Vielerorts mangelt es zum Teil dramatisch an Fachkräften. Nach Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (DIW) sind hierzulande derzeit mehr als 2 Millionen Stellen unbesetzt. Mit dem allmählichen Ausscheiden der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt könnten sogar bald 5 Millionen Beschäftigte fehlen.
Um im Wettbewerb um die besten Köpfe bestehen zu können, rücken Extras wie die betriebliche Altersversorgung (bAV) und die betriebliche Krankenversicherung (bKV) für die Beschäftigten in den Fokus der Firmen. Umfragen belegen, dass die Chefs mit solchen betrieblichen Extras auf dem richtigen Weg sind. Schon seit 2020 rangieren bAV und bKV in der Beliebtheit der Mitarbeiter vor etablierten Benefits wie Diensthandy oder Tickets für den Nahverkehr.
Trotz der hohen Bedeutung hat die Mehrzahl der kleinen und mittelgroßen Unternehmen bislang keinen Schritt in Richtung betriebliche Fürsorge unternommen. Oder die vereinbarte Versorgung ist zu unbedeutend, um die Mitarbeitenden langfristig ans Unternehmen zu binden.
Hier kommen die Vermittler ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, wirksame Lösungen für ihre Geschäftskunden zu erarbeiten, die bei der Personalgewinnung helfen. Weil es sich hier um Wachstumsmärkte handelt, lohnt sich das für Vermittler.
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Beispiel bKV: Sie wächst und wächst und wächst. Ende 2023 boten 36.900 Unternehmen ihren Mitarbeitenden eine Krankenzusatzversicherung an – das ist ein sattes Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der PKV-Verband meldet. Die Zahl der bKV-Nutznießer stieg im gleichen Zeitraum um 12 Prozent auf 1,97 Millionen Personen.
Gerade bei jungen Leuten kommt die bKV an. Fast zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland würden es begrüßen, wenn ihr Arbeitgeber eine betriebliche Krankenversicherung anböte. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen ist die Zustimmung mit 72 Prozent besonders hoch, zeigt eine Umfrage im Auftrag des PKV-Verbands. Für gut 29 Prozent der jungen Leute ist eine bKV sogar wertvoller als eine Gehaltserhöhung.
Kein Wunder, denn der Mehrwert einer bKV ist für die Beschäftigten bei jedem Arztbesuch und mit jeder gekauften Brille erlebbar. Für ältere Beschäftigte und solche mit Vorerkrankungen ist die bKV ganz besonders wertvoll. Sie erhalten durch sie oft erst die Möglichkeit eines privaten Krankenversicherungsschutzes. Für die Aufnahme ist bei reiner Arbeitgeberfinanzierung nämlich keine Gesundheitsprüfung erforderlich.
Aber nicht nur um Fachkräfte zu halten, lohnt sich die bKV für Unternehmen. Sie können auch Kosten sparen. Die Hallesche hat das anhand eigener Erfahrungswerte mal ausgerechnet. Dabei ging sie von einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern und einem Durchschnittsbruttoeinkommen von 33.340 Euro aus. Bei einem bKV-Budgettarif mit einem Monatsbeitrag von 28 Euro pro Mitarbeiter entstünde diesem Unternehmen eine monatliche Belastung von 2.827 Euro, was 33.924 Euro im Jahr entspricht.
Bei 14,7 Krankheitstagen je Mitarbeitenden entstehen dem Beispielunternehmen allein an Lohnfortzahlungskosten mehr als 320.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen die täglichen Ausfallkosten, sodass unterm Strich Ausgaben von rund 550.000 Euro stehen. Gelingt es nun, die Krankheitstage durch die positiven Effekte einer bKV um einen halben Tag im Schnitt zu senken, ergäbe sich allein daraus eine jährliche Ersparnis von 18.750 Euro.
Übrigens haben einige Versicherer Apps entwickelt, die bei der Kosten-Nutzen-Rechnung helfen – eine wertvolle Argumentationshilfe für Vermittler im nächsten Verkaufsgespräch.
Ausbaubar ist nach wie vor auch der Verbreitungsgrad der bAV. Er liegt derzeit bei rund 54 Prozent. Dabei steht das Thema Altersvorsorge gerade hoch im Kurs. Das liegt daran, dass die Bundesregierung ihr Rentenpaket II auf den Weg gebracht hat. Das ist nötig, hat aber schonungslos offenbart, wie wackelig die Finanzierung des gesetzlichen Rentensystems ist.
Die betriebliche Altersversorgung kann helfen, den Beschäftigten eines Unternehmens die Angst vor Altersarmut zu nehmen. Denn sie bauen sich über den Arbeitgeber und mit staatlicher Unterstützung eine wichtige Zusatzabsicherung zur gesetzlichen Rente auf.
Die bAV hat für Arbeitnehmer aber noch einen anderen Vorteil: Unternehmen müssen die Beiträge mit mindestens 15 Prozent bezuschussen. Viele Arbeitgeber bieten zudem freiwillig höhere Zuschüsse an oder übernehmen die Beiträge sogar komplett. Denn auch dadurch bauen sie sich einen Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte auf. Je höher der Arbeitgeberzuschuss, desto höher ist auch der Anreiz für Geringverdiener und Teilzeitkräfte (meist sind das Frauen), die bAV zu nutzen.
An diesem Punkt will auch die Bundesregierung ansetzen. Sie hat sich für diese Legislaturperiode nämlich die Reform von Betriebsrenten vorgenommen.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf jüngst an die anderen Regierungsressorts zur Abstimmung geschickt. Danach soll die Geringverdiener-Förderung erhöht und an die Lohnentwicklung gekoppelt werden. Dadurch sollen Menschen mit geringen Einkommen künftig nicht mehr aus der Förderung herausfallen, wenn sie aufgrund allgemein steigender Löhne und Preise etwas mehr verdienen.
Der Versichererverband GDV findet das gut. „Das macht die Betriebsrente gerade für diejenigen attraktiver, die sie am nötigsten brauchen“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.
Gut ist aus seiner Sicht auch, dass es Arbeitgebern möglich wird, die Beschäftigten per Opt-out automatisch in eine bAV einzubinden. „Die Beschäftigten können der Einbindung widersprechen. Alle anderen erhalten Zugang zu betrieblicher Altersversorgung, ohne dass sie sich selbst aktiv darum bemühen müssen“, so Asmussen.
Ganz zufrieden ist er mit dem Entwurf trotzdem nicht: „Es wurde die Chance vertan, die betriebliche Altersversorgung auch außerhalb der Sozialpartnermodelle weiter zu stärken. Beispielsweise durch die Lockerung von Garantien. Hier wäre mehr Flexibilität sinnvoll, damit Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds die Chancen des Kapitalmarkts stärker nutzen können. Dadurch könnten höhere Renditen erwirtschaftet werden, wovon die Versicherten profitieren.“ Es bleibt also noch einiges zu tun.
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