Kolumne

Von der Selbstständigkeit in die Festanstellung?

Viele Vermittler kämpfen im Alltag weniger mit Beratung als mit Dauerstress und Akquisezwang. Für manche ist die Festanstellung daher kein Rückschritt, sondern eine strategische Entlastung, glaubt Hans Steup, Betreiber des Portals Versicherungskarrieren.
Hans Steup ist Betreiber des Portals Versicherungskarrieren.
© Versicherungskarrieren
Hans Steup ist Betreiber des Portals Versicherungskarrieren.

Viele selbstständige Vermittler, ob Makler, Vertreter oder Vermögensberater, arbeiten und arbeiten und arbeiten und wundern sich, warum sich ihr Alltag wie ein Hamsterrad anfühlt. Sie sind fachlich gut, nah am Bestandskunden und machen ihre Arbeit sauber, stehen aber dauerhaft unter Druck. Obwohl sie tun, was sie gut können und gerne machen.

Der Grund ist banal. Selbstständigkeit heißt, alles selbst zu machen. Akquise, Beratung, Nachfassen, Verwaltung, Technik, Weiterbildung und ständig das Gefühl, dass der Laden stehen bleibt, wenn man selbst mal loslässt. Weil man es ja besser kann als andere. Wer stark im Vertrieb ist, hält das aus. Wer mit Akquise Probleme hat, zahlt einen hohen Preis. Nicht, weil er ein schlechter Berater ist, sondern weil er seine Zeit mit allem Möglichen verbringt, nur nicht mit dem, was neue Kunden bringt.

Festanstellung als Rückschritt?

Selbstständig sein gilt in der Branche als Freiheit. Festanstellung als Rückschritt. Die Realität sind schwankende Einnahmen, dauerhaft schlechtes Gewissen und ein Kopf, der ständig rechnet, ob’s bis zum Monatsende reicht. Das ist kein Unternehmergeist, sondern Dauerstress. Vor allem, wenn man Kunden hervorragend beraten kann, aber Schwierigkeiten hat, neue zu gewinnen.

Seien wir ehrlich. Nicht jeder gute Berater ist ein guter Unternehmer. Und nicht jede Selbstständigkeit wird eine Erfolgsgeschichte, wenn man nur lang genug durchhält. Größere Vermittlerbetriebe bieten Strukturen, ein verlässliches Einkommen, geregelte Arbeitszeiten und vor allem keine eigene Akquise. Die Kunden sind da, der Berater kann beraten. Für viele ist das keine Einschränkung, sondern eine spürbare Erleichterung.

Der Wechsel in die Festanstellung ist kein Scheitern, sondern ein realistischer Schritt. Weg vom Dauerstress, hin zu Klarheit und Fokus. Viele Kollegen sagen, dass sie dort erst wieder ruhig arbeiten können, fachlich wachsen und merken, wie gut Beratung funktioniert, wenn sie nicht ständig mit Existenzfragen vermischt ist.

Auch Vermittlerbetriebe sollten überlegen. Erfahrene Einzelkämpfer bringen Wissen, Verantwortung und Kundennähe mit. Was ihnen gefehlt hat, waren funktionierende Strukturen und eine verlässliche Neukundengewinnung, nicht Einsatz oder Wille. Wer diesen Kollegen ein stabiles Umfeld bietet, bekommt oft gute Kundenberater und Spezialisten.

Am Ende geht’s nicht um Status oder Titel. Es geht darum, ob das eigene Modell zum eigenen Leben passt. Diese Frage lässt sich meist klar beantworten: „Kann ich nachts gut schlafen?“ Und du?

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Autor

Hans

Steup

Hans Steup ist Versicherungskaufmann und war lange Jahre Vertriebsunterstützer bei der Allianz. Heute betreibt Steup den Spezial-Stellenmarkt Versicherungskarrieren und berät Finanzdienstleister zur Content-Marketing-Strategie und zu Social Media.

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