Pressegespräch der Signal Iduna

Leitermann über KI, Versicherer-Fusionen und sein Ausscheiden

Im vergangenen Jahr erzielte die Signal Iduna ein Rekordergebnis bei ihren Beiträgen und hat 300 neue Mitarbeitende eingestellt. Der noch amtierende Signal-Iduna-Chef, Ulrich Leitermann, spricht über den Einsatz von KI, 1.000 Bewerbungsgespräche für neue Mitarbeiter, Fusionen unter Versicherern und wie es künftig für ihn und für die Signal Iduna weitergehen soll.
Ulrich Leitermann, Chef der Signal Iduna bis Mitte des Jahres: „KI verengt den Denkraum, wenn man sich nur auf sie verlässt.“
© picture alliance/dpa | Bernd Thissen
Ulrich Leitermann, Chef der Signal Iduna bis Mitte des Jahres: „KI verengt den Denkraum, wenn man sich nur auf sie verlässt.“

In Sachen Beitragsentwicklung hat die Signal Iduna im Jahr 2024 ein Rekordergebnis von 7 Milliarden Euro erreicht. Ebenso das bisher beste Vertriebsergebnis mit 400 Millionen Euro Jahresbeitrag an Neugeschäft in der gesamten Unternehmensgeschichte. Das erklärte Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann gestern Abend bei einem Journalistengespräch.

In der gesamten Versicherungsbranche und auch bei der Signal Iduna bleibt der Fachkräftemangel ein großes Thema. Als Reaktion auf die Corona-Pandemie hatte die Versicherungsbranche, wie viele anderen Branchen auch, das mobile Arbeiten eingeführt. Und auch aktuell wird mobiles Arbeiten mit flexibleren Arbeitsbedingungen der Branche erhalten bleiben, prophezeit Leitermann. Die Signal Iduna ermöglicht ihren Mitarbeitenden laut Betriebsvereinbarung zwei Tage mobiles Arbeiten pro Woche.

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Im vergangenen Jahr hat der Versicherer 300 Stellen neu besetzt. Dieser Vorgang war laut Leitermann sehr aufwändig. Auf diese 300 Stellen gab es 8.000 Bewerbungen, die zu 1.000 Bewerbungsgesprächen geführt haben. Manche der Mitarbeiter kommen aus dem Gesundheitsbereich, andere aus Entlassungswellen aus der Automobilindustrie.

Abgabefreie Hinzuverdienste für Rentner als Arbeitsanreiz

Seine Mitarbeiterzahl will der Versicherer außerdem mit Ruheständlern stabilisieren. 60 Prozent der Mitarbeitenden gaben an, künftig zumindest in Teilzeit weiter arbeiten zu wollen. Daher hat sich Leitermann auch für die Möglichkeit ausgesprochen, dass verrentete Mitarbeiter bestimmte Beträge abgabenfrei hinzuverdienen dürfen. Einen monatlichen Betrag zwischen 2.000 bis 2.500 Euro hält er für eine gute Größenordnung. Das würde auch die Sozialsysteme entlasten.

Eine weitere Möglichkeit, den Personalengpässen zu begegnen und die Effizienz zu erhöhen, sieht der Signal-Iduna-Chef im Einsatz von KI. 2023 hat der Versicherer damit begonnen, sich mit KI-Anwendungen zu beschäftigen. Die Krux dabei: „Die KI hilft zwar den Personalmangel zu begrenzen, aber nicht so schnell wie erhofft.“

Generell bietet die Signal Iduna ihren Mitarbeitenden KI-Schulungen an, um richtig prompten zu lernen. Im KV-Bereich unterstützt ein KI-Assistent Mitarbeiter mittlerweile im Leistungsbereich (wir berichteten). Diese KI hat der Versicherer auf 1.000 Tarife trainiert. Die KI habe vor allem das versicherungstechnische Vokabular lernen müssen, so Leitermann. Erfahrene Mitarbeiter sorgten dafür, dass sie das lernte.

