Teure Pflege

Betriebliche Pflegeversicherung: Hilfe gegen hohe Eigenanteile

Drei Viertel der Beschäftigten wünschen sich eine betriebliche Pflegeversicherung, um die hohen Kosten im Pflegefall schultern zu können. Doch das Angebot ist noch ausbaufähig. Die Politik muss nachbessern.
Pferd in Pflegeeinrichtung mit Senioren, Betreuung und Tiertherapie.
© picture alliance/dpa | Boris Roessler
Im mitunter etwas tristen Alltag eines Pflegeheims sorgen Tierbesuche für Spaß. Bei den stetig steigenden Kosten können sie allerdings nicht helfen.

Der Trend bleibt ungebrochen: Die durchschnittlichen Kosten für Plätze im Pflegeheim sind erneut kräftig gestiegen und haben nun die Marke von 5.000 Euro übertroffen. Genauer sind es 5.033 Euro. Im Monat. Davon zahlt die Pflegekasse im Schnitt 1.539 Euro. Zusätzlich gibt es für Bewohner von der Pflegeversicherung 890 Euro für pflegebedingte Eigenanteile in Form von gestaffelten Zuschlägen (nach Wohndauer). 1.044 Euro müssen Pflegebedürftige selbst für die Pflege zuzahlen, 1.044 Euro werden für Unterkunft und Verpflegung fällig. 516 Euro betragen die Investitionskosten.

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Das hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) ermittelt. Es stellt fest, dass auch der Staat diesen Trend nicht brechen kann. Obwohl er mehr zuschießt und Leistungen zusätzlich steigen lässt (Dynamisierung), ziehen die Eigenanteile weiter an. Laut Wido liegt das unter anderem an den gestiegenen Lohnkosten. Was für die Angestellten zweifellos gute Nachrichten sind und absolut verdient ist. Aber es treibt nun mal die Preise.

Und wie geht es weiter?

Dafür haben die Wissenschaftler einige Szenarien durchgespielt. Stiegen die Zuzahlungen jährlich eher mittelstark um 10 Prozent, würden die Eigenanteile bis 2030 auf 1.636 Euro im Monat wachsen. Allerdings kommen noch Unterkunft, Verpflegung und Investition hinzu, und die ziehen ebenfalls an. Ein eher defensives Szenario mit plus 5 Prozent im Jahr sieht die Eigenanteile 2030 bei lediglich 1.291 Euro. Und die Variante mit plus 15 Prozent pro Jahr lässt sie auf 2.050 Euro steigen.

Um diese hohen Kosten für die Pflege in den Griff zu bekommen, wünschen sich die meisten Bürger Unterstützung von ihrem Chef: Gut 76 Prozent der Beschäftigten in Deutschland würden es begrüßen, wenn ihr Arbeitgeber eine betriebliche Pflegeversicherung (bPV) zur Absicherung von Eigenanteilen im Pflegefall anbieten würde.

Betriebliche Pflegeversicherung gewünscht

Das hat eine Online-Umfrage des Meinungsforschers Civey im Auftrag des PKV-Verbands ergeben. Für 64 Prozent wäre eine solche Absicherung sogar wertvoller als andere Zusatzleistungen wie ein Dienst-Handy oder Tickets für den öffentlichen Nahverkehr.

Bei der betrieblichen Pflegeversicherung handelt es sich um eine Sozialleistung, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zusätzlich zum Gehalt anbieten oder die sie im Rahmen eines Tarifvertrages vereinbaren. Dann werden alle Mitarbeitenden eines Unternehmens über einen Gruppenversicherungsvertrag gegen das Pflegerisiko versichert. „Betriebliche Absicherungen werden angesichts der demografischen Entwicklung immer relevanter“, sagt der Vorstandsvorsitzende des PKV-Verbands, Thomas Brahm. „Insbesondere mit Blick auf die steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege.“ Die kapitalgedeckte betriebliche Pflegeversicherung könne das finanzielle Risiko der Pflegelücke zu günstigen Prämien, nachhaltig und generationengerecht absichern, so Brahm weiter. „Deswegen sollte die Politik dieses sinnvolle Vorsorgeinstrument stärker steuerlich fördern.“

Wie bei den anderen betrieblichen Vorsorgeformen auch profitieren Mitarbeitende mit Vorerkrankungen oder ältere Kollegen durch den Verzicht auf die sonst übliche Gesundheitsprüfung bei einer bPV. Bei Ausscheiden aus dem Unternehmen, beispielsweise durch Renteneintritt oder Kündigung, können Mitarbeiter den Versicherungsschutz ohne Gesundheitsprüfung und auf eigene Kosten fortführen.

Was leistet eine betriebliche Pflegeversicherung?

In den meisten Fällen vereinbart das Unternehmen eine ergänzende Geldzahlung für den ambulanten und stationären Pflegefall. Der Betroffene erhält also neben den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung auch Geld aus der betrieblichen Zusatzversicherung. Zusätzlich können im Rahmen einer bPV auch Kinder, Lebenspartner oder Eltern abgesichert werden. Die betriebliche Pflegeversicherung kann auch ein sogenanntes Care- und Case-Management enthalten. Dabei entlastet die bPV Mitarbeitende, die einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen. Die Vereinbarkeit beruflicher Pflichten mit familiärer Verantwortung fällt dadurch leichter.

Das enorme Potenzial der betrieblichen Pflegeversicherung für unsere alternde Gesellschaft zeigt auch die Vereinbarung zwischen dem Bundesarbeitgeberverband Chemie und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Die Tarifpartner haben 2021 die arbeitgeberfinanzierte tarifliche Pflegezusatzversicherung „Care-Flex Chemie“ gestartet. Mit einem einzigen Vertrag wurden so fast eine halbe Million Beschäftigte mit einem zusätzlichen Pflegemonatsgeld von 1.000 Euro gegen das Pflegerisiko abgesichert.

Das Problem

Diese Form der Pflegevorsorge ist bislang noch nicht weit verbreitet, weil die Zuwendungen des Arbeitgebers nur im Rahmen der 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze steuer- und sozialabgabenfrei sind. Dadurch konkurrieren sie mit allen anderen Zuwendungen des Arbeitgebers. Eine Überschreitung dieser Freigrenze führt zum vollständigen Wegfall der Steuerfreiheit.

Für den PKV-Verband ist daher klar: „Pflegevorsorge ist ein unabdingbarer Bestandteil der persönlichen Altersvorsoge. Um die wichtige Vorsorge für den Pflegefall breiter in der Gesellschaft zu verankern, sollten Aufwendungen zur Absicherung der Pflegelücke im Steuerrecht als eigenständiger Fördertatbestand Berücksichtigung finden.“

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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