Seit dem 24. Juni 2026 ist die überarbeitete Berufsunfähigkeitsversicherung der Nürnberger am Markt, und sie verändert einiges an unserer Empfehlungsliste. Der alte Tarif war zuletzt nur noch in wenigen Konstellationen erste Wahl. Wir haben das neue Bedingungswerk vorab gesichtet und beantworten die einzige Frage, die im Makleralltag zählt: Bei welchem Mandanten setzen Sie die Nürnberger jetzt ganz nach vorne, und bei welchem greifen Sie besser zur Konkurrenz?
Hier hat sich der Tarif von Mittelmaß zu echter Spitze entwickelt. Die Nachversicherungsgarantie steigt auf 4.000 Euro, die anschließende Karrieregarantie reicht bis 7.500 Euro, deutlich über die 6.000 Euro, bei denen die meisten Wettbewerber abriegeln. Für junge Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Notare, Ingenieure und MINT-Berufe mit steiler Einkommenskurve ist das das entscheidende Argument.
Was den Unterschied im Verkauf macht: Die Auslöseschwelle ist niedrig geblieben. Für die Rentenerhöhung im Angestelltenverhältnis genügen 250 Euro Gehaltsplus, statt der marktüblichen 10 Prozent. Im Karrieregarantie-Bereich reichen 5 Prozent. Sie können Ihrem Mandanten also glaubhaft versprechen, dass die Absicherung mit dem Einkommen mitwächst, ohne dass er an unrealistische Sprünge gebunden ist. Für diese Zielgruppe gehört die Nürnberger ab sofort wieder in jede Empfehlung der engeren Auswahl.
Hier liegt weiterhin eine Grenze des neuen Tarifs, und sie ist nicht trivial. Die Dynamikobergrenze endet bei 10.000 Euro Garantierente, rund 13.000 Euro inklusive Bonusrente. Für einen 20-jährigen Studenten, der über 40 Jahre Laufzeit absichern soll, ist das als Ein-Vertrags-Lösung zu knapp.
Die saubere Antwort: Bei Studenten teilen wir die Absicherung in der Regel von vornherein auf zwei Verträge auf, dann ist die Nürnberger dank der versicherbaren 2.000 Euro ein guter Baustein. Bei Schülern und Azubis sieht das anders aus. Die maximal versicherbare Rente von 1.500 Euro reicht nicht für eine sinnvolle Zwei-Vertrags-Lösung, und in der ersten Ausbildungshälfte versichert die Nürnberger nur die Lebensstellung als Azubi, erst danach die mit dem Abschluss erreichte.
Die Bayerische, Baloise und LV 1871 sichern hier von Beginn an die höhere künftige Lebensstellung ab, ein spürbarer Vorteil im Leistungsfall. Für diese Gruppe gibt es bessere Möglichkeiten einer BU-Police am Markt.
Für Selbstständige ist die neue Umorganisationsregel der wichtigste Gewinn. Auf die abstrakte Prüfung wird künftig bei Betrieben bis zehn Mitarbeiter verzichtet, vorher waren es fünf, und der akademische Abschluss als Voraussetzung für überwiegend kaufmännisch Tätige entfällt. Damit können Sie die Nürnberger jetzt auch Handwerksbetrieben, Pflegediensten, Agenturen, Gastronomen und nicht zuletzt Maklerkollegen anbieten, die vorher außen vor waren.
Wichtig: Der volle Prüfungsverzicht für Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker bleibt erhalten.
Allerdings gehört zur Wahrheit auch: Die Karrieregarantie taugt für Selbstständige wenig. Sie greift erst nach sechs Jahren Selbstständigkeit, verlangt 30 Prozent Gewinnsteigerung im Dreijahresschnitt und deckelt die Anpassung bei 30 Prozent, selbst wenn der Gewinn um 50 Prozent gestiegen ist. Für einkommensstarke Selbstständige mit dynamischer Entwicklung ist das ein Punkt, an ein paar wenige andere Anbieter besser liefern.
