Hybride – vielen vor allem bekannt aus der Automobilindustrie. Die neue Technik der Elektromotoren wird mit Verbrennungsmotoren kombiniert, da sich die Autofahrer alternative Energiequellen und moderne Antriebe wünschen. Doch sie können oder wollen nicht ganz auf das Bewährte verzichten. Vielleicht vertrauen sie dem Fortschritt nicht vollends.
In der Finanz- und Versicherungsbranche verhält es sich ganz ähnlich. Viele Kunden wünschen sich mehr Rendite, sind aber nicht bereit, auf Sicherheitselemente zu verzichten. Diesen Kundenwünschen wollen die Versicherer unter anderem mit Hybridprodukten begegnen.
Dabei handelt es sich um fondsgebundene Versicherungslösungen, die nach Vertragsende oder in einer Rentenbezugszeit eine garantierte Leistung vorsehen. Dazu gibt es zwei, manchmal auch drei Töpfe, zwischen denen der Versicherer je nach Marktsituation, Laufzeit und Risikoprofil des Kunden hin und her schichtet.
Der 1. Topf, und damit die Basis dieser Produkte ist das Sicherungsvermögen der Kunden. Topf 2 ist ein Wertsicherungsfonds eines Asset Managers, der in sich schon Sicherheit, aber auch Renditechancen bietet. Und der dritte Topf schließlich ist ein Fondskorb, den sich der Kunde selbst zusammenstellen kann. Das ist gewissermaßen der Renditemotor der Produkte. Beim zwei-Topf-Hybrid wird der Wertsicherungsfonds in der Mitte einfach ausgespart.
„Die Angebote zielen darauf ab, widersprüchliche Kundenwünsche nach garantierten Leistungen einerseits und nach interessanten Renditen andererseits umzusetzen“, sagt Mark Ortmann, Gründer und Geschäftsführer des ITA Instituts für Transparenz.
Der gelernte Bankkaufmann, Volljurist und Certified Financial Planner beschäftigt sich seit 2006 mit der Vereinfachung von Versicherungen.
Den Hybridprodukten steht er aufgrund ihrer Komplexität eher kritisch gegenüber. „Es wird zwischen Sicherheits- und Renditekomponenten hin und her geschichtet. Damit geht leider eine produktspezifische Intransparenz einher“, so der Versicherungsexperte, „die Verfahren müssen in den Bedingungen beschrieben werden. Das wiederum macht das Regelwerk nicht einfacher und transparenter. Ich persönlich bin für mehr Einfachheit, nicht nur in den Beratungs- und Abschlussprozessen, sondern auch im Produktdesign.“ Die Welt sei komplex genug. Ortmann: „Ermöglicht den Kunden, einfach und verständlich für ihr Alter vorzusorgen.“
Seiner Meinung nach hängt die Geeignetheit für den Kunden vom konkreten Produktdesign und demzufolge von der zugeordneten Chance-Risiko-Klasse ab. Der Kunde bestimmt, welche Risiken er für welche Rendite in Kauf nehmen möchte. „Entspricht ein Hybridprodukt diesen Vorstellungen, sollten Zuverlässigkeit des Anbieters und die Kosten des Produkts betrachtet werden“, empfiehlt Ortmann, „in den heutigen Zeiten sollten nur noch Versicherer in Betracht gezogen werden, die sich in der Vergangenheit kontinuierlich bis heute durch ihre finanzielle Solidität positiv vom Markt abheben. Außerdem gilt es teure Produkte zu meiden. Kosten fressen Rendite auf.“ Ein Vergleich der Effektivkosten erlaube, günstige von teuren Produkten zu unterscheiden.
Der automatische Umschichtungsprozess kann mit der Zeit dazu führen, dass das Verhältnis zwischen Sicherheits- und Renditekomponente nicht mehr dem Risikotyp des Versicherten entspricht. Anfangs kann die Renditekomponente zu klein ausfallen, später ist sie oft zu groß. Einflussmöglichkeiten wären hier wünschenswert. Grundsätzlich bieten Hybridprodukte lediglich dann gute Chancen auf bessere Renditen, wenn die Kunden ihren Vertrag durchhalten. Ob sie das tun, hängt sehr von den Umständen ab, unter denen sie ihn abgeschlossen haben. Vor allem, ob die Höhe des monatlichen Beitrages wirklich zu ihnen passte und langfristig passt. Wird der Vertrag vorzeitig gekündigt, schmälern Abschlusskosten und Gebühren den Auszahlbetrag. Außerdem wirken die Garantien oft nur nach einer gewissen Zeit oder erst mit Beginn der Auszahlung.
Ein komplexes Produkt, bei dem laut Mark Ortmann auch der Berater an seine Grenzen stößt: „Für Makler ist es nicht möglich, den Kunden die Versicherungsangebote verständlicher aufzubereiten.“ Es gebe bis heute noch keine transparenten und objektiven Vergleiche von Altersvorsorgeprodukten auf Basis der genauen Kundenvorgaben. Die besten Anhaltspunkte liefere bei Riester- und Basisrenten das Produktinformationsblatt. Dort können Kunden und Makler mögliche Leistungen und Kosten auf Grundlage eines standardisierten Verfahrens vergleichen. „Die individuellen Beispielrechnungen der Versicherer sollten nicht direkt miteinander verglichen werden, da die Versicherer unterschiedlich rechnen. Objektiv kann so kaum verglichen werden“, so Ortmann.
Trotz der Ortmanns Bedenken hinsichtlich der Transparenz der Hybridprodukte bedienen diese Angebote die Wünsche vieler Kunden nach Sicherheit und Rendite. Sie wollen sich nicht zwischen beidem entscheiden sondern die Vorteile für sich nutzen. In einem Vergleich des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft einer klassischen Rentenversicherung und zum Beispiel einer fondsgebundenen Rentenversicherung mit Beitragsgarantie zeigt sich folgendes: Der Beitragszahler, ein 30-jähriger Mann, legt 37 Jahre lang monatlich 100 Euro in der jeweiligen Versicherung an. Das ergibt eine Summe von 44.400 Euro. Beim Klassiker kann er zum Zeitpunkt der Rentenzahlung auf ein Garantiekapital in Höhe von 50.700 Euro zurückgreifen. Plus Überschüsse ergeben sich rund 80.660 Euro. Insgesamt kann er mit einem Rentenanspruch von 2.897 Euro jährlich rechnen. Im Fall der fondsgebundenen Variante mit Garantie sieht es so aus: Da sich die risikoreichere Anlage gut entwickelt hat, liegt das Kapital bei 92.350 Euro. Daraus errechnet sich ein Anspruch auf 3.319 Euro Rente pro Jahr.
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