Der demographische Wandel setzt die Rentensysteme in Deutschland unter Druck. Einerseits steigt die Lebenserwartung, andererseits verharrt die Geburtenrate auf niedrigem Niveau.
Nur durch hohe Steuerzuschüsse oder höhere Beiträge wird es möglich sein, das politisch gewünschte Mindestrentenniveau von 48 Prozent bei der gesetzlichen Rentenversicherung zu halten. Dieser Meinung sind die Experten vom BVI in einem aktuellen Bericht.
Auch in diesem Szenario klafft eine große Lücke zum bisherigen Einkommen. Diese sollen die Deutschen durch ihre betriebliche und private Altersvorsorge verringern.
Das Problem hierbei: Rund 35 Prozent der Deutschen verfügen über keine zusätzliche Altersvorsorge. Zu diesem Ergebnis kam zumindest der Alterssicherungsbericht der Bundesregierung.
Und für die private Altersvorsorge sind Riester-Verträge aus Sicht der BVI-Experten wegen ihrer Komplexität nicht genügend weit verbreitet. Das liegt unter anderem an den hohen Kosten. Denn in der Auszahlphase müssen Personen einen Großteil des angesparten Kapitals verrenten. Und das drückt natürlich auch auf die Renditen.
Die von der Bundesregierung eingesetzte Fokusgruppe für private Altersvorsorge hat deshalb eine Reform angeregt. Sie empfiehlt ein förderfähiges Altersvorsorgedepot mit Investmentfonds und anderen geeigneten Anlageklassen ohne Zwang zu Garantien und Verrentung.
Dieser Paradigmenwechsel ist überfällig, um höhere Renditen als bei Riester-Verträgen zu erzielen. Und die von Börsenschwankungen ausgehenden Risiken sind dabei beherrschbar. Das zeigt die folgende BVI-Simulation.
Die BVI-Experten haben für die 1,1 Millionen Personen des Geburtsjahrgangs 1958 berechnet, wie sich ein Fonds-Auszahlplan, eine sogenannte Fondsrente auf Basis historischer Kapitalmarktrenditen, entwickeln könnte. Für jede Person errechneten sie anhand der Sterbetafeln des Statistischen Bundesamts (Destatis) ein angenommenes Sterbejahr.
Bei Anfangsrenten von 1.260 Euro im Jahr reicht das Geld in der Simulation in 95,7 Prozent der Fälle bis zum Lebensende. Alle anderen wurden entweder zu alt, oder die Börsen liefen zu schwach. Zu diesem Ergebnis gelangt die BVI-Simulation.
Die höhere Rendite gegenüber Rentenversicherungen sorgt – in Kombination mit der konservativ bemessenen Rentenhöhe von 3,6 Prozent des ursprünglichen Sparbetrags – in der Simulation dafür, dass die Fondsrente in vielen Fällen vor allem aus den Erträgen ausgezahlt werden kann. Der ursprüngliche Anlagebetrag muss daher vor allem nach schlechten Börsenjahren angefasst werden.
Im Ergebnis verbleibt in der Simulation ein Restvermögen von durchschnittlich 23.784 Euro nach Abzug der Inflation übrig. Mittelwert und Median liegen dabei dicht beieinander. Das heißt: Der Durchschnitt wird nicht durch einzelne Ausreißer mit sehr hohen Restbeträgen verzerrt.
Stattdessen vererben zwei Drittel der Fondsrentner mindestens die Hälfte des ursprünglichen Vermögens. Das klappt bei der gesetzlichen Rente, betrieblicher Altersvorsorge und klassischen Rentenversicherungen nicht.
Insgesamt kommen die BVI-Experten in der Simulation also zu dem Ergebnis:
Eine Fondsrente ist nur unwesentlich riskanter, aber deutlich rentabler als Leibrenten.
Dadurch sei sie aus ihrer Sicht „bestens geeignet, um als Zusatz zu der gesetzlichen Altersvorsorge und etwaiger Betriebsrenten den Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten zu sichern“.
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Eine Antwort
95,7 % hört sich so viel an, bei aktuell 20 Mio. Rentner reden wir hier über 860.000 Menschen, bei denen das Geld nicht reicht. Perspektivisch wird jeder 2. hundert Jahre alt. Da würden wir über weitere 3,8 Mio. Menschen reden, bei denen das Geld nicht reicht.
Und dann? Ziehen die Leute mit 80/90 in eine neue Wohnung? Stellen die ihr Leben um? Hört man auf private Pflegeleistungen zu bezahlen? Im Grund die selben Herausforderungen, vor denen man mit 67 schon nicht stehen will, nur das man eben älter und weniger agil ist. Wir reden hier über 30 % und mehr, was die Leute durch eigene Investition ausgleichen. Ich kann mir vorstellen, dass es für junge Menschen wie kein Problem aussieht, aber mit 80?