Moody’s-Analyst

Altersvorsorge-Reform setzt Lebensversicherer unter Druck

Bei der Riester-Rente haben die Versicherer klar dominiert. Künftig könnten sie es bei der geförderten privaten Altersvorsorge deutlich schwerer haben. Nicht nur das Neugeschäft wird mit Inkrafttreten der Reform zum Risiko.
Mann unter Druck: Die Konkurrenz für die Lebensversicherer beim neuen Altersvorsorgedepot ist groß.
© tsyhun/Magnific
Mann unter Druck: Die Konkurrenz für die Lebensversicherer beim neuen Altersvorsorgedepot ist groß.

Zum Jahresanfang soll es losgehen: Die Reform der privaten Altersvorsorge tritt in Kraft. Statt Riester-Rente gibt es dann das Altersvorsorgedepot, aber auch geförderte Versicherungslösungen.

Die könnten jedoch das Nachsehen haben, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Demnach sieht Moody’s-Analyst Christian Badorff künftig massive Risiken für die deutschen Lebensversicherer. Und das nicht nur beim Neugeschäft.

Bestehende Riester-Verträge gefährdet

Auch bestehende Riester-Verträge, insbesondere solche die Kunden erst in den vergangenen Jahren mit niedrigen Garantiezinsen abgeschlossen haben, könnten gekündigt werden. Laut Statistik des Bundesarbeitsministeriums waren Ende 2025 von den bestehenden 14,66 Millionen Riester-Verträgen 9,75 Millionen Versicherungsprodukte.

Ihr Anteil an den reformierten Produkten dürfte wahrscheinlich deutlich geringer ausfallen. Insbesondere bei den Kosten werden die Versicherer mit den aggressiven Angeboten im Markt wohl nicht mithalten können. Die Preisschlacht ist bereits voll im Gange. Jüngst hat Trade Republic ein Produkt mit 0 Prozent Kosten angeboten.

Lebensversicherer müssen ihre Vorteile nutzen

Chancenlos sind die Versicherer mit ihren geförderten Altersvorsorgelösungen allerdings nicht. Schließlich können sie Produkte mit 80 oder 100 Prozent Garantie anbieten, was für viele Kunden nach wie vor ein wichtiges Argument ist. Zudem können nur sie lebenslange Rentenzahlungen gewähren. Badorff hält es jedoch für wichtig, dass die Versicherer ihre Produkte schnell genug auf den Markt bringen.

Eine Umfrage von Sirius Campus und Aeiforia deutet darauf hin, dass zum Angebotsstart Anfang 2027 rund 2,9 Millionen Verträge abgeschlossen werden könnten. Viele Kunden seien jedoch noch unentschlossen, welche Art von Produkt sie bevorzugen, sagt Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus. Und meint weiter: „Bei der Verteilung der Neuverträge werden hauptsächlich aktive Kundenansprache und Aufbau einer hohen Beratungsqualität ausschlaggebend sein.“

S&P Global Ratings rechnet damit, dass künftig jährlich zweistellige Milliardenbeträge in geförderte private Altersvorsorgelösungen fließen.

Stabile Aussichten für deutsche Lebensversicherer

Aktuell sieht Badorff die deutschen Lebensversicherer wieder besser aufgestellt als noch zu Zeiten der Niedrigzinsphase. Die Risiken ihrer Verbindlichkeiten seien inzwischen deutlich geringer.  Die Rating-Agentur Moody‘s erachtet das Branchenumfeld als „stabil“. Die Platzhirsche dürften ihre Marktanteile weiter ausbauen.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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