Gewerbekunden

Auch Betriebsgebäude brauchen Schutz vor Extremwetter

Extremwetter wie Starkregen mit Hochwasser oder Hagel kann auch Betriebsgebäude treffen. Wie verändert das die gewerbliche Gebäudeversicherung und vor allem den Elementarschutz? Wir haben uns umgehört.
© picture alliance/dpa | Christoph Reichwein
Überschwemmtes Kohle-Gas-Kraftwerk in den Niederlanden im September 2024: Extremwetter macht auch vor Betriebsgebäuden nicht halt.

Eine Wassersäule von 6 Zentimetern Höhe klingt irgendwie nach recht wenig. Gerade mal wie ein Zeigefinger, und nicht mal ein besonders langer. Doch als am 21. Juli 2024 innerhalb von zwei Stunden eine ebensolche Wassersäule auf die Innenstadt von Quickborn niederprasselt, sind das 60,7 Liter pro Quadratmeter. Das Regenwasser kann kaum versickern, wie es in deutschen Innenstädten so oft noch der Fall ist. Die Dächer leiten ihren Anteil direkt ab, und alles will durch die viel zu engen Abwasserkanäle.

Mehr zum Thema

Bundestag verabschiedet Gesetz für mehr Cybersicherheit

Der Bundestag hat Ende vergangener Woche das Gesetzes zur Umsetzung der EU-Richtlinie NIS-2 verabschiedet. Nach…

Vema-Makler: Favoriten in der D&O- und Cyberversicherung

In ihrer jüngsten Umfrage im November 2025 befragte die Maklergenossenschaft Vema ihre Mitglieder nach ihren…

Transportversicherer: Hohe Schäden durch Phantomfrachtführer

Deutsche Transportversicherer kämpfen mit deutlich mehr betrügerischen Frachtaufträgen: In den ersten sieben Monaten des Jahres…

Straßenzüge geraten unter Wasser, Keller, Tiefgaragen und die Technikgebäude des Quickborner Freibads ebenfalls. Die einschlägigen Rettungskräfte fahren in den 24 Stunden nach dem Unwetter 212 Einsätze. Quickborns Fachbereichsleiter für Tiefbauten, Uwe Scharpenberg, zieht als Fazit: „Das Quickborner Kanalnetz kann Starkregenereignisse kompensieren, das gestrige Unwetter ging jedoch weit darüber hinaus.“ Wobei man schon vor Jahren festgestellt habe, dass Unwetter dieser Art zunehmen. Seitdem baut Quickborn sein Kanalnetz stetig aus. Doch in jenem Wasser-Juli 2024 half auch das nicht mehr.

Wohlgemerkt, wir reden über Quickborn im Norden Hamburgs und nicht über ein Dorf neben einem Bach in den Alpen. Das Beispiel zeigt einmal mehr, was auch der Branchenverband GDV in seinem Naturgefahrenreport 2024 feststellt: „Hochwasserkatastrophe reiht sich an Hochwasserkatastrophe. Die Bilder der Fluten aus Niedersachsen im Dezember, aus dem Saarland im Mai und aus Bayern im Juni – alle belegen eines: die drastische Zunahme von Wetterextremen in Deutschland.“ Für den GDV eine klare Folge des Klimawandels.

Auch Gewerbetreibende brauchen Elementarschutz

Spätestens seit der Flutkatastrophe im Ahrtal durch das Unwettertief Bernd im Juli 2021 diskutiert die Republik darüber, ob die Elementarversicherung für private Hauseigentümer zur Pflicht werden soll. Schließlich deckt die normale Wohngebäudeversicherung lediglich Schäden durch Sturm und Hagel ab. Wer auch Schutz vor Überschwemmung sucht, muss den Zusatz für Elementarschäden mitnehmen.

Doch was ist eigentlich mit Gewerbetreibenden? Auch die müssen sehen, wo sie bleiben, wenn ihnen und ihrem Geschäft das Wasser bis zum Hals steigt. Auch sie können nicht einfach weiterarbeiten, wenn es Maschinen und Stromkästen geflutet hat. Und auch bei ihnen unterscheidet der Versicherer zwischen gewerblicher Gebäudeversicherung und Elementarzusatz.

