Die Schere in der Berufsunfähigkeitsversicherung werde immer größer, was sich vor allem in der Risikoprüfung bemerkbar mache. „Hier gibt es nur noch eine geringe Anzahl an Gesellschaften, welche die Fahnen aufrecht halten“, so das ernüchternde Fazit von Tobias und Stefan Bierl, das die beiden Makler in ihrem großen Jahresrückblick ziehen.
Das sei auch ein Grund dafür, warum die Zahl der vermittelten Gesellschaften 2018 gegenüber 2017 leicht gefallen sei, obwohl die Bierls nach eigenen Angaben rund 50 Prozent mehr BU-Verträge vermittelten.
Allianz und Nürnberger machen Boden gut, dickes Lob für Volkswohl Bund und LV 1871
Ein Extralob vergeben die Makler an zwei Anbieter, die „2017 noch keine Rolle gespielt haben“. Sie heißen: Allianz und Nürnberger. Beide Bedingungswerke seien „mittlerweile in Ordnung und vermittelbar“, die wichtigere Feststellung sei aber deren „sehr gute Risikoprüfung“, so das Fazit.
Auf der anderen Seiten beklagen die Autoren den Abstieg „zwei anderer namhafter Unternehmen“, die nicht explizit genannt werden. „Hier sind die Wege etwas länger geworden, aber vor allem die Risikoprüfung hat nicht mehr das Niveau wie früher“, bedauern die Makler. Zudem seien die Beiträge zur BU häufig „eher ambitioniert“. Hatte man dies früher noch mit Mehrleistungen begründen können, so die Autoren, hätten hier inzwischen andere Gesellschaften aufgeholt.
Ein dickes Lob erhält der Volkswohl Bund, der derzeit „eine der besten Risikoprüfungen am Markt“ biete. Ebenfalls auf hohem Niveau befinde sich die LV 1871. Beide gehören daher auch zu den am häufigsten vermittelten Gesellschaften der Brüder.
Gerne würden die Bierls auch die Bayerische häufiger vermitteln, allerdings erreiche die Risikoprüfung nicht immer das gewünschte Niveau. Man sei hier für die Zukunft aber „guter Dinge“.
Elektronische Risikotools? „Nein, nein und nochmals nein“
Stichwort Risikoprüfung: In ihrem Jahresrückblick gehen die Autoren auch auf den Nutzen elektronischer Risikotools ein. Ob sie diese einsetzen? „Nein, nein und nochmals nein“, so die eindeutige Antwort. Für eine ausführliche Begründung ihrer Haltung verweisen sie auf einen früheren Beitrag zum Thema.
Der bisherige Stellenwert von BU-Sonderaktionen mit vereinfachten Gesundheitsfragen hat bei den Autoren etwas eingebüßt: „Haben wir im Jahr 2016 und 2017 viele BU-Sonderaktionen vermittelt, so ist dieses Jahr durchaus überschaubarer.“ Ohnehin habe die Bedeutung von vereinfachten Gesundheitsfragen „merklich abgenommen“, man werbe aber auch nicht mehr so dafür, heißt es. Oft sei „die saubere Aufbereitung der Gesundheitshistorie“ der bessere Weg – und könne so manches Mal „Berge versetzen“.
Abgesicherte BU-Rente „klar über dem Durchschnitt“
Außerdem geben die Bierls Einblicke in eine Kennzahl, die im Markt immer wieder heiß diskutiert wird: die durchschnittliche Rentenhöhe. „Wie auch schon im letzten Jahr bewegen wir uns auf einem Niveau, welches klar über dem Durchschnitt liegt“, konstatieren die Makler.
Die durchschnittliche Rentenhöhe 2018 lag demnach bei 1.868 Euro. 2017 lag diese noch bei 1.634 Euro. „Somit ein sehr erfreulicher Trend, den wir hier verzeichnen konnten. Man merkt durchaus die Inflation“, fügen die beiden hinzu. Die höchste abgesicherte Rente lag demnach bei 3.000 Euro, welche auf zwei Anbieter aufgeteilt wurde.
Und wie haben sich die Absicherungssummen in der Risikolebensversicherung entwickelt?
„Hier gab es erstaunlicherweise noch größere signifikante Steigerungen“, so die RLV-Bilanz der Makler. „Lagen wir 2017 noch bei durchschnittlich 245.000 Euro, liegen wir 2018 bei knapp über 300.000 Euro.“
Ein wesentlicher Grund für diesen Trend könnten die explodierenden Immobilienpreise sein, mutmaßen die Makler. Denn viele Neubesitzer von Immobilien gingen hier gleich an die maximalen 400.000 Euro zur Absicherung ihrer Finanzierung.
