„Überhöht“

Geförderte Altersvorsorge: Walz schimpft über Kostendeckel

Im Streit um die Kosten staatlich geförderter Altersvorsorge gibt es einen neuen Beitrag. Verbraucherschützer Hartmut Walz nimmt sich den geplanten Kostendeckel fürs Standarddepot vor und fordert stattdessen einen, der viel, viel niedriger liegt.
Wirtschaftsexperte kritisiert Kostendeckel bei Altersvorsorge in Deutschland.
© Ulrich Bosetti, Aachen
Finanzprofessor und Verbraucherschützer Hartmut Walz

Der Finanzprofessor und Verbraucherschützer Hartmut Walz schießt gegen den für die staatlich geförderte Altersvorsorge geplanten Kostendeckel. Er sei viel zu hoch und vernichte Altersvermögen in Billionenhöhe, so Walz.

Zunächst ein kurzer Rückblick. Im Rahmen des geplanten Altersvorsorgereformgesetzes soll es auch ein Standarddepot geben, von dem Sparer bewusst abweichen müssten, wenn sie selbst Regie führen wollten. Dieses Standarddepot soll laut Gesetzesentwurf nicht mehr als 1,5 Prozent Gebühren pro Jahr kosten. Interessenvertreter der Finanzbranche finden das zu wenig, Verbraucherschützer finden das zu viel. Zuletzt waren auch Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein und BVK-Präsident Michael H. Heinz dazu aneinandergeraten.

Zurück zu Hartmut Walz. Er verweist auf Länder wie Schweden, wo solche Systeme viel günstiger seien als 1,5 Prozent (mehr zum schwedischen System lesen Sie hier). Weshalb er einen Deckel von maximal 0,2 Prozent im Jahr fordert. Das wäre sportlich, denn wir müssen dazu festhalten, dass sogar manche börsengehandelten Indexfonds (ETFs) teurer sind. Der schwedische Aktienfonds AP7 Equity Fund kommt hingegen mit einer jährlichen Gebühr von nur 0,07 Prozent daher. Aber den betreut ja auch der Staat.

Walz‘ Stoßrichtung ist damit klar: Er will viel Staat und wenig bis gar keine Finanzindustrie. Walz wörtlich: „Die Kosten der Bürger sind die Erlöse der Finanzindustrie – es besteht ein Zielkonflikt, der politisch durch einen fairen Kompromiss gelöst werden muss. Kosten bei Altersvorsorgeverträgen sind unvermeidlich, aber der Staat kann deren Höhe beeinflussen.“

Doch wie kommt er auf die eingangs erwähnte Billionenhöhe? Er teilt dazu aktuelle Sparer in Altersgruppen ein und rechnet deren Erträge bis zum 67. Lebensjahr hoch. Die Aktienrendite setzt er mit 8 Prozent brutto an und die monatliche Rate bei 100 Euro. Und am Ende errechnet er die Differenz zwischen 0,2 und 1,5 Prozent jährlichen Kosten.

Beispiel für die 850.000 aktuell 22-Jährigen: Sie würden 45 Jahre lang sparen. Bei 0,2 Prozent Kosten ergäbe das 452.000 Euro und bei 1,5 Prozent lediglich 296.000 Euro. So entsteht die Differenz von 156.000 Euro.

Für alle zehn Jahrgänge der heute 20- bis 29-Jährigen zusammen kommt er somit auf 1,5 Billionen Euro, die durch diese Kostendifferenz entstehen würde.

Es ist ein weiterer Beitrag in der Diskussion um die richtigen Kosten in der Altersvorsorge und darüber, wie weit sich der Staat in Kosten und Produktlandschaft einmischen soll. Es geht um Deutungshoheit, Produktlandschaft, Vertrieb und Beratung – und natürlich viel Geld.

Doch es ist auch viel ungeklärt. Offen bleibt etwa die Frage, wie das Standarddepot aussehen soll und wer es anbietet. Ebenso interessant ist, ob sich mit Effektivkosten knapp über der Nulllinie Produkte mit lebenslanger Rente bewerkstelligen lassen (die zweifellos ihre Berechtigung haben). Und ob im Gegenzug ein reines ETF-Depot per Selbstbedienung wirklich für jeden geeignet ist. Beratung wird sich von 0,2 Prozent nicht bezahlen lassen. Also doch nur über Honorar?

Die Antworten werden sich zeigen müssen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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