Ziel des KI-Trainings ist eine bis zu 90-prozentige Genauigkeit der Antworten

Das Ziel des KI-Trainings liegt laut Leitermann darin, eine Genauigkeit von 90 Prozent erreichen, also dass 90 Prozent aller Antworten der KI vollständig korrekt sind, „und das ist schon ein hoher Anspruch“. Aktuell liegt sie bei 80 bis 85 Prozent. Die Mitarbeiter seien bereits begeistert von der Recherchearbeit, die ihnen die Assistenten abnehme.

Derzeit gibt es wohl nur wenige Versicherer, die nicht mit KI experimentieren. Im Geschäftsbetrieb gehört Signal Iduna laut eigener Auffassung zu den ersten, die KI dort bereits einsetzen. Aus Leitermanns Sicht ist die Disruption durch KI in der Versicherungsbranche aber noch nicht angekommen. KI-Anwendungen kann sich Leitermann künftig auch für den Bereich Komposit vorstellen.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, was Leitermann unter anderem zur Zukunft der Signal Iduna und zu seiner eigenen verrät.

KI birgt die Gefahr, das eigene kritische Denken zu verlernen

Der Signal-Iduna-Chef sieht die KI als exzellentes Entscheidungsvorbereitungstool an. Er ist aber weiterhin der Meinung, dass Menschen die Ergebnisse prüfen sollten und Entscheidungen letztlich selbst treffen sollten. Denn aus seiner Sicht „verengt KI den Denkraum, wenn man sich nur auf sie verlässt.“

Privat experimentiere er gerne mit ChatGPT, um beispielsweise Ansprachen im Familienkreis vorzubereiten. Das mache ihm viel Spaß.

Dass das Thema Digitalisierung auch für die Bundesregierung wichtig ist, davon ist Leitermann überzeugt. Von einem separaten Digitalministerium hält er allerdings nichts. Das Thema Digitalisierung und KI Chefsache sollte sein und im Bundeskanzleramt angesiedelt sein, damit es auch die nötige Schlagkraft habe, meint er.

Zum Thema Digitalisierung gehört auch immer das Thema Cybersicherheit. Die Signal Iduna hat sich bei Cyberversicherungen als Zielgruppe vor allem auf kleinere Mittelständler spezialisiert und die Zahl der Verträge laut eigenen Angaben im vergangenen Jahr stark erhöht.

Viele Mittelständler denken, sie seien zu klein für Cyberangriffe

Was der Signal-Iduna-Chef in der Praxis oft beobachtet: Immer mehr Mittelständler kümmern sich besser um ihre Cybersicherheit. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: Viele Mittelständler unterschätzten ihre Cybergefahr weiterhin, „weil sie denken, dass sie nicht wichtig genug sind für Angriffe“.

Aber sie können trotzdem von Flächenangriffen betroffen sein, wenn sie offene Flanken in ihren Systemen haben, die Cyberkriminelle dann nutzen, erklärt Leitermann. Erpressungsgelder sind aber auch bei der Signal Iduna nicht an der Tagesordnung.

Aktuell finden viele Fusionen auf dem Versicherungsmarkt statt. Daran will sich die Signal Iduna nicht beteiligen. Der Versicherer will weiter aus eigener Kraft wachsen. Ein Knackpunkt bei Fusionen ist laut Leitermann die Datenmigration, die auch schon einmal mehrere Jahre dauern könnte. In dieser Zeit sind möglicherweise weniger Produktinnovationen möglich. Das müsse man beachten. Perspektivisch könnten Versicherer dafür allerdings schlaue KI-Anwendungen einsetzen.

Und auch die Organisationsstruktur der Signal Iduna spreche gegen mögliche Fusionen, denn sie passe zu keinem anderen Unternehmen.

Leitermann verabschiedet sich mit viel Wehmut

Auf die Frage nach seinem Abschied sagt der noch bis Mitte des Jahres amtierende Signal-Iduna-Chef, dass er nach 28 Jahren mit „Wehmut gehen“ werde und im Laufe seiner Karriere viel Glück gehabt habe. Auch in schwierigen Phasen wie nach der Hapag-Lloyd-Pleite habe er viel gelernt.

Personell sei der Vorstand unter anderem mit zwei Frauen strategisch gut aufgestellt, ebenso wie die Führungsebenen darunter. Leitermann wird die Signal Iduna nach seinem Ausscheiden weiterhin als strategischer Berater unterstützen.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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