Das Umfrageinstitut Sirius Campus rechnet zum Angebotsstart des Altersvorsorgedepots Anfang 2027 mit 2,9 Millionen Verträgen. Daraus ergäbe sich ein Jahresbeitragsvolumen von 6 Milliarden Euro, das auf verschiedene Anbieter verteilt würde. Dieser konservativen Schätzung liegen 142 Euro Monatsbeitrag plus Zulagen zugrunde. Das zeigt die Marktuntersuchung „Altersvorsorge im Aufbruch“, die der Vorsorgespezialist Aeiforia unterstützt hat.
Die Online-Erhebung unter 1.081 repräsentativ befragten Förderberechtigten fand Anfang September 2026 statt. Eine erste Befragungswelle gab es bereits im April 2026.
Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten kennen laut Sirius Campus bereits 73 Prozent das neue Altersvorsorge-Depot. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als noch im April 2026. Unter den Kennern liegt die Abschlussbereitschaft bei 29 Prozent. Im April waren es noch 34 Prozent.
Trotz des Rückgangs kommt Sirius Campus auf die genannte Prognose. Denn 75 Prozent der Abschlussbereiten wollen sich in den kommenden sechs Monaten beraten lassen. Im April lag der Wert bei 55 Prozent. Daraus ergeben sich 3,9 Millionen mögliche Altersvorsorgedepots mit einem jährlichen Sparvolumen von 8 Milliarden Euro. Zieht man die Spanne zwischen Plan und Umsetzung (Intentions-Umsetzungs-Gap) von 30 Prozent ab, bleiben 2,9 Millionen Abschlüsse und 6,0 Milliarden Euro im Jahr.
Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus, sieht die Verteilung der Verträge noch offen. „Viele Kunden sind noch unentschlossen und haben nur erste Überlegungen, wie viel Beitragsgarantie sie haben wollen und welche Anbieter für sie infrage kommen. Bei der Verteilung der Neuverträge werden hauptsächlich aktive Kundenansprache und Aufbau einer hohen Beratungsqualität ausschlaggebend sein“, sagt Gaedeke.
Bereits jetzt seien etwa 28 Prozent der Förderberechtigten von ihren Bank- und Bausparkassenberatern, Versicherungsvermittlern oder News-Feeds aus dem Online-Banking zum Altersvorsorgedepot angesprochen worden, heißt es weiter. Viele Kunden wollten ihrem primären Anbieter für private Altersversorgung, Finanzen oder Geldanlagen vorerst auch beim Altersvorsorgedepot vertrauen.
Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer von Aeiforia, mahnt Tempo an: „Es gibt immer noch Finanzanbieter, die die Nachfragewelle sogar in ihrem eigenen Bestand unterschätzen. Nicht nur muss das Produkt möglichst bis Ende des Jahres stehen. Zusätzlich wollen auch Vermittelnde und Beratende für eine kundenorientierte Beratung geschult werden.“
Sirius Campus hat auch Produktmerkmale abgefragt. Grundlage war eine Conjoint-Analyse unter 932 Förderberechtigten. Ein staatliches Standarddepot ohne Garantie, mit Auswahl aus zwei ETFs und 1,0 Prozent jährlicher Gebühr auf den Depotwert würden 7 Prozent der Befragten wählen.
Eine Filial-Bank mit persönlicher Beratung, 80 Prozent Garantie, drei gemanagten Anlagestrategien, dreimal jährlich kostenfreiem Wechsel, Partnervertrag mit 20 Prozent Gebührennachlass und 2,5 Prozent jährlicher Gebühr kommt auf 23 Prozent. Eine weitere Filial-Bank-Variante ohne Garantie, mit 100 Investmentfonds und ETFs, sechsmal jährlich kostenfreiem Wechsel und einem Prozent jährlicher Gebühr findet bei 14 Prozent Anklang. Folglich würden 56 Prozent keine der genannten Varianten nutzen.
Nach wie vor seien nur rund 11 Prozent der Förderberechtigten an einer garantielosen Variante des Altersvorsorgedepots interessiert. Das spricht gegen einen engen staatlichen Standard. Oder, wie Gaedeke sagt: „Die Expertise und Wettbewerbsintensität im Finanzdienstleistungsmarkt sind groß genug, sodass auf ein staatliches Angebot auch verzichtet werden kann.“
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