Riester-Rente

IVFP-Studie fordert Flexibilisierung der Beitragsgarantie

Die verpflichtende Beitragsgarantie bei Riester-Produkten sollte abgeschafft oder zumindest flexibilisiert werden. Das fordert eine aktuelle Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), die das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) am Montag in Berlin vorgestellt hat. Der Grund: Die Beitragsgarantie reduziere das Angebot chancenreicher Produkte „dramatisch“, wie es heißt.
© IVFP
IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer präsentierte am Montag in Berlin die Ergebnisse der Studie „Die Renditechancen der (fondsgebundenen) Riester-Rente im aktuellen Marktumfeld“.

Die Riester-Rente in der Form, wie sie 2002 eingeführt wurde, sei im gegenwärtigen Marktumfeld nicht mehr zeitgemäß. Das teilte das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) auf Basis einer aktuellen Studie mit, die das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) in Zusammenarbeit mit der DWS Group erstellt hatte. Demnach sei vor allem eine Flexibilisierung der Bruttobeitragsgarantie erforderlich, wenn die Riester-Rente ihren ursprünglichen Zweck weiter erfüllen solle, heißt es.

So habe die Auswertung der aktuell am Markt zu findenden fondsgebundenen Riester-Produkte gezeigt, dass diese Tarife selbst bei der langen Laufzeit von 30 Jahren zu 60 Prozent in der Chance-Risiko-Klasse 2 einzuordnen sind. Heißt: Es handelt sich hier also um eine sicherheitsorientierte Anlage mit begrenzten Ertragschancen. Laut der Studienautoren schafft es lediglich ein Anbieter mit zwei Produkten in die Chance-Risiko-Klasse 4 (renditeorientierte Anlage mit höheren Ertragschancen). Bei einer Laufzeit von 20 Jahren sei der Anteil der risikoärmeren Tarife noch einmal deutlich höher.

Den Wissenschaftler gefällt das gar nicht: „Wegen der vorgeschriebenen Bruttobeitragsgarantie können kaum noch Beitragsanteile in chancenreichere Kapitalanlagen investiert werden“, so das Fazit. Unter den ebenfalls staatlich geförderten Basisrenten dagegen befänden sich „eine Vielzahl von Tarifen“, die eine Chance auf eine vernünftige Rendite böte, obwohl die Zielgruppe der Basisrente deutlich kleiner sei.

Bei den Kosten ist das Ende der Fahnenstange offenbar erreicht

Das Problem: Die Möglichkeiten der Anbieter, die Chancen fondsgebundener Riester-Renten durch weitere Veränderungen an den Produkten zu verbessern, sind begrenzt. Durch einen Vergleich der Jahre 2017 und 2016 gelangten die Autoren zu der Annahme, dass die Kostensätze in vielen Fällen inzwischen ein Niveau erreicht haben, das sich nicht weiter absenken lässt. „Die Alternative wäre ein Verkauf ohne Beratung, um Abschlusskosten einzusparen“, folgern die Wissenschaftler. Beratung sei aber gerade bei den komplexen Riester-Produkten und ihrer komplizierten Förderstruktur erforderlich, heißt es. Und weiter: Der Verzicht auf Beratung stünde außerdem der Verbreitung der Riester-Rente im Wege, weil dann deutlich weniger Neuabschlüsse stattfänden.

Auf den zweiten entscheidenden Faktor für die Renditechancen, das Zinsniveau, haben die Anbieter laut der Autoren keinen Einfluss. Einen Ausweg böte demnach der Verzicht auf die Garantie. Daher haben die Studienautoren in Simulationsverfahren mit 10.000 Kapitalmarktszenarien die Chance- und Risikokennzahlen für generische Riester-Produkte berechnet. Einmal für einen Riester-Tarif mit Garantie und einmal ohne. Das Resultat: Für eine 30-jährige Anspardauer brachte ein Tarif mit Garantie bei den Berechnungen nach den Standards der Produktinformationsstelle Altersvorsorge im derzeitigen Marktumfeld oftmals nur Ablaufleistungen, die knapp oberhalb der Garantiesumme lagen. Garantiefreie Tarife dagegen erzielten im Mittel ein um bis zu 64 Prozent höheres Kapital. „Ein Verzicht auf die Garantie erhöht demzufolge die Renditechancen stark“, fassen die Autoren zusammen.

Auch bei Produkten ohne Garantie sehen die Autoren eine (beherrschbare) Gefahr

Allerdings droht auch hier Ungemach: So bestehe auch bei Produkten ohne Garantie die Gefahr, dass am Ende weniger als die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Zugleich geben die Autoren in dieser Frage etwas Entwarnung: „Berechnungen mit Vergangenheitsdaten zeigten aber, dass die sehr schlechten Fälle aus den Simulationen in der Realität noch gar nicht vorgekommen sind“, heißt es. Das sei vor allem dann der Fall, wenn die Kapitalanlage weit gestreut werde, zum Beispiel durch ein globales Investment. Demnach gab es in der Vergangenheitsbetrachtung bei einem 30-jährigen Anlagezeitraum – mit Ausnahme von Japan, wie die Autoren ergänzen – keinen Fall, bei dem die Ablaufleistung geringer ausfiel als die eingezahlten Beiträge. „Eine Beitragsgarantie wurde also de facto gar nicht benötigt“, betonen die Wissenschaftler. Auch bei dem kürzeren Anlagehorizont von 20 Jahren seien in der Vergangenheit kaum Zeiträume aufgetreten, die zu einer negativen Rendite und damit zu einem teilweisen Verlust der eingezahlten Beiträge führten.

Im Ergebnis ihrer Untersuchungen schlagen die Studienautoren daher vor, die Beitragsgarantie auch bei der Riester-Rente flexibel zu gestalten. Dadurch würde ein Produktspektrum mit unterschiedlichen Chance-Risiko-Profilen entstehen. Die Altersvorsorgesparer könnten dann selbst entscheiden, ob sie für eine Beitragsgarantie erhebliche Einschränkungen bei der späteren Ablaufleistung in Kauf nehmen oder lieber ein Produkt mit einer höheren Rendite ohne Garantie wählen.

Durch diese Veränderung an der Produktgestaltung, so die Autoren, werde die Riester-Rente zukunftsfähig bleiben. Außerdem empfehlen sie laut DIA eine Reduzierung des Verwaltungsaufwandes. Mit beiden Maßnahmen könne einem weiteren Rückgang der Riester-Anbieter entgegengewirkt und die Wettbewerbsfähigkeit der Riester-Rente verbessert werden. Das komme letztendlich den Altersvorsorgesparern zugute, heißt es abschließend.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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