Gesamtkunstwerk in Gefahr

Ökonomen schreiben Brandbrief für die Rentenreform

Ministerpräsidenten meckern, und die SPD stellt zunehmend Aspekte infrage – die groß angekündigte Rentenreform droht, zum Flickwerk zu verkommen. Das wollen nun 46 Wissenschaftler verhindern. Sie schlagen Alarm.
Alterssicherungskommission übergibt ihr Gesamtkunstwerk am 23. Juni 2026 (v.l.n.r.): Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Co-Kommissionsleiter Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise sowie Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)
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Alterssicherungskommission übergibt ihr Gesamtkunstwerk am 23. Juni 2026 (v.l.n.r.): Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Co-Kommissionsleiter Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise sowie Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)

Während sich Berlin daran macht, die geplante Rentenreform zu zerpflücken, warnen Volkswirte genau davor. Wie Medien berichten, fordern sie einstimmig, dass alle von der Alterssicherungskommission vorgeschlagenen Maßnahmen komplett umgesetzt werden.

Wörtlich verlangen sie, die Empfehlungen „als konsistentes Bündel von Maßnahmen“ umzusetzen. Nur als Gesamtpaket könne die Reform ihre „positive und stabilisierende Wirkung“ entfalten.

46 Wissenschaftler haben den Aufruf unterschrieben. Dazu gehören Rentenexperte Axel Börsch-Supan, Ifo-Instituts-Präsident Clemens Fuest, Constanze Janda (die die Kommission mit leitete), Ulrike Malmendier von der Uni Berkeley, Basisrenten-Namens-Pate Bert Rürup und Moritz Schularick aus dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Bemerkenswert ist außerdem, dass sogar drei Wirtschaftsweise unterschrieben haben: Martin Werding, Gabriel Felbermayr und Monika Schnitzer sitzen im „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“.

Mit ihrem Aufruf betonen die Ökonomen einmal mehr, wie abgestimmt die einzelnen Maßnahmen in der Rentenreform sind. Eigentlich ist das sogar in der Koalition aus CDU und SPD bekannt, denn Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas von der SPD bezeichnete sie als Gesamtkunstwerk. Gleichwohl begannen Ministerpräsidenten einzelner Länder dagegen aufzubegehren. Auch die SPD fing an herumzukritteln und einzelne Aspekte verändern zu wollen.

Das wohl bekannteste Beispiel ist die „Rente mit 63“. Die Reform sieht vor, dass Menschen nicht mehr flächendeckend vorzeitig ohne Abzug in Rente gehen dürfen, auch wenn sie 45 Beitragsjahre auf dem Konto haben. Laut Studien tun das sowieso hauptsächlich gesunde, gutverdienende Männer. Weshalb der Staat lieber gezielt diejenigen stützen soll, die es wirklich brauchen.

Und der wichtigste Punkt ist: Die durch den Wegfall der Rente mit 63 gesparten Ausgaben sind ins Konzept eingerechnet und würden somit fehlen. Es ist nun mal eine Gesamtkalkulation. Deshalb heißt es im Aufruf: Wer einzelne Bestandteile streiche, müsse gleichwertigen Ersatz vorlegen. „Andernfalls fällt das gesamte Konzept zusammen, und die immer größer werdenden Probleme werden weiter vertagt – zulasten der Jüngeren, die schon heute unter steigendem Druck stehen.“

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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