Pfefferminzia: Was gab den Ausschlag für einen Relaunch der Thinksurance Beratungsplattform für Gewerbe- und Industrieversicherungen?
Sven Schönfeld: Grundsätzlich stehen wir permanent mit unseren Partnern und Nutzern im Austausch. In der Vergangenheit gab es viele Anregungen, wie die Plattform noch nutzerfreundlicher gestaltet werden kann. Wir haben sehr genau zugehört und diese Hinweise umgesetzt. Dabei stand im Mittelpunkt, uns am Arbeitsalltag des Vermittlers zu orientieren und eine Lösung zu schaffen, die ihm repetitive Arbeiten abnimmt, seinen manuellen Aufwand reduziert und ihn die Vorteile der Digitalisierung unmittelbar erleben lässt. Vor allem wichtig war und ist dabei, sich die Prozesse im Detail anzuschauen. Wie funktionieren sie analog? Wie können sie digital aufgebaut werden? Zum Beispiel einfach nur beschreibbare PDFs zu generieren, die der Kunde elektronisch unterschreiben kann, ist aus unserer Sicht noch kein echter digitaler Prozess, der dem Vermittler weiterhilft, sondern ein Baustein dessen.
Welche Dinge wurden konkret verändert?
Mit dem Relaunch der Plattform soll jeder Versicherungsvermittler noch einfacher und sicherer Gewerbegeschäft abwickeln können. Die grundsätzliche Idee der Beratungsplattform ist den gesamten Vertriebs- und Beratungsprozess von Bedarfsanalyse bis hin zur Dokumentation digital und in einer Umgebung abzudecken. Für die Risikoanalyse stehen dem Vermittler dabei dynamische Fragebögen auf Basis von 65 Produktlinien, über 1.800 Gewerbearten und 20 Industriezweige zur Verfügung. So müssen nur für die Anfrage relevante Fragen beantwortet werden – und dass nur einmal – das spart vor allem eins: Zeit. Für schnelle Angebote sorgen Tarifrechner oder vollautomatisierte Ausschreibungen. So können sowohl einfache als auch komplexe Risiken gleichermaßen abgesichert werden.
Um die Beratungsplattform noch näher am Kunden auszurichten, wurden mit dem Relaunch neue Funktionen integriert, aber auch die Nutzeroberfläche überarbeitet. Die neue digitale Kundenakte, die sich mit Maklerverwaltungsprogrammen via Schnittstelle synchronisiert sorgt für aktuelle Kundendaten. Hier kann der Vermittler alle seine Beratungen sowie Basisinformationen zu einem Kunden bündeln und somit jederzeit für Jahresgespräche, Tarifanpassungen etc. wiederverwenden. Weitere Funktionen wie ein Vertriebscenter mit Informationen und Vertriebsunterlagen zu unterschiedlichen Sparten sind bereits in Planung. Ebenso kann der Vermittler zukünftig direkt mehrere Produkte in nur einem Prozessschritt abschließen und somit für ein vollumfänglichen Kundenschutz sorgen.
>>Seite 2: Warum Vermittler und Versicherer Zeit gewinnen.
Allerdings entstehen ständig neue Berufsfelder, zum Beispiel bei Freiberuflern aber auch kleineren Gewerbetreibenden etwa durch Mischbetriebe. Wie kann die Software das abbilden?
Geht es an einer Stelle mit den Fragen nicht weiter, kann ein Notizfeld genutzt werden. Anschließend geht die Voranfrage automatisiert an Versicherer. Dabei werden im Vorfeld zum Beispiel bereits die Annahmerichtlinien der Gesellschaften berücksichtigt. So verschickt das System keine Anfragen, die aufgrund bestimmter Restriktionen ohnehin abgelehnt werden. Auf Basis von vergangenen Anfragen werden dem Vermittler passende Versicherer vorgeschlagen, die zu dem speziellen Fall mit größter Wahrscheinlichkeit ein Angebot abgeben. Die Software kann also beides: Mischbetriebe, aber auch Ausschreibungen, wenn es komplexer wird.
Damit gewinnen Vermittler und Versicherer Zeit…
Genau, nach unserer Berechnung bringt dieses Vorgehen eine Zeitersparnis von rund 80 Prozent im kompletten Prozess. Die Rückfragequote kann sich deutlich verringern. Angesichts des Fachkräftemangels, der auch vor den Vermittlerunternehmen, Maklerhäusern und Underwriter-Abteilungen der Versicherer nicht Halt macht, ist das sicher positiv zu bewerten. Ähnlich sieht es beim Vermittler aus. Die administrative Verwaltung inklusive des täglichen Papierkrams und der manuelle Aufwand sinken spürbar. Daten werden z. B. nur einmal eingegeben – und stehen dann dauerhaft zur Verfügung.
Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie während der Entwicklung zu kämpfen?
Da wir eine zukunftsfähige, robuste und flexible Architektur aufbauen wollten, gab es diverse Herausforderungen. Die anonyme und geschützte Verarbeitung der Daten ist etwa ein wichtiger Punkt, ebenso das Bereitstellen von Schnittstellen für Maklerverwaltungsprogramme und die IT-Struktur der Versicherer. Und wie bereits erwähnt, wir wollen den Vermittler mit einer intuitiv zu bedienenden Plattform in die Lage versetzen, das Risiko seines Kunden sicher und umfassend bewerten und absichern zu können.
Inwiefern hat die Corona-Pandemie die Neugestaltung der Plattform beeinflusst?
Durch die Kontaktbeschränkungen fiel bekanntermaßen der persönliche Kontakt zwischen Unternehmer und Versicherungsvermittler zeitweilig weg. Üblicherweise schaut sich ein Vermittler vor Ort das Unternehmen inklusive Gebäude an. Damit lassen sich die Risiken besser erfassen. Das ist zwar immer noch der beste Weg, doch vor allem bei kleineren Gewerben können unsere Fragebögen plus Fotos hier einen digitalen Ersatz liefern. Ist sich der Vermittler hinsichtlich der Risikobewertung unsicher, greifen wir ihm unter die Arme, beziehungsweise der Vertrieb oder Pool, an den er angeschlossen ist.
Welche Projekte stehen als Nächstes an?
Eines der wichtigsten Projekte ist die Umsetzung der DIN-Norm 77235. Für Gewerbemakler ergibt sich daraus eine neue Form der Beratung gemäß dieser normierten Risiko- und Finanzanalyse. Unser Ziel: Eine transparente, unabhängige Analyse der Finanz- und Risikoanalyse von Unternehmen und Unternehmern zu schaffen. Für Vermittler, Vertreter und Banken wollen wir zudem eine nie dagewesene Möglichkeit der digitalen und kundenzentrierten Beratung ermöglichen.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.