Finanzvertrieb

Partners Capital Services will in die Top 5 in Deutschland

Die tschechische Finanzgruppe Partners und die deutsche Scala Finanzgruppe haben gemeinsam Partners Capital Services gegründet. Sie wollen in Deutschland durch Beteiligungen an Finanzberatungsunternehmen wachsen. Dabei setzen sie auf zwei bestimmte Ansätze.
Christian Schwalb ist Chef der neu gegründeten Partners Capital Services (PCS)
© Privat
Christian Schwalb ist Chef der neu gegründeten Partners Capital Services (PCS)

Ein neuer Wettbewerber bringt sich auf dem deutschen Finanzvertriebsmarkt in Stellung: Die tschechische Finanzgruppe Partners und die Scala Finanzgruppe um BSC-Gründer Christian Schwalb haben im August 2026 das Gemeinschaftsunternehmen Partners Capital Services (PCS) mit Sitz im bayerischen Kronach gegründet. Schwalb übernimmt als CEO die Geschäftsführung.

PCS soll als Mehrmarken-Holding für Finanzberatungsunternehmen aufgebaut werden. Das erste Unternehmen unter ihrem Dach ist der 2003 von Schwalb gegründete Finanzmakler BSC. Weitere Beteiligungen sollen folgen.

2.000 Berater und 500.000 Kunden geplant

Die Ziele sind ehrgeizig. Innerhalb von fünf Jahren will PCS rund 2.000 Berater unter ihrem Dach vereinen, etwa 500.000 Kunden betreuen und 100 Millionen Euro Jahresumsatz erreichen. In zehn Jahren soll die Gruppe zu den fünf größten Finanzvertrieben Deutschlands gehören.

Finanzielle Unterstützung kommt von der tschechischen Partners-Gruppe. Diese betreut nach eigenen Angaben europaweit rund 2,2 Millionen Kunden und arbeitet mit etwa 5.500 Vermittlern in fünf Ländern zusammen. Im Jahr 2025 erzielte sie einen Umsatz von 336 Millionen Euro.

Wachsen will PCS vor allem durch Beteiligungen an etablierten Beratungsunternehmen. Dabei sind sowohl Minderheitsbeteiligungen als auch vollständige Übernahmen möglich. Langfristig strebt die Gruppe Mehrheitsbeteiligungen an. Die bisherigen Eigentümer und Führungskräfte sollen möglichst an Bord bleiben. Auch die bestehenden Marken will PCS erhalten.

Von klassischen Maklerkonsolidierern grenzt sich das Modell, wie Schwalb herausstellt, ausdrücklich ab. Es geht ihm um 360-Grad-Unternehmenskonzepte und nicht um das bloße sammeln von Versicherungsbeständen. Auch ein späterer Weiterverkauf der Unternehmensgruppe sei nicht geplant. Vielmehr wolle er eine langfristig erfolgreiche Finanzdienstleistungsgruppe aufbauen.

Was bedeutet das für Makler?

Für Vermittler der BSC soll sich zunächst wenig ändern. Bestehende Produktpartnerschaften und die bisherige Verwaltungssoftware von Smart Insurtech bleiben erhalten.

Geplant ist allerdings, die bestehende Infrastruktur um ein neues Kundenmanagementsystem zu ergänzen. Das soll Daten zusammenführen und eine Verbindung zu einer Kunden-App herstellen.

Perspektivisch will PCS auch das Bankmodell der tschechischen Muttergesellschaft nach Deutschland übertragen. Dort verbindet Partners bereits digitale Bankdienstleistungen mit persönlicher Finanzberatung. Kunden können über eine App ihre Bankgeschäfte erledigen, Versicherungsverträge und Kapitalanlagen einsehen sowie ihren Berater kontaktieren.

Lada Kičmerová, Vorstandsmitglied der Partners Banka, sieht darin einen Vorteil für Vermittler: Während reine Versicherungs-Apps von Kunden vergleichsweise selten genutzt würden, ermögliche die Banking-App regelmäßige Kontakte. Daraus könnten zusätzliche Beratungsanlässe entstehen. Wann die Banklösung in Deutschland verfügbar sein wird, ist allerdings noch offen.

Bestandsbetreuung statt Abschlussprovisionen

Auch bei der Vergütung verfolgt Partners in Tschechien einen besonderen Ansatz. Dort setzt die Gruppe in der Lebensversicherung auf laufende Provisionen statt auf hohe einmalige Abschlussvergütungen.

Berater müssen ihre Kunden regelmäßig betreuen und das dokumentieren. Mindestens alle zwei Jahre ist eine nachweisbare Serviceleistung erforderlich. Andernfalls entfallen weitere Provisionen aus der betreffenden Kundenbeziehung. Auch Kundenzufriedenheit und Beratungsaktivitäten beeinflussen die Vergütung.

Für Makler und vor allem Vertriebe bleibt spannend zu beobachten, wie schnell die angekündigten technischen Lösungen tatsächlich verfügbar werden und welche Vorteile sie im Beratungsalltag letztlich bringen werden.

 

Mehr zum Thema

Industrie unter Druck: Was jetzt in der AKS-Beratung zählt

Hohe Energiepreise, geopolitische Krisen und wachsender internationaler Wettbewerb: Die deutsche Industrie steht vor Herausforderungen. Das…

Franke und Bornberg sieht Betriebshaftpflicht im Aufwind

Mit der Betriebshaftpflichtversicherung geht es offenbar aufwärts. Wie das aktuelle Rating der Agentur Franke und…

Altersvorsorgedepot, KI und Polizeikontrolle: Unsere DKM-Rückschau

Es war DKM in Dortmund – und wir waren natürlich auch da. Wir haben aus…

Autor

Matthias

Heß

Matthias Hess ist Geschäftsführer von Pfefferminzia.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert