Psyche und Arbeitsplatz

„Mit der bKV die mentale Gesundheit in den Fokus stellen“

Anlässlich des dramatischen Anstiegs des Burnout-Krankenstandes greift bKV-Spezialist Senator h.c. Marco Scherbaum zeitlich passend zum „Welttag für seelische Gesundheit“ mit seiner aktuellen Kolumne das Thema „Mental Health“ auf. Gleichzeitig appelliert er an Wirtschaft & Politik „Burnout als Tabuthema aufzubrechen“.
© Presse Marco Scherbaum
Marco Scherbaum ist Experte und Spezialmakler für die betriebliche Krankenversicherung (bKV).

Stress ist leider bei vielen Mitarbeitenden ein täglicher Begleiter. Zwar streben immer mehr nach einem gesunden und ausgeglichenen Leben, der sogenannten Work-Life-Balance – doch in der Realität sieht es meist ganz anders aus. Burnout, Depressionen und Erschöpfungszustände sind die Begleiterscheinungen unserer heutigen Zeit.

Fehlende Sensibilität

Kommt eine Kollegin oder ein Kollege mit Erkältungserscheinungen zum Arbeitsplatz, gibt es oft Tipps, welcher Tee oder welches Kräuterbonbon für Besserung sorgen kann. Wird ein Humpeln wahrgenommen, bleiben die Fragen des Hintergrunds nicht aus. Doch was passiert, wenn Mitarbeitende plötzlich ihr Verhalten ändern? Unerwartet verunsichert wirken? Dünnhäutig sind? Oder sich zurückziehen? Da bleibt zu häufig die Hilfsbereitschaft aus. Dramatisch. Denn Auslöser solcher Verhaltensmuster können seelische Belastungen sein.

Warum tun wir uns bei psychosomatischen Erkrankungen so schwer? Oft hören vom Burnout betroffene Personen den Spruch: „sei nicht so schwach!“

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Seit 1. Januar 2022 taucht Burnout als Folge von chronischem Arbeitsstress zwar erstmals in der internationalen Klassifikation der Krankheiten unter „ICD-11“ im Katalog der Weltgesundheitsorganisation WHO auf – jedoch nicht als Diagnose. Daher richtet sich mein Appell an Gesellschaft und Politik, die Achtsamkeit zu stärken und im Umgang mit Betroffenen Herz und Verstand zu öffnen.  Wir alle sind Menschen und keine Maschinen!

Psychische Erkrankungen langwieriger

Dass psychische Erschöpfung, Stress und Burnout keine Randerscheinung mehr sind, belegen auch zahlreiche Statistiken. Bundesweit stehen die psychischen Erkrankungen im Ranking der Ursachen für die Häufigkeit von Arbeitsunfähigkeit an zweiter Stelle, also gleich nach den Muskel- und Skeletterkrankungen. Psychische Erkrankungen weisen im Vergleich zu körperlichen Erkrankungen überdurchschnittlich lange Fehlzeiten auf.

Mitarbeitende melden sich öfter und länger aus psychischen Gründen krank. Im Jahr 2020 dauerten die Fehlzeiten im Schnitt 30,3 Tage. Das ist mehr als doppelt so lang wie bei anderen Erkrankungen mit rund 14 Tagen.

Homeoffice und mobiles Arbeiten sind auf dem Vormarsch. Für manche ist es eine willkommene Chance zur Verbesserung der Work-Life-Balance, für andere Beschäftigte erhöht sich durch die fehlende räumliche Trennung zum Arbeitsort und das Fehlen sozialer Kontakte das Burnout-Risiko. Neben der Coronapandemie verstärken der anhaltende Ukraine-Krieg sowie Energiekrise und Inflation die Ängste der Menschen. Diese Faktoren nehmen zusätzlich negativen Einfluss auf die Gesundheit – und somit auf die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit.

Lange Fehlzeiten kosten Unternehmen viel Geld

Die Schwere des Burnouts bestimmt die Genesungszeit – und damit auch die Ausfallzeit. Wie lange man bei einem Überlastungssyndrom krank ist, ist daher individuell verschieden. Bei dem einen braucht es mehrere Wochen, bis er oder sie sich erholt fühlt. Bei anderen kann bei Burnout die Dauer einer Krankschreibung mehrere Monate betragen, in denen viele zum Beispiel in einer Klinik stationär behandelt werden. Fakt ist: Jeder Ausfalltag belastet den Unternehmenserfolg, denn Fehlzeiten kosten den Arbeitgeber viel Geld.

