unfair von der Verbraucherzentrale, uns das Gegenteil zu unterstellen.
„Auch diese Regelung ist in unseren Augen nachteilig für die Versicherten, da viele Versicherungen lediglich einen Zeitraum von fünf Jahren abfragen“, so die Verbraucherzentrale.
Kritikpunkt 3: Beitrags- und Rentenhöhe
Getsurance unterscheidet bei ihrer BU-Versicherung nicht nach einzelnen Berufen, sondern fragt nach dem Anteil an körperlicher Arbeit im Beruf.
Kommentar von Getsurance: Irreführend. Der Eindruck wird vermittelt, das sei etwas Nachteiliges. Im Gegenteil: Es ist vorteilhaft für den Verbraucher, dass er seinen Beruf nicht angeben muss.
Die Verbraucherzentrale dazu: „Ein heute gesunder 27-Jähriger, der mehr als 80 Prozent körperliche Arbeit leistet, muss bei der Versicherung über Getsurance im Premium-Tarif für eine BU-Rente in Höhe von 1.000 Euro eine monatliche Prämie in Höhe von 110,30 Euro zahlen. Bei zumindest einer anderen von uns recherchierten Versicherung müsste der Dachdecker im Netto-Tarif derzeit etwas weniger, nämlich 103,10 Euro und Krankenpfleger/-schwestern 70,57 Euro zahlen.“
Kommentar von Getsurance: Irreführend. Anhand eines Modellkunden werden wir als teuer abgestempelt. Es wird immer Modellkunden geben, für die ein anderer Anbieter günstiger ist. Wir sind meistens unter den drei günstigsten Tarifen auf dem Markt.
Weiterer Kritikpunkt: Über die BU-Tarife von Getsurance könne man maximal 60 Prozent des Nettoeinkommens versichern, „automatisch vorgeschlagen werden sogar nur 50 Prozent“, heißt es. Und weiter: „Nach unserer Einschätzung ist das zu knapp kalkuliert. Viele Versicherer versichern deshalb höhere Summen.“
Kritikpunkt 4: Keine Beteiligung an Überschüssen
„Auch BU-Versicherungen erwirtschaften Überschüsse. Das sind Gelder, die zum Beispiel dadurch entstehen, dass weniger Renten in Anspruch genommen werden als der Versicherer bei der Prämienberechnung kalkuliert hat. Diese Überschüsse müssen den Versicherten zum Teil gutgeschrieben werden. Die über Getsurance vermittelte Versicherung beteiligt die Versicherten nicht an Überschüssen“, schreiben die Verbraucherschützer.
Kommentar von Getsurance: Irreführend. Unsere Tarife sind so kalkuliert, dass (Risiko-)Überschüsse gar nicht erst entstehen. Sollten sie doch entstehen, sind wir laut unseren Bedingungen verpflichtet, unsere Beiträge auch für laufende Verträge zu senken.
Kritikpunkt 5: „Versicherungsbedingungen haben Lücken“
Die Verbraucherschützer stören sich auch daran, dass bestimmte Angebote in der BU-Versicherung fehlen. So biete Getsurance in seinem Produkt beispielsweise keine Dynamik im Leistungsfall an, für Beamte sei eine Dienstunfähigkeitsklausel nicht einschließbar und die umfangreichen Nachversicherungsgarantien seien bei 60 Prozent des Nettoeinkommens gedeckelt.
Kritikpunkt 6: Sitz in Liechtenstein
„Getsurance bietet Produkte einer Versicherungsgesellschaft an, die ihren Sitz außerhalb der EU, in Liechtenstein, hat. Dieser Versicherer nimmt also nicht an Schlichtungsverfahren durch den in Berlin ansässigen Versicherungsombudsmann teil“, so die Verbraucherschützer. Im Streitfall gebe es für Kunden also keine kostenlose außergerichtliche Überprüfung durch diese Schlichtungsstelle.
Kommentar von Getsurance: Falsch. Die liechtensteinische Schlichtungsstelle für Konsumentenschutz bietet diesen Service für jeden kostenlos in deutscher Sprache.
„Gerät der Versicherer in Zahlungsschwierigkeiten, gilt weder deutsches noch EU-Recht“, geben die Verbraucherschützer zu bedenken.
