Was Kunden heute erwarten

„Alternative Heilmethoden sind die Kür im PKV-Geschäft“

Akupunktur, Osteopathie und andere alternative Heilmethoden spielen für viele Kunden eine wichtige Rolle. Einzelne PKV-Tarife unterscheiden sich aber teilweise erheblich in den Leistungen. Was Makler heute beachten sollten, erklärt PKV-Experte Marcus Knispel.
Marcus Knispel ist Versicherungsmakler und seit mehr als 20 Jahren auf die private Krankenversicherung spezialisiert.
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Marcus Knispel ist als Versicherungsmakler auf die private Krankenversicherung spezialisiert.

Herr Knispel, wie hat sich die Nachfrage nach alternativen Heilmethoden in den letzten Jahren verändert, speziell nach Corona?

Marcus Knispel: Grundsätzlich kann ich keine große Veränderung feststellen. Alternative Heilmethoden waren, zumindest bei meinen Kunden, nie ein zentrales Thema. Daran hat auch Corona nichts geändert. Das Thema ist eher für bestimmte Zielgruppen relevant, zum Beispiel Kunden, die selbst eine persönliche Nähe zu Heilberufen haben oder Familien. Da werden Leistungen aus diesem Bereich schon eher nachgefragt. Grundsätzlich kann ich sagen, dass das Interesse an alternativen Heilmethoden in der Regel sehr ausgeprägt ist oder gar nicht besteht. Entweder der Kunde sagt: Schön, wenn es im Tarif enthalten ist, aber für meine Entscheidung ist das unerheblich. Oder er legt wirklich großen Wert auf solche Behandlungen und macht das womöglich zu einem zentralen Auswahlkriterium für seinen PKV-Tarif. Dann erwartet er in diesem Bereich natürlich ein umfassendes Leistungsangebot.

Was bedeutet das für die Ausgestaltung von PKV-Tarifen bei alternativen Heilmethoden?

Knispel: Versicherer, die die entsprechende Zielgruppe erreichen wollen, sollten hier umfassend aufgestellt sein. Es bringt nichts, lediglich punktuell einige ausgewählte Leistungen anzubieten. Wenn alternative Heilmethoden im PKV-Tarif, dann immer sehr gut abgedeckt oder gar nicht. Wichtig ist dabei: Umfangreiche Leistungen sollten nicht auf Kosten der Erstattungshöhe gehen. Ein Rechnungsbetrag von mindestens 2.000 Euro im Jahr sollte schon erstattet werden, wenn einem Kunden diese Leistung wichtig ist. Wenn ein Tarif alternative Heilmethoden sehr gut abdeckt, dafür aber hohe Einschränkungen bei der Erstattungshöhe hat, empfinden das viele Kunden als Mogelpackung.

Welche Auswirkungen sehen Sie durch die GKV-Reform im Bereich der Alternativmedizin?

Knispel: Da rechne ich vor allem bei privaten Zusatzversicherungen mit einer anziehenden Nachfrage. Dass die gesetzlichen Kassen hier viele Leistungen gestrichen haben, wird sicher spürbare Auswirkungen auf den Bedarf an entsprechenden Tarifen haben. Es kann sich also lohnen, Kunden mit einer Affinität zu alternativen Heilmethoden gezielt anzusprechen.

Auf welche Tarifunterschiede sollten Makler in der Beratung besonders achten?

Knispel: Grundsätzlich rate ich, immer genau in die AVBs hineinzuschauen: Gibt es eine abschließende Aufzählung, welche alternativen Heilmethoden erstattet werden? Gibt es ein Preisverzeichnis? Gibt es eine absolute Begrenzung im Gesamtrechnungsbetrag? Daraus ergeben sich teils enorme Unterschiede. Außerdem sollte man bei den Formulierungen den Unterschied zwischen Rechnungsbetrag und Erstattungsbetrag nicht aus den Augen verlieren. 100 Prozent Erstattung bis zu einem Betrag x ist etwas anderes als 80 Prozent vom Rechnungsbetrag. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist, ob ein Tarif vollumfänglich Leistungen nach dem Hufelandverzeichnis anbietet. Dieses Verzeichnis ist systematisch in das ärztliche Abrechnungssystem eingebettet. Das heißt, ein naturheilkundlich tätiger, approbierter Arzt, wird immer nach dem Hufelandverzeichnis abrechnen. Damit ist klar ersichtlich, welche Leistungen erbracht wurden und was sie kosten. Heilpraktiker, die keine Approbation besitzen, rechnen dagegen nach der eigenen Gebührenordnung für Heilpraktiker, kurz GebH ab. Dies ist auch insofern ein großer Unterschied, weil Leistungen, die ins Hufelandverzeichnis aufgenommen werden, praktisch bewährt und erklärbar sein müssen. Es fungiert also als eine Art Qualitätsfilter.

Was ergibt sich daraus als Fazit für die Kundenberatung zu alternativen Heilmethoden?

Knispel: Wichtig finde ich vor allem eine bedarfsgerechte Beratung, die an den individuellen Zielen der Kunden ausgerichtet ist. Wenn diese Wert auf eine umfassende Leistungserstattung im Bereich Heilpraktik legen, sollte man immer übergeordnet das Gesamtbild im Blick behalten und existenziell bedrohende Risiken nicht vernachlässigen. Was nutzt mir die beste Naturheilkunde, wenn ich auf der anderen Seite keinen Zugang zu erfahrenen Spezialisten habe, wenn es um wirklich bedrohliche Erkrankungen geht? Ich würde also immer nach den „großen Brocken“ schauen: Habe ich einen offenen Hilfsmittelkatalog? Bin ich begrenzt bei Heilmitteln? Habe ich Anspruch auf eine ordentliche Reha? Wenn dann die Leistungen für alternative Heilmethoden auch noch super sind – das ist dann sozusagen die Kür.

Marcus Knispel berät seit mehr als 20 Jahren Kunden zur privaten Krankenversicherung und hat sich unter anderem auf komplexe Fälle mit Risikozuschlägen, Vorerkrankungen und Statuswechseln spezialisiert. 

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Autor

René Weihrauch arbeitet seit 35 Jahren als Journalist. Einer seiner Schwerpunkte sind Finanz- und Verbraucherthemen. Neben Pfefferminzia schreibt er für mehrere bundesweit erscheinende Zeitschriften und international tätige Medienagenturen.

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