Pauschal oder individuell?

Was Pools und Verbünde zur Hausratversicherung empfehlen

Der große Schwung in der Inflation ist erst einmal vorbei. Doch was haben Vermittler mit der Hausratversicherung ihrer Kunden getan, und worauf sollten sie achten? Wir haben uns bei vier Maklerpools beziehungsweise Maklerverbünden umgehört, was sie beobachtet haben und welche Tipps sie für Vermittler parat haben.
Teure gute Stube? Inflation hat die Preise für Hausrat steigen lassen. Panik ist aber fehl am Platz
© Brigitte Werner / Pixabay
Teure gute Stube? Inflation hat die Preise für Hausrat steigen lassen. Panik ist aber fehl am Platz

In den Jahren 2022 und 2023 suchte eine Inflationswelle Deutschland heim, wie es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hatte. Auch Hausrat verteuerte sich ein gutes Stück. Inzwischen ist die Welle abgeebbt, und die Preise steigen wieder weniger schnell.

Doch das Niveau von früher werden sie auch nicht erreichen. Dafür wäre Deflation nötig, aber die ist in der Wirtschaft nicht gewollt. Was sollten also Vermittler mit der Hausratversicherung ihrer Kunden tun? Wie vermeiden sie, dass ihre Kunden unterversichert sind. Wir haben uns umgehört, und vier Häuser haben ausführlich auf unsere Fragen geantwortet (eine größere Geschichte dazu finden Sie hier).

Wie ist Ihr Haus mit der Inflation in Zusammenhang mit der Hausratversicherung umgegangen?

Torsten Wetzel: Wir haben das Thema weitsichtig in unseren hauseigenen VFM-Deckungskonzepten für die Hausratversicherung eingearbeitet. Die dort vereinbarte Vorsorgeklausel erhöht auf den sehr vermittlerfreundlichen Wert von 50 Prozent in der Spitze, die nochmal bei der Berechnung der Gesamtentschädigung on Top berücksichtigt werden.

Weiterhin hilfreich ist die automatisierte Anpassung der Bestandsverträge im Rahmen der Indexierung über den Preisindex für Verbrauchs- und Gebrauchsgüter.

Sina Westphal: In erster Linie gehen wir davon aus, dass unseren angebundenen Vermittlern bewusst ist, dass sich die Inflation auf die Hausratversicherung auswirken kann. Aufgrund dessen haben wir nicht aktiv darauf hingewiesen.

Bei Gefahr wird nachgefragt

Wenn allerdings ein Antrag gestellt wird, bei dem die Versicherungssumme eine Unterversicherung zur Folge hat, fragen wir vor der Antragsübermittlung beim Vermittler nach, ob dies wirklich so gewünscht ist und weisen darauf hin, dass das noch mal überprüft werden sollte. In einigen Fällen kam daraufhin eine Korrektur der Versicherungssumme, sodass der Kunde nicht „mehr“ unterversichert war.

Haben Vermittler wegen der hohen Inflation Versicherungssummen in Hausratpolicen hochgesetzt?

Sebastian Grabmaier: Anhand der eingereichten Hausratversicherungen unserer Vertriebspartner konnten wir keinen bemerkenswerten Anstieg der Versicherungssummen beobachten.

Johannes Neder: Die meisten Hausratverträge werden mit der alten Formel 650 Euro pro Quadratmeter für Unterversicherungsverzicht eingedeckt. In aller Regel genügt das nach wie vor für einen normalen Haushalt.

Zusätzlich zur vereinbarten Versicherungssumme stehen auch noch weitere Leistungen aus der Vorsorgeversicherung zur Verfügung. Die beträgt mindestens 10 Prozent, kann aber je nach Tarif generell oder bei Einhalten der oben genannten 650 Euro je Quadratmeter auch 30 Prozent betragen, wie bei vielen unserer Deckungskonzepte.

„Nur selten nachjustieren“

Nachjustierung ist daher nur in den seltensten Fällen nötig. Dann geht es meist um sehr hochwertige Einrichtung, Sammlungen mit höherem Wert oder einem hohen Anteil an Wertsachen, bei denen die Summe wieder zurechtgerückt werden muss. Der Regelfall waren Anpassungen aus beschriebenen Gründen aber keinesfalls.

Wie sollte man Versicherungssummen für die Hausratversicherung ermitteln?

Sebastian Grabmaier: Hier können unsere Vertriebspartner auf unsere SHU-Vergleichsrechner zurückgreifen, um standardmäßige Versicherungssummen zu ermitteln. Unsere SHU-Rechner richten sich wiederum nach den GDV-Bedingungen.

