Geförderte und private Altersvorsorge

„Der kostenlose Zusatznutzen der Fondspolice wird kaum thematisiert“

Verkaufstrainer Ralf Meyer erläutert im Interview, warum Fondspolicen die perfekte Steuerwehr darstellen und wie sich die in der Branche diskutierte Abschaffung der Abgeltungsteuer auf Vorsorgesparer auswirkt.
Mann im Business-Outfit mit Brille, lächelnd, in einem modernen Büro.
© Der Bankverkaufstrainer
Ralf Meyer ist Verkaufstrainer mit mehr als 35 Jahren in Finanzdienstleistungserfahrung in Banken und Versicherungen.

Pfefferminzia: Warum sind Fondspolicen das passende Altersvorsorgeinstrument?

Ralf Meyer: Kapital allein ist keine Absicherung für das Langlebigkeitsrisiko. Hinzu kommt, dass Geldanleger und Sparer meist versuchen, mit dem geringsten Aufwand ihr Ziel zu erreichen. Das liegt tief in unserer DNA. Die Steuervorteile der Fondspolice passen perfekt dazu. Bei der Aufbauphase in Schicht 1 (der Basisrente) können Kunden ihre Einzahlungen als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich geltend machen und verfügen damit, wenn sie die richtige Anlage wählen, sowohl über Förder- als auch Renditehebel. So erreichen sie mit übersichtlichem Aufwand das Ziel.

Und wenn dem Kunden Flexibilität wichtiger ist als die steuerliche Förderung?

Meyer: In Schicht 3 bietet die Fondspolice mehr Flexibilität. Hier ist die Einzahlung zwar nicht steuerlich wirksam, allerdings zahlt der Kunde keine Abgeltungsteuer auf die Erträge und erzielt damit einen höheren Zinseszinseffekt. Und in der Auszahlungsphase ist er auch flexibel, kann Kapital oder Leibrente wählen. Die Rente muss zudem nur mit dem günstigen Ertragsanteil versteuert werden – ein großer Vorteil. Dass sich so viele Kunden aktuell gegen die Leibrente entscheiden, hängt wohl auch damit zusammen, dass die meisten aktuell ablaufenden Versicherungen vor 2005 abgeschlossen wurden und daher ohne Abzüge steuerfrei ausgezahlt werden.

Wie kann die Steuerlast mit einer Fondspolice sinnvoll reduziert werden?

Meyer: In der ersten Schicht reduzieren die Einzahlungen das zu versteuernde Einkommen, denn sie sind steuerlich absetzbar. Die Einkommensteuer wird in vollem Umfang reduziert. Gerade für Selbstständige und Freiberufler ist das eine gute Sache. Arbeitnehmer, die oberhalb der Bemessungsgrenze verdienen, zahlen nicht ausreichend in die gesetzliche Rente ein und weisen eine deutlich größere Versorgungslücke auf. Und eine hohe Steuerlast. Für sie ist die Basisrente in Form einer fondsgebundenen Versicherung ebenfalls sehr sinnvoll.

Wie punktet eine Fondspolice im Vergleich zu einem Direktinvestment in Fonds?

Meyer: Für den Wechsel von Fonds fallen keine Kosten innerhalb einer Fondspolice an. Im Bankdepot fällt Abgeltungsteuer an. Der Zinseszinseffekt kann demnach in der Fondspolice besser wirken. Die Vermeidung der Abgeltungsteuer gilt als ein großer Vorteil der Fondspolice. Zudem kann das Kapital in einer Fondspolice einkommenssteuerfrei über das Bezugsrecht auf die Erben übertragen werden. Erbschaftssteuer kann unter Berücksichtigung der Freibeträge zwar anfallen, aber keine Einkommensteuer. Bei einem Depot hingegen wird bei Verkauf der Erbe wie der Depotinhaber behandelt. Dieser kostenlose Zusatznutzen der Fondspolice wird leider in unserer Branche kaum thematisiert.

Wie sehen die Steuerregeln bei der Abgeltungsteuer konkret aus?

Meyer: Seit 1. Januar 2009 gilt auf Zinserträge, Dividenden und Kursgewinne die Abgeltungsteuer mit 25 Prozent zuzüglich Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Steuer wird pauschal abgezogen, es sei denn, es gibt einen Freistellungsauftrag in Höhe von bis zu 1.000 Euro für Ledige und 2.000 Euro für Verheiratete. In Zeiten steigender Börsenkurse rutschen Kunden bei der Realisation von Kursgewinnen sehr schnell in die Steuer, auch Ehepaare.

Was würde die Abschaffung der Abgeltungsteuer für Vorsorgesparer bedeuten?

Meyer: Alle Einkunftsarten in Deutschland müssen mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Die Abgeltungsteuer wird pauschal erhoben und ist damit abgegolten. Das empfinden viele als ungerecht. Ich persönlich verstehe auch nicht, warum mein Geld, wenn es arbeitet, weniger Steuern bezahlen muss, als wenn ich arbeite. Eine Abschaffung wirkt – etwa bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent – indirekt als Steuererhöhung, die sich auf das Bankdepot auswirkt, aber nicht auf bestehende Verträge im Versicherungsbereich. Eine Abschaffung der Abgeltungsteuer würde also weiter für die Fondspolice sprechen!

Was glauben Sie, was konkret passieren wird?

Meyer: Angesichts der Rahmendaten erwarte ich, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre entweder die Abgeltungsteuer erhöht wird, was de facto eine Steuererhöhung wäre. Oder sie wird abgeschafft. Die Zinserträge würden dann wie bei allen anderen Einkunftsarten dem zu versteuernden Einkommen zugerechnet und mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

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Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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