Die Rating-Agentur Franke und Bornberg hat sich in ihrem aktuellen Map-Report die Stabilität der Anbieter von Berufsunfähigkeits(BU)-Versicherungen genauer angeschaut. Die beste Bewertung im aktuellen BU-Stabilitäts-Rating erzielte wie im Vorjahr die LV 1871 mit 92,2 Prozent und der Auszeichnung „mmm+“ für hervorragende Leistungen.
Zurich Deutscher Herold, Interrisk, Provinzial, Helvetia, Hannoversche und Swiss Life liegen bei den Ergebnissen sehr nahe beieinander, verfehlten die Höchstbewertung nur geringfügig und gingen mit der Bewertung „mmm“ für sehr gute Leistungen aus dem Test hervor. 39 Gesellschaften erhielten von Franke und Bornberg eine Gesamtbewertung.
Das Rating ermittelt für jedes Wertungskriterium eine Kennzahl im Bereich zwischen 0 und 100 als Maßstab für die Fähigkeit eines Versicherers, sein BU-Geschäft langfristig stabil zu betreiben.
Die folgenden vier Gesellschaften Ergo Vorsorge, Generali, HDI und Nürnberger beteiligten sich am BU-Unternehmensrating von Franke und Bornberg.
| Versicherer | Punktzahl |
| Nürnberger | 88,4 |
| HDI | 87,4 |
| Ergo Vorsorge | 87,0 |
| Generali | 83,2 |
Quelle: Franke & Bornberg
Die Bewertung dieser vier Versicherer sind aufgrund der zusätzlich verfügbaren Informationen allerdings nicht vollständig mit dem BU-Stabilitäts-Rating vergleichbar.
Wie sich der Preiskampf bei BU-Versicherungen aus der Sicht der Analysten von Franke und Bornberg auf dem Gesamtmarkt entwickelt hat, erfahren Sie auf der folgenden Seite.
Generell geht auf dem Gesamtmarkt für BU-Versicherungen ein heftiger Preiskampf weiter. Anbieter justieren ihre Tarife, während sie gleichzeitig mit Herausforderungen bei Ertrag und Risiko kämpfen. Wegen des erhöhten Rechnungszinses von 0,25 auf ein Prozent (wir berichteten) haben die meisten Versicherer ihre Preise zum Januar 2025 angepasst, und zwar nach unten.
Das gleiche Bild zeigt sich auch bei den Nettoprämien. Für den Banker stieg der Beitrag von 75,19 auf 76,15 Euro. Beim Ingenieur hingegen fiel die Prämie von 69,97 auf 55,90 Euro. Der Beitrag für Tischler ging von 162,86 auf 150,75 Euro zurück. In den weiteren sieben Musterfällen waren die Prämienentwicklungen im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls rückläufig.
Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg, sieht die Talsohle im Preiskampf noch nicht erreicht: „BU-Versicherer schreiben die Entwicklung zur Klassengesellschaft fort. Insbesondere für Akademiker wird das Angebot seit Jahren nicht nur besser, sondern noch günstiger“.
Wer körperlich arbeite, müsse sich den teuren BU-Schutz hingegen mühevoll ersparen. Ob Krankenschwester, Pfleger oder Handwerker – gerade jene Berufe, die unsere Gesellschaft zusammenhalten, fallen laut Franke oft durchs Raster. Und was noch dazu kommt: Weil sie im Vertrieb unbeliebt ist, bieten Vermittler die Erwerbsunfähigkeitsversicherung als sinnvolle Alternative kaum an. Für eine Positionierung der Branche als eine ergänzende Säule der Sozialsysteme wäre dies aber dringend nötig, erklärt Franke.
Beitragsanpassungen bei Bestandsverträgen hat es in den vergangenen Jahren bereits bei diversen Gesellschaften gegeben. Franke ist eigentlich davon ausgegangen, dass sich der Preiswettbewerb in der derzeitigen Form nicht weiter entwickelt und die Gesellschaften verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen. Das hat sich aber nicht bewahrheitet.
