Wahltarife für mehr Wettbewerb

Wie die Kostenerstattung in der GKV funktioniert

Die gesetzlichen Krankenkassen werden innovativer. Mit Wahltarifen können ihre Versicherte mehr Leistungen oder günstigere Prämien erhalten. Hier erfahren Sie, wie das funktioniert.
© dpa/picture alliance
Ein Stethoskop liegt in einer Hausarztpraxis in Miesbach (Bayern) auf blanco Rezepten und Formularen.

Im Oktober 2017 verkündete Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eine Senkung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags in der gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 1,1 Prozent auf 1,0 Prozent. Die Finanzlage der Kassen bezeichnete er als so gut, dass dieser Schritt möglich sei. Für das kommende Jahr seien die Einnahmen höher geschätzt worden als die Ausgaben.

Doch nicht nur in der Höhe der Zusatzbeiträge und über einige Leistungen unterscheiden sich die gesetzlichen Krankenkassen. Über das klassische Sachleistungsprinzip per Gesundheitskarte hinaus können Versicherte sich für das Kostenerstattungsprinzip entscheiden. Auf diese Weise gehen sie, wie in der privaten Krankenversicherung, als Selbstzahler zum Arzt. Über die Gebührenordnung der Ärzte beziehungsweise Zahnärzte rechnet der Arzt direkt mit seinem Patienten ab. Dieser wiederum reicht die Rechnung bei der Kasse ein, die den vereinbarten Kassensatz erstattet. Höhere Beträge unterliegen dem sogenannten Selbstbehalt des Versicherten und können über den Wahltarif Kostenerstattung bei einigen gesetzlichen Krankenkassen extra abgesichert werden.

Für eine monatliche Prämie, die nach dem Alter gestaffelt ist, übernehmen diese Krankenkassen zusätzliche Kosten beim Arzt oder Zahnarzt. Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung gibt es jedoch weder eine Gesundheitsprüfung noch Risikozuschläge für Vorerkrankungen. Aktuell bieten drei Versicherer die freiwilligen Varianten an: die Techniker Krankenkasse, die Securvita Krankenkasse und die Knappschaft.

Die Securvita Krankenversicherung gibt zum Beispiel für die Altersgruppe 36 bis 45 Jahre eine monatliche Prämie in Höhe von 38,30 Euro an. Mit Rabatten für halbjährliche oder jährliche Zahlungsweise reduziert sich die Summe um 3 beziehungsweise 5 Prozent. Wird der Securvita eine Einzugsermächtigung erteilt, verringert sich die monatliche Prämie um weitere 2 Prozent. Die Knappschaft teilt ihre Gruppen in die jeweiligen Jahrzehnte auf. So muss ein 30- bis 39-Jähriger im Wahltarif Kostenerstattung „Arzt“ 25,83 Euro im Monat bezahlen und ein 40- bis 49-Jähriger 29,24 Euro. In der Variante „Zahnarzt“ ist es etwas günstiger.

Wie funktioniert nun der Wahltarif der Kostenerstattung bei den Krankenkassen konkret? Die Knappschaft übernimmt bei den eingereichten Rechnungen den Kassensatz plus 80 Prozent des restlichen Rechnungsbetrages. Das gilt für alle Leistungen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. Der Eigenanteil für den Versicherten liegt bei maximal 500 Euro im Jahr. Außerdem wird Leistungsfreiheit in dem Tarif mit einem Bonus belohnt. Ein Zwölftel der tariflichen Jahresprämie kann so ausgezahlt werden.

Im Tarif „Kostenerstattung Ambulante Behandlung“ der Techniker Krankenkasse werden ebenfalls 80 Prozent der Rechnung übernommen. Wobei der verbleibende Anteil auf 800 Euro im Jahr begrenzt ist. Alle Leistungen, die im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgeführt sind, werden bei der TK und bei der Knappschaft bis zum 3,5-Fachen des einfachen Gebührensatzes der Gebührenordnung für Ärzte erstattet.

Diese Wahltarife gehören seit einigen Jahren zum Portfolio der Krankenkassen. Pflichtangebote, wie der Hausarzttarif, der Krankengeldtarif für Selbstständige oder der Wahltarif für integrierte Versorgung sowie freiwillige Angebote sollen den Wettbewerb der gesetzlichen Kassen untereinander erhöhen. Mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Bindungsfrist von in der Regel zwölf Monaten legen sich die Versicherten für diese jeweiligen Module fest. Beim Krankengeldtarif für Selbstständige und beim Selbstbehalttarif sind es sogar drei Jahre.

Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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