Kommentar von Getsurance: Irreführend. Der liechtensteinische Insolvenzschutz für Versicherte ist besser als der deutsche. Das von Versicherten eingezahlte Geld gilt in Liechtenstein als Sondervermögen und ist vor dem Zugriff durch Gläubiger geschützt – in Deutschland nicht.
Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht aber auch Gutes an dem Produkt. Positiv sei zum Beispiel, dass es bei verspäteter Meldung des Versicherungsfalls rückwirkende Leistungen für bis zu 36 Monate gebe.
Und:
„Bekommen Sie Krankentagegeld von einem privaten Versicherer – ausgenommen: Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung – und stellt dieser die Leistungen wegen Berufsunfähigkeit ein, so können Sie als Überbrückungshilfe bis zu sechs Monate die BU-Rente erhalten. Insbesondere für Selbstständige kann dies eine relevante Klausel sein.“
Das Fazit der Verbraucherschützer:
„Nur in Ausnahmefällen ist eine Versicherung über Getsurance zu empfehlen. Wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung nur in weniger als 10 Prozent aller Versicherungsfälle zahlt – Job Basic –, verdient sie diesen Namen nicht“, so das harte Urteil der Verbraucherzentrale Hamburg.
Hier hätten die Verbraucher andere und bessere Möglichkeiten, ihre Arbeitskraft abzusichern.
Das Fazit von Getsurance:
Die schlecht recherchierte Kritik der Verbraucherzentrale enthält nicht nur sachliche Fehler, sie ist auch äußert einseitig und irreführend. Es werden fast nur negative Aspekte genannt, die vielen Vorteile unseres Produkts werden verschwiegen. Hier die großen Vorteile für den Verbraucher, die verschwiegen werden:
- Als einziger Anbieter stellen wir nur neun sehr einfach und verbraucherfreundlich formulierte Gesundheitsfragen. Damit ist die Gefahr einer versehentlichen Anzeigepflichtverletzung minimiert, der Versicherte genießt bei uns höchste Rechtssicherheit.
- Wir bieten die einzige BU-Versicherung, die komplett online abschließbar ist. Viele Menschen haben keine BU, weil sie nicht die Zeit finden, einen Vermittler zu treffen, zum Beispiel Krankenschwestern im Schichtdienst oder Unternehmensberater mit 70-Stunden-Wochen. Wir kommen diesen Verbrauchern entgegen.
- Wir bieten die einzige BU-Versicherung für Menschen mit psychischer Vorerkrankung, zum Beispiel Depressionen oder Burnout, die von anderen Anbietern abgelehnt werden.
+++ Update vom 1. Juni 2022 +++
Getsurance hat seither einige wichtige Änderungen vorgenommen:
- Die Kritik dieses Artikels bezieht sich vor allem auf den Tarif „Job Basic” – eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die im Falle von Unfällen zahlt. Dieses Produkt hat Getsurance aufgrund der Kritik schon 2018 aus dem Angebot genommen.
- Mittlerweile ist die maximal mögliche Rentenhöhe von 60 auf 80 Prozent des Nettoeinkommens angehoben worden.
- Die Klausel mit Leistungsausschlüssen wie Fahrradrennen oder den Umgang mit Sprengstoffen wurde komplett entfernt.
- Demnächst steht ein Update der Gesundheitsfragen an, bei dem Getsurance nur noch nach psychologischen Beratungen der letzten fünf Jahre fragen. Wer vor mehr als fünf Jahren wegen der Psyche behandelt wurde, kann den Tarif „Job Premium” abschließen.
4 Antworten
Ich hab den Tarif Job comfort. Hatte einen Unfall. Hat bin seit 1.5 Jahren ununterbrochen krank. Habe nachgewiesene krankheiten (unter anderem auch eine sich reinentwickelte somatoforme störung). Gutachten wurden von vielen unterschiedlichen Ärzten gemacht jedoch zählt hier lediglich das Gutachten seitens Getsurance das ein echt unkompetenter unfreundlicher arzt gemacht hat der sagte „für mich sind sie arbeitsfähig und es sind keinerlei schäden vorhanden“ was nachweislich nicht war ist. Jetzt muss ich vor Gericht weil Squarlife (der Versicherer hinter Getsurance) nicht zahlen will. 🙂 wie immer halt.