Um Unterversicherung zu vermeiden, bietet sich auch die Ermittlung der Versicherungssumme mit dem Quadratmetermodell an. Dabei wird jeder Quadratmeter der Wohnung pauschal, meist mit 650 bis 750 Euro, versichert.

Sina Westphal: Wir geben unseren Maklern klare Empfehlungen beziehungsweise Faustformeln an die Hand. Eine der gängigen Methoden ist das Quadratmetermodell, das bei uns im Vergleichsrechner integriert ist. Das Quadratmetermodell hilft, eine grobe Untergrenze zu definieren und trägt dazu bei, Unterversicherung zu vermeiden. Allerdings empfehlen wir Maklern, sich nicht allein auf Pauschalen zu verlassen, sondern mit ihren Kunden eine individuelle Wertermittlung durchzuführen.

Seite 2: Wie umgehen Vermittler die Gefahr der Unterversicherung?

Johannes Neder: Seit Jahrzehnten fährt man mit der vom Versicherer vorgeschlagenen Mindestversicherungssumme pro Quadratmeter sehr gut. Kaum ein Kunde weiß wirklich, was all sein Hausrat wert ist – kaum ein Kunde weiß wirklich, was er alles an Hausrat hat.

Es gibt nur selten in größerem Umfang Nachweise wie Anschaffungsrechnungen oder Bilder, die den Kunden beim Gebrauch zeigen. Das ist immer ein gewisses Problem, wenn etwas gestohlen oder beispielsweise nach einem Brand komplett zerstört wird und die Reste nicht mehr zum Beleg des Vorhandenseins taugen.

„Faustformel überdenken und anpassen“

Da ist diese pauschale Wertermittlung schnell, bequem und einfach – und wie gesagt, sie ist auch bewährt. Wer „Kostbarkeiten“ im Haushalt hat, weiß das normalerweise auch und wird bei der Nennung der ermittelten Versicherungssumme darauf hinweisen, wenn Zweifel kommen, ob das im Worst Case ausreicht. Wir glauben nicht, dass sich hier ein neues Problem für die Kunden aufgetan hat.

Torsten Wetzel: Die bekannte Faustformel, die für die Klausel für Unterversicherungsverzicht genutzt wird, liegt bei vielen Risikoträgern immer noch bei 650 Euro je Quadratmeter der tarifierungsrelevanten Wohnfläche. Das ist nach unseren Erfahrungen bereits seit mehreren Jahren die Faustformel und sollte im Hinblick auf die Inflation in den letzten Jahren von den Versicherern überdacht und angepasst werden.

Einige wenige Versicherer setzen hier beispielsweise schon auf einen Wert von 700 Euro je Quadratmeter.

Bei Haushalten, die hochwertiger eingerichtet sind, empfiehlt es sich, tatsächlich über eine Summe von 1.000 Euro je Quadratmeter nachzudenken.

Wenn der Vermittler allerdings beim Kunden über mehrere Lagen hochwertige Teppiche schreitet, oder diverse Kunstwerke und höherwertige Einrichtung bemerkt, sollte er einen Summenermittlungsbogen verwenden und für den Haushalt die Versicherungssumme bestimmen.

Dabei ist man oft überrascht, wie hoch die Versicherungssummen dann teilweise ausfallen.

Und die Unterversicherung?

Wie sollten Vermittler mit der Gefahr der Unterversicherung umgehen?

Johannes Neder: Unterversicherung ist – mal über die Hausrat hinaus betrachtet – einer der Hauptgründe, weshalb Makler haftbar gemacht werden. Entsprechend ernst sollte man dieses Thema behandeln.

Bei der Hausratversicherung muss die Frage nach hochwertigen Einrichtungsgegenständen, Sammlungen, Instrumenten, Wertsachen und so weiter gestellt werden, damit der Maklerkollege ein Gefühl dafür entwickeln kann, ob die üblichen 650 Euro pro Quadratmeter genügen oder ob man doch höher gehen kann. Bei niedrigeren Summen ist immer Skepsis geboten und dieser Kundenwunsch sollte eindeutig nachvollziehbar dokumentiert werden.

Sina Westphal: Gerade in Zeiten steigender Preise ist es wichtig, dass Kunden verstehen, wie sich die Wiederbeschaffungskosten entwickelt haben und welchen Risiken eine zu niedrige Versicherungssumme mit sich bringt. Dieser Punkt ist uns sehr wichtig und daher ist bei uns im Vergleichsrechner immer der Unterversicherungsverzicht gegeben, es sei denn, der Vermittler ändert das bewusst.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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