Auffällig ist hingegen, dass der Brutto-Netto-Spread im Marktdurchschnitt rückläufig ist. Lag die Differenz im Jahr 2016 im Schnitt noch bei 36,1 Prozent, ging es über 33,9 Prozent im Jahr 2019 im aktuellen Geschäftsjahr auf 31,7 Prozent im Marktdurchschnitt bergab. In dem Beispiel des Bankkaufmanns ist die Differenz zwischen Brutto- und Netto bei der Alten Leipziger mit 22 Prozent am geringsten. Knapp dahinter landen Hanse-Merkur und Allianz mit 23 Prozent. Am größten ist der Unterschied bei der Debeka mit 41 Prozent, gefolgt von Helvetia, Continentale, Huk-Coburg, Europa und Huk 24 mit 40 Prozent.
Wie sich die Risikoüberschüsse und Schadenquoten bei BU-Versicherungen und der Bestand an BU-Versicherungen entwickelt haben, lesen Sie auf der folgenden Seite.
Die Differenz zwischen den Brutto- und Nettoprämien wird vom Überschusssatz bestimmt. Deshalb variieren die Brutto-Netto-Abweichungen zwischen den jeweiligen Musterbeispielen nur in Einzelfällen und nur um wenige Prozentpunkte.
Die BU-Überschüsse der Versicherer und deren Stabilität stehen zusammen mit der Schadenquote gemäß offizieller Bafin-Nachweisung 218 im Zentrum der Franke-und-Bornberg-Untersuchung. Sie haben mit etwas über 30 Prozent die höchste Gewichtung und somit den größten Anteil am Endergebnis.
Risikoüberschüsse sind das Ergebnis einer vorsichtigen Kalkulation. Sie entstehen, wenn das tatsächliche Risiko unterhalb der kalkulierten Invalidisierungswahrscheinlichkeit verläuft. Aber Überschüsse sind nicht naturgegeben. Wenn Versicherer ihre Überschussanteile senken, gilt das als der stärkste Indikator dafür, dass die Kalkulation schon in der Vergangenheit nur teilweise aufgegangen ist. Leidtragende sind die Kunden. Ihr Beitrag steigt bei gleichbleibenden Leistungen oder ihre Leistungen sinken – je nach vereinbartem Überschusssystem.
„Im Bewertungszeitraum wurden die Überschüsse von einigen Anbietern teils deutlich reduziert“, stellt Reinhard Klages, Verantwortlicher des Map-Report, fest. „Zwar waren in den aktuellen Deklarationen zur Überschussbeteiligung keine Senkungen zu finden, für das kommende Jahr haben Versicherer diese aber bereits angekündigt“, so Klages weiter.
Um den wirtschaftlichen Erfolg des BU-Geschäfts zu messen, ist auch die Schadenquote entscheidend. Je erfolgreicher ein Versicherer das BU-Geschäft betreibt, desto geringer ist seine Schadenquote. Ziel dieses Untersuchungsbereiches ist es jedoch nicht, den Versicherer mit der geringsten Schadenquote als Benchmark anzusehen. Das wäre schon deshalb fahrlässig, weil Versicherer die Schadenquote auch durch eine abweisende Leistungspraxis oder ein hohes Neugeschäft senken können.
Es ist eher sinnvoll, Abschläge vorzunehmen, wenn die Tester auffällig hohe Schadenquoten oder nachhaltige Tendenzen in diese Richtung festgestellt haben. Dabei sind einzelne Jahre wenig aussagefähig.
Wenn man sich den Gesamtmarkt anschaut, stagniert der Bestand an BU-Versicherungen seit Jahren. Zu diesem Fazit kommen die Analysten von Franke und Bornberg in ihrer Analyse. Der Wettbewerb fokussiert sich auf wenige Berufsgruppen, wobei in diesen Segmenten – verstärkt durch einen höheren Höchstrechnungszins – ein zunehmend aggressiver Preiskampf herrscht.
Ein möglicher Grund für die stagnierende Vertragsanzahl: Vielen Berufstätigen, vor allem jungen Personen, ist das Risiko einer Berufsunfähigkeit nicht bewusst. Nach Berechnungen beträgt die durchschnittliche monatliche BU-Rente rund 1.100 Euro. Angesichts der hohen Mieten in vielen deutschen Großstädten dürfte die BU-Rente im Fall der Fälle gerade noch für die Wohnungsmiete reichen.
Daher liegt die Herausforderung für Vertriebler, das Bewusstsein für individuelle BU-Risiken zu schaffen und die Kunden davon zu überzeugen, dass eine private Absicherung wichtig ist. „Policen zur Absicherung der Arbeitskraft sind Low-Interest-Produkte; sie werden nicht gekauft, sondern müssen verkauft werden“, erklärt Franke.
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