Boom ohne Ende: 908.000 Wohnmobile gibt es aktuell in Deutschland, 2023 kamen allein 70.000 hinzu, berichtet das Kraftfahrt-Bundesamt. Statistiker wollen es aber immer ganz genau wissen. Deshalb haben die Kraftfahrt-Experten den anhaltenden Campingtrend nicht nur in absolute Zahlen gefasst, sondern auch geschaut, wie viele Fahrzeuge in Deutschland auf 1.000 Einwohner kommen.
Ergebnis: Bundesweit sind es inzwischen 10,8 Reisemobile, in Schleswig-Holstein sogar 19,2, in Bayern immerhin 12,7. Hinzu kommen Hunderttausende Dauercamper, die permanent auf einem festen Stellplatz stehen und Wohnmobil oder Wohnwagen nicht anmelden müssen. Gut möglich also, dass schon unter den Bestandskunden vieler Maklerinnen und Makler der eine oder andere Wohnmobilist ist.
Für Fans des mobilen Reisens steckt hinter den nackten Zahlen aber mehr als eine Statistik. Es ist ein Lebensgefühl: Freiheit und Unabhängigkeit genießen, mal in der Natur, mal zusammen mit anderen auf dem Campingplatz – und das, ohne auf Komfort und einen gewissen Luxus zu verzichten.
Weniger ausgeprägt ist bei vielen dagegen das Sicherheitsbedürfnis, wissen Branchen-Insider: „Speziell beim Thema Versicherungen besteht bei vielen Campern noch Informationsbedarf“, sagt Axel Sülwald, Redaktionsleiter der Fachzeitschrift „Autobild Reisemobil“. „Deshalb haben auch wir schon mehrfach über das Thema berichtet. Viele glauben zum Beispiel, dass die Hausratversicherung mit dem Baustein Außenversicherung ihr Hab und Gut auf Reisen schützt, was ja nicht der Fall ist. Grundsätzlich herrscht bei dem komplexen Thema viel Unsicherheit. Deshalb laufen Beraterinnen und Berater in dieser Zielgruppe sicher offene Türen ein.“
Womit wir bereits bei einem wichtigen, oft unterschätzten Detail wären: der Versicherung für Eigentum, das im Wohnmobil oder Caravan mit auf Reisen geht. „Neben der reinen KFZ-Versicherung empfiehlt sich auch eine Versicherung für den mitgeführten Hausrat, denn die Werte, zum Beispiel von Kameras, Handys, Tablets, Surfausrüstung und anderem, können beachtlich sein“, sagt Alexander Schwarze, Leiter Produktmanagement bei der Ammerländer Versicherung, die für Wohnmobile und -anhänger mit ihrer WoMobil-Police eine passende Inhaltsversicherung anbietet.
Der Hintergrund: Die normale Hausratversicherung greift auf Reisen im Wohnmobil nicht, selbst wenn der Zusatz Außenversicherung eingeschlossen ist. Denn der deckt Risiken wie Diebstahl, Vandalismus, Sturm und Hagel nur ab, wenn die Gegenstände sich in einem geschlossenen Raum befinden, wenn also zum Beispiel etwas aus dem Hotelzimmer gestohlen wird. „Beim Zelten oder im Wohnmobil schützt die Hausratversicherung nicht. Daher ist eine Inhaltsversicherung für einen sorglosen Urlaub empfehlenswert“, rät der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Dabei gelte: Wer eher luxuriös unterwegs ist, sollte seinen Luxus auch entsprechend versichern. GDV-Sprecher Christian Ponzel: „Teure Ausstattungen wie Flachbildfernseher, Hi-Fi-Soundsysteme, hochwertige Materialien sind keine Seltenheit mehr. Maklerinnen und Makler sollten ihre Kunden unbedingt darauf aufmerksam machen, dass der Versicherungsschutz immer dem Wert des Fahrzeugs entsprechen sollte.“
Mehrere Gesellschaften bieten inzwischen spezielle Camping-Versicherungen an, die kompletten Rundumschutz umfassen. Vom Fahrzeug selbst, über Hausrat bis zu Anbauten (Vorzelt oder gezimmerte Vorbauten) sind dabei alle Komponenten vor Sturm und Hagel, Blitz, Diebstahl, Feuer, Vandalismus und weiteren Gefahren geschützt. Vor allem bei höherwertigen Fahrzeugen ist es außerdem ratsam, die obligatorische KFZ-Haftpflicht durch Teil- oder Vollkasko-Policen zu ergänzen.