Manche bündeln beides schon automatisch. So fährt die Allianz ihre gewerbliche Gebäudeversicherung in vier Linien. Für den Basis-Tarif ist der Elementarschutz gar nicht vorgesehen. In „Smart“ und „Premium“ ist er automatisch mit enthalten. Um mal ein Beispiel zu nennen.

Wobei der Unheilsbringer von oben gar nicht immer flüssig sein muss. In dem Bericht „Klimawandelszenarien im ORSA“ befasst sich der Branchenverband GDV damit, wie sich der Klimawandel auf Schaden- und Unfallversicherungen auswirkt. ORSA steht für die unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, das Own Risk and Solvency Assessment.

Hagelkörner werden größer

In dem Werk heißt es wörtlich: „Die größten Auswirkungen sehen wir bei Hagelereignissen und Überschwemmungen. Mit steigenden Temperaturen nehmen zwar Hagelschauer mit kleinen Körnern ab, doch das wachsende Risiko ergibt sich aus der Zunahme von Stürmen mit größeren Hagelkörnern, die eine Gefahr für Immobilien, Kraftfahrzeuge und die Landwirtschaft darstellen.“

Vor allem Deutschland sei europaweit am stärksten von Hagelstürmen betroffen, heißt es im Bericht, weshalb Versicherer das steigende Hagelrisiko berücksichtigen sollten. Das soll übrigens vor allem im Sommer vorhanden sein, während Starkregen sowohl im Sommer als auch im Winter verstärkt auftrete.

Die Aussichten sind nicht so toll

Interessant auch die Prognosen zu weiteren Wetterphänomenen: Demnach nimmt die Windgeschwindigkeit tendenziell eher ab. Heftige Stürme soll es jedoch weiter geben. Schäden durch überschwemmte Flussgebiete nehmen bis Mitte des Jahrhunderts weiter zu, falls man jetzt nichts dagegen unternimmt.

Fragt man bei Versicherern nach, erhält man ein ähnliches Bild. So teilt die SV Sparkassenversicherung auf Anfrage geradezu extreme Zahlen mit. „Der Aufwand für Elementarschäden ist in den Jahren 2020 bis 2024 gegenüber der Vorperiode von 2015 bis 2019 um rund 86 Prozent gestiegen“, sagt Andreas Kniehl, Bereichsleiter Firmenkunden der SV Sparkassenversicherung Gebäudeversicherung. In seinem Haus beobachtet man, dass insbesondere lokale Hagel- und Starkregenereignisse zunehmen, die anschließend zu Überschwemmung und Überflutung führen. Man gehe davon aus, dass der Trend so weitergeht. „Dabei steigt nicht nur die Zahl der Ereignisse, sondern auch deren Intensität“, so Kniehl.

Ähnliches stellt man auch bei Axa Deutschland fest. Doch gehen auch die Kunden darauf ein? Teils-teils, meint Florian Gössl, der als Head of SME Property die gewerbliche Sachversicherung dort verantwortet. „Trotz gravierender Extremwetterereignisse wie Bernd sehen wir zwar einen steigenden, aber nach wie vor ausbaufähigen Anteil von Risiken mit Elementarschutz“, so Gössl.

Er wünscht sich, dass Makler ihre Kunden mehr dafür sensibilisieren. Gössl weiter: „Starkregen kann jede Kundin und jeden Kunden treffen, egal, ob das Risiko nahe an einem Gewässer liegt oder nicht. Auch für Gebäude, die früher als sicher vor Extremwetterschäden angesehen wurden, steigt das Risiko deutlich. Entsprechend wichtig ist das Thema Elementarversicherung in der Beratung.“

Drei Viertel sind versichert

Dass in dieser Hinsicht noch einiges zu tun ist, legt eine Umfrage des Ifo Instituts München aus dem Winter 2021/22 nahe. Das ist zwar schon eine Weile her, war aber schon nach Bernd. Von jenen Unternehmen, denen die Gebäude selbst gehören, waren immerhin genau drei Viertel gegen Überflutung versichert. Weitere 6 Prozent setzten ausschließlich auf bauliche Schutzmaßnahmen. Und die übrigen 16 Prozent waren gar nicht geschützt.