Die erfreulichste Botschaft für 2018? Null Todesfälle und BU-Eintritte
Auch auf die Frage, ob es eigentlich Leistungsfälle im BU- oder RLV-Bestand gab, nehmen die Autoren Stellung. „Glücklicherweise können wir dies verneinen. Es gab weder einen Todesfall, noch eine Berufsunfähigkeit“, freuen sich Tobias und Stefan Bierl. Aber: Man wisse natürlich, „dass dies (leider) nur eine Frage der Zeit sein wird.“
BU-Alternativen tendieren weiterhin „gegen Null“
Tja, und wie läuft es bei den vermeintlichen BU-Alternativen? Die Vermittlung von Grundfähigkeitsversicherungen, Erwerbsunfähigkeitsversicherungen und Schwere-Krankheiten-Versicherungen gehe auch weiterhin „gegen Null“, berichten die Makler. Dabei sei man „nicht prinzipiell gegen diese drei Formen“, bei größeren Vorerkrankungen weise man auch auf diese hin. Aber es hilft nichts: die Nachfrage tendiere auch dann gegen Null.
Keine signifikanten BU-Trends – doch es tut sich was bei Kindern und Schülern
Auffällig finden die Makler, dass die Anfragen und somit auch die Vertragsabschlüsse zunähmen für eine Schüler-BU, die bei guten Gesellschaften ab dem 10. Lebensjahr möglich sei, oder auch die BU-Option für das Kind direkt nach der Geburt. „Hier sehen wir schon eine höhere Nachfrage.“
Letztere sei dann zwar immer eine Kopplung mit einer Rentenversicherung, aber eine bessere Option gebe es hier im Moment nicht am Markt – was aber nicht so bleiben müsse, so die Hoffnung.
Ohnehin freut es die beiden Makler, dass sie für den grundsätzlichen Nutzen einer BU-Absicherung oft wenig Überzeugungsarbeit leisten müssten und sie sich daher „voll der Aufbereitung der Gesundheitsfragen & Konfiguration des jeweiligen Anbieters“ widmen könnten. Diese Entwicklung könne auch daran liegen, „dass sogenannte Verbraucherschützer endlich was Vernünftiges von sich geben“, loben die Autoren in süffisant-säuerlichem Tonfall.
Großer Groll gegen Finanztest zur Jahresmitte
Damit hat es sich aber auch schon mit den warmen Worten für den Verbraucherschutz. Stichwort Finanztest: „Diese hat sich ja wieder Mitte 2018 über ein Thema ausgelassen, wo sie lieber schweigen sollte“, grollen die Makler. Leider habe dieses Magazin immer noch einen hohen Stellenwert bei den Verbrauchern, wie man auch bei den eingehenden Anfragen feststellen müsse, bedauern die Autoren.
„Da kommen Interessenten auf uns zu, welche schon direkt drei Anträge gestellt haben, diese aber abgelehnt wurden bei den drei „Top Anbietern“ (das Anführungszeichen ist absichtlich…). So müssen wir und sicherlich auch viele geschätzte Kollegen die Sache wieder geradebügeln…“
Nach dem WWK-Bericht „stand das Telefon nicht mehr still“
Wo wir schon beim „geradebügeln“ sind: Für massiven Verdruss bei den Bierls sorgte neben den Verbraucherschützern auch der Versicherer WWK. „Ende 2017 hat die WWK Versicherung ja massiv ihre Beiträge erhöht, im Schnitt circa 40 Prozent“, rekapitulieren die Makler. Der entsprechende Blog-Beitrag zog „den ersten Platz bei Google nach sich und das Telefon stand nicht mehr still“, erinnern sich die beiden.
Neben Medien-Anfragen gab es in dieser Sache auch Wortmeldungen von Verbrauchern. „Bei einigen war es sinnvoll, dass sie bei der WWK bleiben, bei anderen lässt der Gesundheitszustand nichts anderes zu“, erläutern die Autoren. „Für vielleicht sechs bis sieben Interessenten haben wir bei anderen Gesellschaften eine passende Lösung gefunden.“
Der Branche habe diese „massive Erhöhung“ sicherlich geschadet, „am meisten aber der WWK, wenn man sich so mit Kollegen unterhält“, fügen die Bierls noch hinzu.
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