Auch wenn Ihre Kundinnen und Kunden nicht gleich ein Reisemobil oder einen Caravan kaufen wollen, sondern erst einmal mit einem Mietfahrzeug auf Reisen gehen möchten – sich da nicht mit dem Thema Versicherung zu beschäftigen, könnte ein teurer Fehler werden. Viele denken nämlich, dass sie über den Mietvertrag bei allen Risiken auf der sicheren Seite sind. Das muss aber nicht stimmen. Ammerländer-Experte Schwarze: „Welche Gefahren über den Vermieter abgesichert sind, hängt von den jeweiligen Mietvertragsbedingungen ab. Oft sind aber hohe Selbstbehalte inkludiert, und das selbst eingebrachte Inventar gilt als ausgeschlossen.“
Wer mit einem gemieteten Fahrzeug unterwegs ist, sollte sich den Vertrag also gut durchlesen und im Zweifel eine zusätzliche Inhaltsversicherung abschließen. Die Police der Ammerländer hat beispielsweise eine Mindestlaufzeit von einem Jahr und bietet damit Schutz für mehrere Reisen. „Der Beitrag ist auf 365 Tage kalkuliert, um die Saison abzudecken. Eine ,anlassbezogene‘ Abdeckung nur für eine Reisezeit wäre deutlich teurer als der jetzige Jahresbeitrag“, so Alexander Schwarze.
Eine besondere Situation ergibt sich bei Dauercampern. Versicherungen für diese Zielgruppe wurden lange Zeit als sehr „nischige“ Produkte betrachtet, doch auch das hat sich geändert. Mittlerweile gibt es schätzungsweise rund 650.000 Stellplätze für Dauercamper. Und die brauchen einen anderen Versicherungsschutz als Reisende. „Ein Dauercamper ist versicherungstechnisch vergleichbar mit einer Wohngebäude- und Hausratversicherung, da dieser meist dauerhaft abgestellt und bei der KFZ-Zulassungsstelle abgemeldet ist“, erklärt Paul Ristock, Niederlassungsleiter Deutschland bei der Oberösterreichischen Versicherung, die Dauercamper-Versicherungen bereits seit mehr als zehn Jahren anbietet.
Die Oberösterreichische deckt dabei Risiken mit einer Kombination aus Objekt-, Inhalt-, Glas- sowie einer Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht ab. Ristock: „Die Haftpflicht braucht es zum Beispiel, wenn ein Feuer des versicherten Campers auf einen anderen übergeht. Ob das dann immer über die Privathaftpflicht versichert ist, wäre individuell zu prüfen. Bei uns kostet sie pauschal 15 Euro jährlich und ist stets zu empfehlen.“
Über den Standardschutz hinaus (siehe Grafik) können diverse Zusatzbausteine sinnvoll sein. Paul Ristock nennt unter anderem die Mitversicherung von Photovoltaikanlagen und eine Fahrrad-Zusatzversicherung, die das Rad auch außerhalb des Objektes mitversichert. „Aber auch der Elementarschutz, der bei Überschwemmungen, Schneedruck, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch und Ähnlichem leistet, sollte vereinbart werden. In unserer Standarddeckung ist eine Versicherungssumme in der Elementardeckung in Höhe von 4.000 Euro mitversichert und kann optional erhöht werden.“

Noch ein Tipp zu den Versicherungssummen. Nach Ristocks Erfahrung kommt ein Großteil der Kunden bereits mit einer Versicherungssumme von 40.000 Euro zurecht. Grundsätzlich sollte aber immer der Neuwert aller Objekte und jeglichen Hausrats erfasst sein. Beispielsweise sind bei der Oberösterreichischen Versicherungssummen von 150.000 Euro für das Objekt und 40.000 Euro für den Inhalt möglich. Auch hier gilt bei Dauercampern derselbe Tipp des GDV wie bei mobilen Reisenden: Wer Luxus hat, sollte auch Luxus versichern.
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