Das Institut wollte auch wissen, wie viel die Unternehmen für eine Elementarschadenversicherung ausgeben würden. Bei den bereits versicherten Firmen wichen die Antworten kaum von den tatsächlichen Prämien ab. Von den nicht Versicherten wollten 60 Prozent gar nichts zahlen. Wundert auch nicht wirklich.

Der Staat wird es schon richten?

Einen Teil dieser Sorglosigkeit schieben die Ifo-Experten dem sogenannten Samariterdilemma zu: Weil der Staat schon mehrmals Fluthilfen aus dem Steuersäckel springen ließ, setzen manche Unternehmen weiter darauf. Laut Umfrage rechnen 42 Prozent der Unternehmen mit Hilfe vom Staat, was natürlich die Versicherungsfreudigkeit dämpft.

Beim Versicherungsmakler Global Gruppe sieht man deshalb Vermittler in der Pflicht. „Die Rolle des Maklers wird wichtiger: Er muss Kunden nicht nur über Risiken informieren, sondern auch für Prävention sensibilisieren. Dazu gehören eine fundierte Analyse der Gefahrenlage, Beratung zu baulichen Gegebenheiten der Gebäude und die Empfehlung umfassender Deckungen. Entscheidend ist, dass Makler Risiken nicht verharmlosen, sondern aktiv kommunizieren“, sagt Robert Dallmann, der als Chief Broking Officer das Maklergeschäft leitet.

Risikobewusstsein steigt

In Teilen scheint das schon ganz gut zu laufen, wie die SV anmerkt. „Wir stellen ein zunehmendes Risikobewusstsein hinsichtlich der Elementargefahren fest“, so Andreas Kniehl. „Das gilt für alle am Prozess beteiligten Parteien, also Vertrieb, Kunden und Versicherer.“

Und wie gehen die Versicherer selbst mit dem Trend um? Die vor allem im südlichen Raum bei Maklern sehr beliebte Versicherungskammer Bayern nutzt das Zürs-System als wichtiges Instrument. Zürs steht für „Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“ und ist gar nicht neu, sondern schon aus dem Jahr 2001. Doch der GDV bohrte es in den vergangenen Jahren enorm auf.

Neben den bekannten vier Gefährdungsklassen für Hochwasser lässt sich inzwischen auch die Starkregengefahr in drei Stufen abrufen. Die Starkregengefährdungsklasse (SGK) 1 steht für Häuser auf Bergen oder an oberen Hängen. In der SGK 3 steht das Gebäude im Tal oder nahe einem Wasserlauf. Für über 22 Millionen Adressen sind diese Infos online vorhanden und kostenlos abrufbar. Und seit Mai 2024 gibt es zusätzlich das Tool „Hochwasser-Check“, das Versicherer und Makler in ihre Internet-Auftritte einbetten dürfen.

Die Versicherungskammer Bayern mag das System. „Mit Zürs können wir das Risiko durch Naturgefahren, insbesondere Überschwemmungen, für einzelne Standorte präziser einschätzen. Das fließt direkt in unsere Risikoauswahl und Prämienkalkulation ein“, teilt der Versicherer auf Anfrage mit. Mehr als 98 Prozent der Gebäude könne man inzwischen automatisch ohne individuelle Risikoprüfung versichern.

Diese Zahl passt zu den Zürs-Zahlen des GDV. Demnach stehen über 98 Prozent aller Gebäude in den Hochwassergefährdungsklassen 1 und 2. Doch auch die kann es mal erwischen, wie das Beispiel Quickborn zeigt. Weshalb sich für Makler als absolute Pflicht ergibt: Die Kunden darauf ansprechen.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia