Hohe Energiepreise, geopolitische Krisen und wachsender internationaler Wettbewerb: Die deutsche Industrie steht vor Herausforderungen. Das hinterlässt Spuren bei den Beschäftigten. In unserer neuen Yougov-Studie mit der Industriegewerkschaft IGBCE und der Chemierente haben wir über 1.100 Beschäftigte deutscher Schlüsselindustrien befragt, was der Wandel mit ihnen macht. Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Der Druck steigt. Besonders in der Produktion. Dort, wo körperlich hart gearbeitet wird, klagen bereits 59 Prozent der Menschen über spürbare physische oder mentale Mehrbelastungen. Und mehr als die Hälfte rechnet damit, dass sich die Belastungsschraube in den nächsten Jahren weiterdreht. Sicherheit wird für die Zielgruppe zur wichtigsten Währung.
Der Arbeitsdruck erzeugt bei den Beschäftigten hohes Risikobewusstsein: Eine große Mehrheit von 72 Prozent hält Vorsorge und Absicherung angesichts der Umbrüche für wichtig. Dass dennoch Millionen Menschen ohne adäquaten Schutz ihrer Arbeitskraft dastehen, überrascht nur auf den ersten Blick.
In der Praxis sind es oft hohe Zugangshürden, die Absicherung verhindern: Wer am Schmelzofen steht, im Akkord montiert oder am Krankenbett Schichten schiebt, erhält in der klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) wegen hoher Risikozuschläge oft nur Angebote zu teuren Konditionen – oder gar keinen Zugang zur BU. Für Vermittlerinnen und Vermittler heißt das: Der Handlungsdruck in diesen Berufsgruppen ist enorm, verlangt in der Praxis aber oft nach bezahlbaren, pragmatischen BU-Alternativen.
Lange galt die BU in der AKS-Beratung als einziges Go-to-Produkt. Ein Monopol, das in den Köpfen der Kundschaft langsam zu bröckeln beginnt. Unsere Chemierente-Studie deckt auf: Mit 31 Prozent Präferenz ist die Absicherung wichtiger Fähigkeiten bei den Befragten exakt gleichauf mit dem Schutz des gesamten beruflichen Status.
Die Devise „BU oder nichts“ ist damit endgültig passé. Das große Aber: Wie unsere AKS-Umfrage aus dem letzten Jahr zeigt, wissen drei von vier Befragten nicht, dass es die Grundfähigkeitsversicherung überhaupt gibt. Löchriges Wissen in den Köpfen, das reale Absicherungslücken an der Werkbank nach sich zieht.
Ziel einer modernen Beratung muss deshalb sein, die Arbeitskraftabsicherung ergebnisoffen anzugehen. Die Grundfähigkeitsversicherung ist keine Notlösung, sondern eine hochattraktive Alternative, die sich an der realen Arbeitswelt der Menschen orientiert. Dennoch besitzen aktuell nur 12 Prozent der Befragten eine Grundfähigkeitsversicherung – bei gleichzeitig 56 Prozent, die sich unzureichend informiert fühlen. Hier klafft eine riesige Beratungslücke, die wir schließen müssen.
Um Beschäftigte, gerade in körperlich anspruchsvollen Berufen mit steigendem Arbeitsdruck, sicher in eine bezahlbare Absicherung ihrer finanziellen Existenzgrundlage zu lotsen, sollten wir folgende Aspekte künftig stärker in den Fokus rücken:
Am Ende muss unsere gemeinsame Mission lauten: Wir bringen möglichst viele Menschen in den Schutz ihrer finanziellen Existenzgrundlage. Nicht nur, aber insbesondere in Zeiten steigender Mehrbelastung ist gar kein Schutz das denkbar größte Risiko. Dafür sollten wir unseren Horizont in der Beratung erweitern. Welcher Baustein am Ende der richtige ist, entscheidet keine starre Regel, sondern ganz allein die individuelle Lebens- und Arbeitsrealität der Menschen, die wir schützen.
Stefan Holzer ist Vorstandsmitglied bei Swiss Life Deutschland und Leiter Market Management Versicherung bei der Swiss Life Lebensversicherung.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.