Monate warten, bis die Therapie beginnt

Auf einen Therapieplatz wartet man aktuell mehrere Monate. Für Mitarbeitende mit psychischen Erkrankungen ist das leider häufig die Realität. Die lange Wartezeit zur dringend benötigten Hilfe verlängert in vielen Fällen zusätzlich die Ausfallzeit oder erhöht die Personalkosten in vielen Fällen durch Präsentismus.

Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements beschränken sich meist auf die verpflichtende psychische Gefährdungsbeurteilung. Diese zeigt zwar Belastungen und Stressquellen auf, doch soll das wirklich alles sein? Betroffene suchen die dringend benötigte Unterstützung und Hilfe.

Es ist Zeit darüber zu sprechen, zielgerichtete betriebliche Angebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit in das betriebliche Gesundheitsmanagement zu integrieren. Achtsame Personalverantwortliche erleichtern erkrankten Mitarbeitenden den Weg. Über die Pflicht hinaus können Arbeitgeber freiwillig gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten.

Was können Arbeitgeber tun?

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) – eingebettet in der sozialen Verantwortung des Arbeitgebers, ermöglicht Unternehmen den angemessenen Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern und hilft Betroffenen, den Weg in eine professionelle Behandlung zu beschleunigen.

In der richtigen Wahl von bKV-Konzepten sind verbesserte Gesundheitsleistungen und Services rund um Psyche als zentraler Bestandteil verankert. Mit der bKV gelingt es, mentale Gesundheit in den Fokus zu stellen. Mitarbeitende profitieren beispielsweise kostenfrei unter anderem von:

  • Einem schnelleren und unkomplizierten Zugang zur Therapie
  • Erschöpfungs-Prophylaxe
  • Einer 24-Stunden-Telefonhotline für Beratungsgespräche
  • Einer Videosprechstunde mit medizinischen Fachpersonal aus Neurologie/Psychiatrie /Psychotherapie
  • stationären Wahlleistungen (privatärztliche Behandlung
  • Benennung von Leistungserbringern wie Psychologen, Kliniken, etc.

Investitionen in die mentale Gesundheit durch arbeitgeberfinanzierte betriebliche Krankenversicherungskonzepte zahlen sich am Ende auch finanziell für Firmen aus. Durch den rascheren Weg in eine professionelle Behandlung hilft die bKV, hohe Personalkosten durch Präsentismus und Absentismus zu senken. Dank bKV-Prophylaxe kann das Burnout-Risiko reduziert werden. Gleichzeitig steigt die Leistungsbereitschaft/-fähigkeit der Belegschaft.

Lange hat keiner darüber gesprochen

Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass Burnout lediglich zur neuen Modekrankheit geworden sei. Das Thema Psyche in der Arbeitswelt ist aktueller denn je und muss auf die To-do-Liste in der modernen Personalarbeit. Ebenso gehört mentale Gesundheit in die wichtige politische Debatte im Kampf gegen seelische Erkrankungen. Ganz nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ sind auch betroffene Personen gefragt, mit Beharrlichkeit ihre Geschichte zu erzählen und damit für Aufklärung zu sorgen.

Doch bloßes Informieren reicht nicht. Betroffene wünschen sich Hilfestellung und konkrete Lösungen. Die bKV kann nachhaltig helfen! Eine Bitte an alle – ob Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Wirtschaft oder Politik:  Schließen Sie nicht wie die allseits bekannten drei Emoji-Affen Augen, Ohren und Mund 🙈🙉🙊, sondern gehen Sie achtsam und offen mit dem Thema Psyche um. Helfen Sie mit, Burnout als Tabuthema aufzubrechen! Erklären Sie als Arbeitgeber die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zur Chefsache!

Über den Autor

Senator h.c. Marco Scherbaum ist bKV-Makler, Geschäftsführer HEALTH FOR ALL® GmbH & Co. KG, Europäischer Wirtschaftssenator & Aufsichtsrat des Europäischen Wirtschaftssenats, Vorsitzender der Gesundheitskommission (European Economic Senate), Wissenschaftlicher Beirat der Vincera-Privatkliniken für Psychosomatik und Psychotherapie, Mitglied im Expertenkreis Gesundheit (BVMW) sowie Dozent, Keynote-Speaker und Fachbuchautor. Das aktuelle Buch „Gesundheit für alle“ können Sie hier bestellen.

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