Viele haben Pläne und Träume für ihren Ruhestand. Wenn es aber um die finanzielle Planung geht, ist man schnell überfordert. Professionelle Ruhestandsplanung wird aufgrund steigender Lebenserwartung immer wichtiger.
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Gleich vorneweg: Wie sich die Finanzmärkte in der Vergangenheit entwickelt haben, ist kein verlässlicher Indikator für ihre künftige Entwicklung, schon gar nicht auf kurz- bis mittelfristige Sicht. Aber der Blick zurück kann dennoch helfen, das Potenzial verschiedener Anlageklassen besser einzuschätzen. Die Schweizer Bank UBS liefert in ihrem „Global Investment Returns Yearbook 2026“ diesen Blick in die Vergangenheit, und zwar bis ins Jahr 1900.
Basis der Studie ist das Research von drei Wissenschaftlern: Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School sowie Elroy Dimson von der University of Cambridge. Sie haben die Langfrist-Renditen von verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Gold in diversen Ländern untersucht, haben dabei die Inflation nicht vergessen und geschaut, was die Märkte beeinflusst hat.
Eine zentrale Erkenntnis der Studie, die Berater und ihre Kunden vor allem bei der langfristigen Altersvorsorge nicht vergessen sollten: Aktien haben seit 1900 die mit Abstand beste Rendite unter den traditionellen Anlageklassen erwirtschaftet. In allen untersuchten 21 Ländern. Beispiel USA: US-Aktien haben im Schnitt 9,8 Prozent pro Jahr zugelegt. Langlaufende Anleihen haben es auf 4,6 Prozent gebracht, also knapp halb so viel jährliche Rendite geliefert.
Das hört sich angesichts des geringeren Risikoprofils von Anleihen erst einmal gar nicht so schlecht an. Der Zinseszinseffekt sorgt jedoch dafür, dass in absoluten Zahlen der Unterschied enorm ist.
Eine Anfangsinvestition von einem einzigen US-Dollar in Aktien im Jahr 1900 wuchs nominal bis Ende 2025 auf 124.854 Dollar. Aus einem Dollar in langfristigen Anleihen wurden „nur“ 284 Dollar.
Zugegeben: Einen Zeithorizont von 125 Jahren haben Altersvorsorgesparer selbst bei sehr frühem Beginn und langem Leben nicht. Aber auch bei kürzeren Laufzeiten ist der Zinseszinseffekt nicht zu unterschätzen. 2 oder 3 Prozentpunkte Rendite mehr pro Jahr können über 20 oder 30 Jahre das Endergebnis stark nach oben pushen.
Einen wichtigen Einfluss auf das Ergebnis hat auch die Inflation. Wird diese berücksichtigt, sinkt laut UBS-Studie bei US-Aktien der Output aus dem 1-Dollar-Einsatz auf 3.296 Dollar (6,6 Prozent jährliche Rendite). Der reale Ertrag von langlaufenden Anleihen liegt bei 1,6 Prozent.
Deutsche Aktien waren historisch nicht ganz so lukrativ wie ihre US-Pendants, wie die Studie auch zeigt. Von 1900 bis 2025 lieferten sie nach Abzug der Inflation 3,3 Prozent pro Jahr. Schaut man nur auf die vergangenen 50 Jahre, waren es 5,8 Prozent. Langlaufende Anleihen brachten über die Zeiträume real minus 1,6 Prozent und 3,5 Prozent.
Ein Vergleich von Industrie- und Schwellenländern bringt unterschiedliche Ergebnisse: Über den Gesamtzeitraum seit 1900 erzielten Industrieländer höhere aufs Jahr gerechnete Aktienrenditen (8,5 Prozent) als Schwellenländer (6,9 Prozent). In jüngerer Zeit übertrafen jedoch die aufstrebenden Länder die entwickelten Märkte und erzielten von 1960 bis 2025 eine jährliche Rendite von 10,9 Prozent gegenüber 9,6 Prozent.
Und was ist mit Gold? Lohnt die Anlage in das Edelmetall oder liefert sie zumindest Inflationsschutz? Ja, aber nicht immer. In 13 der 28 Jahre, in denen die Inflation über 3 Prozent lag, steuerte Gold Verluste bei. Über sehr lange Zeiträume hat es jedoch die Kaufkraft erhalten: Der reale Goldpreis in US-Dollar ist seit 1900 um das 5,2-Fache gestiegen. Das entspricht einer annualisierten realen Rendite von 1,3 Prozent. Seit dem Ende der Bindung des Goldpreises an den US-Dollar im Jahr 1971 lieferte Gold mit 4,7 Prozent höhere durchschnittliche jährliche reale Erträge.
Eine weitere Erkenntnis der Studie ist gerade in aktuellen Zeiten interessant. Wirtschaftliche Risiken überwogen historisch geopolitische Risiken. Auch wenn einige der schlechtesten Marktentwicklungen seit 1900 mit extremen geopolitischen Ereignissen zusammenfielen, so wurden doch die meisten starken Aktienrückgänge in Friedenszeiten durch wirtschaftliche und nicht durch geopolitische Faktoren ausgelöst. Es ist also oft die bessere Wahl für Langfrist-Anleger, besonnen zu bleiben und über geopolitisches Rauschen einfach hinauszublicken.
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