Die Nürnberger bietet erstmals eine echte Dienstunfähigkeitsklausel (DU-Klausel) mit vereinfachtem Anerkenntnis bei Vorlage der Entlassungs- oder Ruhestandsverfügung, inklusive Teil-DU-Klausel und gesonderter Regelung für Polizisten. Das Bedingungswerk ist ordentlich: kein ‚ausschließlich gesundheitlich‘, und bei Beamten auf Lebenszeit kein konkreter Verweis, solange der Dienstherr Bezüge wegen Dienstunfähigkeit zahlt.
Für Beamte auf Lebenszeit mit Ruhegehaltsanspruch ist der Tarif damit eine ernsthafte Empfehlung. Zwei Dinge sollten Sie aber wissen, bevor Sie ihn anbieten: Die DU-Klausel kostet Mehrbeitrag und ist nicht serienmäßig dabei wie bei der Bayerischen oder DBV. Und für Beamte auf Widerruf, auf Probe sowie in den ersten fünf Dienstjahren greift sie nur, wenn die zur Entlassung führende Erkrankung fortbesteht oder sich verschlimmert, was im Wettbewerbsvergleich schwach ist. Bei dieser Untergruppe greifen Sie besser zur Konkurrenz. Ein Pluspunkt fürs Cross-Selling: Die Klausel lässt sich ohne erneute Gesundheitsprüfung nachrüsten, wenn ein Bestandsmandant später verbeamtet wird.
Zwei Punkte, die unabhängig von der Zielgruppe für die Nürnberger sprechen. Erstens der AU-Beitragsschutz, in jedem Vertrag obligatorisch: Bei mindestens sechs Wochen Krankschreibung entfällt ab dem Folgemonat für bis zu sechs Monate der Beitrag bei vollem Schutz. Eine vergleichbare Lösung kennen wir sonst nur von der LV 1871, dort gekoppelt an die AU-Klausel. Also nur gegen Mehrbeitrag.
Die optionale AU-Klausel selbst leistet jetzt bis zu 36 statt 24 Monate.
Zweitens die Prävention: Mit Mentalis ergänzt die Nürnberger ihr BetterDoc-Angebot um Hilfe bei psychischen Erkrankungen, der mit Abstand häufigsten BU-Ursache. In unserem eigenen Kundenkreis bei DER BU-Profi liegen psychische Ursachen bei rund 25 Prozent. Die Debeka weist über 40 Prozent aus, Morgen & Morgen rund 30 Prozent, fasst dabei aber psychische und Nervenerkrankungen zusammen. Prävention ist für uns kein erstrangiges Auswahlkriterium (Ergebnis der Risikovoranfrage und die gesamte Eignung des Tarifs stehen an erster Stelle), aber ein sauberes Zusatzargument, das die Absicherung schon vor dem Leistungsfall erlebbar macht.
Die Nürnberger gehört nach diesem Update wieder in den ganz engen Favoritenkreis für Kammerberufe, MINT-Berufe, Ingenieure und die zugehörigen Studiengänge. Bei Selbstständigen mit überwiegendem Büroanteil oder kleineren Betrieben ist sie jetzt eine starke Option, bei Beamten auf Lebenszeit ebenfalls. Für Schülern und Azubis sowie bei Beamten auf Widerruf und Probe liefern andere Anbieter aktuell bessere Lösungen.
Die vollständige tarifliche Detailbewertung mit allen Klauseln und Beispielrechnungen finden Sie in unserer detaillierten Analyse zum neuen Nürnberger BU-Tarif 2026.
Über den Autor: Guido Lehberg ist Versicherungsmakler und als „Der BU-Profi“ auf Arbeitskraftabsicherung spezialisiert. Er berät bundesweit zu komplexen BU-Fällen und teilt sein Wissen regelmäßig in Fachpublikationen und auf seinem Blog.
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