Überschwemmtes Kohle-Gas-Kraftwerk in den Niederlanden im September 2024: Extremwetter macht auch vor Betriebsgebäuden nicht halt. © picture alliance/dpa | Christoph Reichwein
  • Von Andreas Harms
  • 26.11.2025 um 12:14
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Extremwetter wie Starkregen mit Hochwasser oder Hagel kann auch Betriebsgebäude treffen. Wie verändert das die gewerbliche Gebäudeversicherung und vor allem den Elementarschutz? Wir haben uns umgehört.

Eine Wassersäule von 6 Zentimetern Höhe klingt irgendwie nach recht wenig. Gerade mal wie ein Zeigefinger, und nicht mal ein besonders langer. Doch als am 21. Juli 2024 innerhalb von zwei Stunden eine ebensolche Wassersäule auf die Innenstadt von Quickborn niederprasselt, sind das 60,7 Liter pro Quadratmeter. Das Regenwasser kann kaum versickern, wie es in deutschen Innenstädten so oft noch der Fall ist. Die Dächer leiten ihren Anteil direkt ab, und alles will durch die viel zu engen Abwasserkanäle.

Straßenzüge geraten unter Wasser, Keller, Tiefgaragen und die Technikgebäude des Quickborner Freibads ebenfalls. Die einschlägigen Rettungskräfte fahren in den 24 Stunden nach dem Unwetter 212 Einsätze. Quickborns Fachbereichsleiter für Tiefbauten, Uwe Scharpenberg, zieht als Fazit: „Das Quickborner Kanalnetz kann Starkregenereignisse kompensieren, das gestrige Unwetter ging jedoch weit darüber hinaus.“ Wobei man schon vor Jahren festgestellt habe, dass Unwetter dieser Art zunehmen. Seitdem baut Quickborn sein Kanalnetz stetig aus. Doch in jenem Wasser-Juli 2024 half auch das nicht mehr.

Wohlgemerkt, wir reden über Quickborn im Norden Hamburgs und nicht über ein Dorf neben einem Bach in den Alpen. Das Beispiel zeigt einmal mehr, was auch der Branchenverband GDV in seinem Naturgefahrenreport 2024 feststellt: „Hochwasserkatastrophe reiht sich an Hochwasserkatastrophe. Die Bilder der Fluten aus Niedersachsen im Dezember, aus dem Saarland im Mai und aus Bayern im Juni – alle belegen eines: die drastische Zunahme von Wetterextremen in Deutschland.“ Für den GDV eine klare Folge des Klimawandels.

Auch Gewerbetreibende brauchen Elementarschutz

Spätestens seit der Flutkatastrophe im Ahrtal durch das Unwettertief Bernd im Juli 2021 diskutiert die Republik darüber, ob die Elementarversicherung für private Hauseigentümer zur Pflicht werden soll. Schließlich deckt die normale Wohngebäudeversicherung lediglich Schäden durch Sturm und Hagel ab. Wer auch Schutz vor Überschwemmung sucht, muss den Zusatz für Elementarschäden mitnehmen.

Doch was ist eigentlich mit Gewerbetreibenden? Auch die müssen sehen, wo sie bleiben, wenn ihnen und ihrem Geschäft das Wasser bis zum Hals steigt. Auch sie können nicht einfach weiterarbeiten, wenn es Maschinen und Stromkästen geflutet hat. Und auch bei ihnen unterscheidet der Versicherer zwischen gewerblicher Gebäudeversicherung und Elementarzusatz.

Manche bündeln beides schon automatisch. So fährt die Allianz ihre gewerbliche Gebäudeversicherung in vier Linien. Für den Basis-Tarif ist der Elementarschutz gar nicht vorgesehen. In „Smart“ und „Premium“ ist er automatisch mit enthalten. Um mal ein Beispiel zu nennen.

Wobei der Unheilsbringer von oben gar nicht immer flüssig sein muss. In dem Bericht „Klimawandelszenarien im ORSA“ befasst sich der Branchenverband GDV damit, wie sich der Klimawandel auf Schaden- und Unfallversicherungen auswirkt. ORSA steht für die unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung, das Own Risk and Solvency Assessment.

Hagelkörner werden größer

In dem Werk heißt es wörtlich: „Die größten Auswirkungen sehen wir bei Hagelereignissen und Überschwemmungen. Mit steigenden Temperaturen nehmen zwar Hagelschauer mit kleinen Körnern ab, doch das wachsende Risiko ergibt sich aus der Zunahme von Stürmen mit größeren Hagelkörnern, die eine Gefahr für Immobilien, Kraftfahrzeuge und die Landwirtschaft darstellen.“

Vor allem Deutschland sei europaweit am stärksten von Hagelstürmen betroffen, heißt es im Bericht, weshalb Versicherer das steigende Hagelrisiko berücksichtigen sollten. Das soll übrigens vor allem im Sommer vorhanden sein, während Starkregen sowohl im Sommer als auch im Winter verstärkt auftrete.

Die Aussichten sind nicht so toll

Interessant auch die Prognosen zu weiteren Wetterphänomenen: Demnach nimmt die Windgeschwindigkeit tendenziell eher ab. Heftige Stürme soll es jedoch weiter geben. Schäden durch überschwemmte Flussgebiete nehmen bis Mitte des Jahrhunderts weiter zu, falls man jetzt nichts dagegen unternimmt.

Fragt man bei Versicherern nach, erhält man ein ähnliches Bild. So teilt die SV Sparkassenversicherung auf Anfrage geradezu extreme Zahlen mit. „Der Aufwand für Elementarschäden ist in den Jahren 2020 bis 2024 gegenüber der Vorperiode von 2015 bis 2019 um rund 86 Prozent gestiegen“, sagt Andreas Kniehl, Bereichsleiter Firmenkunden der SV Sparkassenversicherung Gebäudeversicherung. In seinem Haus beobachtet man, dass insbesondere lokale Hagel- und Starkregenereignisse zunehmen, die anschließend zu Überschwemmung und Überflutung führen. Man gehe davon aus, dass der Trend so weitergeht. „Dabei steigt nicht nur die Zahl der Ereignisse, sondern auch deren Intensität“, so Kniehl.

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Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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