Die digitale Welt zeigt immer häufiger ihre Schattenseiten. Denn die Kriminalität verlagert sich zunehmend ins Netz. Da sich nicht nur Unternehmen sondern auch mehr und mehr Privatpersonen dem Datenklau oder sonstigen Online-Betrügereien gegenüber sehen, entsteht verstärkt der Wunsch, sich vor den finanziellen Folgen einer Cyber-Attacke zu schützen. Einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge können sich 19 Prozent der Internetnutzer den Abschluss einer solchen Versicherung vorstellen. 5 Prozent gaben an, sich auf jeden Fall absichern zu wollen.
Neben Cyber-Bausteinen, die Versicherer in Haftpflicht-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherung einbauen, kommen auch mehr und mehr selbstständige Cyberpolicen auf den Markt. „Diese Tarife schützen meist umfassender aus mehreren Sparten und mit höheren Ersatzleistungen“, sagt Jan Roß, Leiter Maklervertrieb bei der Inter Versicherungsgruppe. „Bei unserem eigenständigen Produkt Cyberguard, beim Axa-Angebot und auch bei dem der R+V ist beispielsweise zudem eine Virensoftware enthalten.“
Die Bausteine in der Rechtsschutzversicherung ermöglichen meist eine Beratung, eine Unterstützung oder einen Service, wie ein Darknet-Screening. Einen entstandenen Schaden der Kunden ersetzen die wenigsten. Bei den Einschlüssen in der Hausrat- oder Haftpflichtversicherung werden in der Regel die Leistungen der selbstständigen Produkte abgebildet, allerdings weniger umfangreich und selten spartenübergreifend. Damit entsprechen das Leistungsspektrum sowie die Leistungshöhe meist nicht denen der eigenständigen Angebote. Zudem regulieren die wenigsten Bausteine Hardware-Schäden.
„Versicherungen für Privatpersonen gegen Cyberkriminalität sind ein junger Markt. Daher divergieren die Produkte noch sehr stark“, stellt Roß fest. Hinzu komme, dass es täglich neue Risiken gebe und Hacker immer neue Methoden für ihre kriminellen Machenschaften erfänden. „Letztlich entscheidet selbstverständlich der Bedarf des Kunden, ob sich eine eigenständige Police eher lohnt als ein Baustein in einer bestehenden Police. Allerdings sollte bei der Beratung eine zukünftige Entwicklung hinsichtlich der Risiken berücksichtigt werden“, empfiehlt der Inter-Vertriebsleiter. Vor diesem Hintergrund sei es für den Makler bezüglich einer eventuellen Haftungsfrage sicherer, zumindest auf ein eigenständiges Produkt hinzuweisen. Möchte der Kunde dies nicht, kann der Berater nicht in Regress genommen werden.
Wenigen Kunden ist bewusst, wie real und vielfältig die Gefahren aus dem Netz sind und wie stark sie zunehmen. Sei es Betrug im Online-Handel, Phishing von Daten und damit einhergehend Betrug im Zahlungsverkehr oder der Befall mit Ransomware und einer Verschlüsselung der eigenen Daten. Selbst Maßnahmen zum eigenen Schutz zu ergreifen ist bei jeder Versicherung Voraussetzung im Schadenfall überhaupt eine Leistung zu erhalten. Dazu gehört ein Virenschutz. Bei Kindern werden die Risiken des Cybermobbings und auch der rechtswidrigen Veröffentlichung persönlicher Daten im Netz zunehmend wichtiger. Darauf gilt es im Beratungsgespräch hinzuweisen.
„Um sich als Makler in diesem recht jungen Beratungsfeld selbst zu informieren und somit die Kunden fachmännisch zu beraten, können sich Makler in Schulungen und Webinaren entsprechende Fachkenntnis aneignen“, so Roß. Des Weiteren gehören umfangreiche Dokumente sowohl zum jeweiligen Produkt des Versicherers als auch zu den Gefahren dazu. „Im Idealfall sind diese Informationen nicht nur aus Sicht des Versicherers zusammengetragen und ausgebereitet, sondern gemeinsam mit Experten, die sich seit Jahren weltweit mit Fällen der Cyberkriminalität beschäftigen“, erklärt Roß.
Doch nicht nur im Ernstfall, wenn der Schaden bereits geschehen ist, können Makler und Versicherer den Kunden unterstützen. Sie können den Kunden auch umfangreich über präventive Maßnahmen aufklären. „Dazu lohnt sich eine Kampagne seitens der Berater an ihre Kunden allemal“, so der Vertriebsexperte. „Die Kunden damit für das Thema zu sensibilisieren und auf Möglichkeiten zur Absicherung aufmerksam zu machen, gelingt so am besten.“
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