Eigenanteil weiter gestiegen

Bewohner von Pflegeheimen müssen erneut mehr zahlen

Die Heimkosten für Pflegebedürftige sind weiter gestiegen. Mittlerweile sind im Bundesdurchschnitt im ersten Jahr pro Monat 3.364 Euro aus eigener Tasche zu zahlen. Was den Heimaufenthalt so teuer macht.
Seniorin im Pflegeheim: Der durchschnittliche Eigenanteil ist erneut gestiegen.
© picture alliance / Sven Simon | Frank Hoermann
Seniorin im Pflegeheim: Der durchschnittliche Eigenanteil ist erneut gestiegen.

Pflegebedürftige werden im Heim stärker zur Kasse gebeten. Der Eigenanteil, den die Bewohner aus eigener Tasche zahlen müssen, ist erneut gestiegen, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) zum Stichtag 1. Juli 2026 zeigt. Im ersten Aufenthaltsjahr werden demnach bundesweit durchschnittlich 3.364 Euro monatlich fällig. Das sind 256 Euro oder gut 8 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Pflege ist teurer geworden

Besonders stark gestiegen, und zwar um 12 Prozent auf 1.775 Euro, ist der Einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) für die pflegerische Versorgung und die Ausbildungskosten der Pflegekräfte.

Als einen Grund für den starken Anstieg sieht VDEK-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Gehälter von Pflegekräften. „Es gab Nachholbedarf und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden. Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt. Wir brauchen eine Begrenzung des Kostenanstiegs“, so Elsner. Sie fordert für die geplante Pflegereform eine faire Lastenteilung und austarierte Eigenanteile.

Ob mit der Pflegereform die Pflegedürftigen finanziell deutlich entlastet werden, ist jedoch mehr als fraglich. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken steht bei der Reform vielmehr vor der Aufgabe, die Pflegekassen zu entlasten, um einen Kollaps des Pflegesystems zu verhindern.

Bundesländer sind in der finanziellen Pflicht

Die weiteren Bestandteile der Eigenbeteiligung sind, wenn auch nicht so stark, ebenfalls gestiegen.

  • Für Unterkunft und Verpflegung sind durchschnittlich 1.068 Euro monatlich zu zahlen (1. Juli 2025: 1.018 Euro).
  • Die Investitionskosten für den Bau oder die Instandhaltung der Gebäude schlagen aktuell mit 521 Euro monatlich im Bundesdurchschnitt zu Buche (1. Juli 2025: 507 Euro).

„Investitionskosten sind Ländersache und müssen endlich auch vollumfänglich von diesen getragen werden“, moniert Elsner. Das gleiche gelte für die Kosten der Ausbildung der Pflegefachpersonen, die im EEE enthalten sind. „Würden die zuständigen Bundesländer ihre Kosten für Investitionen und Ausbildung komplett übernehmen, müssten Pflegeheimbewohner auf einen Schlag monatlich 649 Euro weniger im Durchschnitt bezahlen.“

In Bremen sind Pflegeheime am teuersten

Teurer ist es für Pflegeheimbewohner in allen Bundesländern geworden. Es gibt aber große Unterschied. So ist die Eigenbeteiligung in Bremen aktuell mit durchschnittlich 3.761 Euro im Monat im ersten Aufenthaltsjahr am höchsten, in Sachsen-Anhalt ist sie mit durchschnittlich 2.891 Euro niedrigsten. Es ist das einzige Bundesland, das unter der 3.000-Euro-Grenze bleibt. Als Gründe für die starke Bandbreite nennt Elsner das ungleiche Engagement der Länder bei den Investitionskosten und unterschiedliche Personalkosten.

Ein schwacher Trost: Im ersten Jahr ist es im Pflegeheim besonders teuer, danach sinken die selbst zu zahlenden Kosten. Ab einem Heimaufenthalt von 36 Monaten liegt der Eigenanteil im Bundesdurchschnitt „nur noch“ bei 2.111 Euro im Monat.

Mehr zum Thema

Demenz-Welle trifft auf schrumpfende Erwerbsbevölkerung

Deutschland steht vor einer doppelten demografischen Herausforderung: Die Zahl der Demenzerkrankten könnte bis 2060 von…

So will Nina Warken die Pflegeversicherung reformieren

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ist fleißig bei der Arbeit und hat nach der gesetzlichen Krankenversicherung…

Warum viele Deutsche auf ein langes Leben nicht vorbereitet sind

Die Menschen in Deutschland werden älter. Bereits heute leben hier rund 6 Millionen Menschen, die…

Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert