GDV legt neue Schock-Prognose vor

KFZ-Versicherern drohen noch rötere Zahlen als angenommen

Den KFZ-Versicherern drohen in diesem Jahr deutlich rötere Zahlen als noch vor zwei Monaten prognostiziert. Statt eines voraussichtlichen versicherungstechnischen Verlusts von mehr als 2,5 Milliarden Euro erwartet die Branche nun ein Minus von rund 3 Milliarden Euro, wie der Versicherungsverband GDV meldete. Grund hierfür seien massiv steigende Preise für Auto-Ersatzteile.
© picture alliance/dpa | Daniel Karmann
Bei den Versicherern führten die höheren Ersatzteilpreise zu steigenden Reparaturkosten nach Unfällen.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV) schlägt abermals Alarm – nachdem der Verband bereits Ende Juli vor einem beträchtlichen Minus in der Autoversicherung warnte (wir berichteten), zeigen die aktualisierten GDV-Zahlen, dass die Verluste wohl noch größer werden.

„Die Autofahrer zahlen in diesem Jahr für die Absicherung ihrer Fahrzeuge rund 30,2 Milliarden Euro – aber die Versicherer müssen rund 33,1 Milliarden Euro für Schäden und Verwaltung ausgeben“, teilte der Verband am Freitag mit. Macht unterm Strich ein versicherungstechnisches Minus von 2,9 Milliarden Euro.

Ende Juli hieß es noch, dass besagten Einnahmen von rund 30,2 Milliarden Euro Kosten in Höhe von „nur“ 32,8 Milliarden Euro gegenüberstünden, sprich: zu den bislang angenommen 2,6 Milliarden Euro Miese dürften noch einmal 300 Millionen Euro obendrauf kommen.

„Kosten für Pkw-Ersatzteile steigen deutlich schneller als Inflationsrate“

Für GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen ist ausgemacht, wem die Misere anzulasten ist – den Autoherstellern: „Die Kosten für Pkw-Ersatzteile steigen rasant und deutlich schneller als die Inflationsrate: Während der Verbraucherpreis-Index seit Januar 2013 um knapp 28 Prozent stieg, erhöhten Autohersteller ihre Ersatzteilpreise um mehr als 70 Prozent.“

Laut der am Freitag veröffentlichten GDV-Auswertung haben die Autohersteller die Preise allein zwischen August 2022 und August 2023 im Schnitt um 9,7 Prozent erhöht. Einige Ersatzteile wurden demnach noch teurer, eine hintere Autotür etwa, schlug mit über 13 Prozent zu Buche. Bei den Versicherern führten die höheren Ersatzteilpreise zu steigenden Reparaturkosten nach Unfällen.

„Im vergangenen Jahr kostete ein Pkw-Sachschaden die Kfz-Haftpflichtversicherer im Durchschnitt rund 3.700 Euro, das waren 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr“, rechnet Asmussen vor. 2013 habe dieser Wert noch bei 2.400 Euro gelegen.

Branche wird „deutlich mehr Geld ausgeben als einnehmen“

Angesichts der weiterhin hohen Preissteigerungen und in den vergangenen Jahren kaum gestiegenen Kfz-Versicherungsbeiträgen gehe man nun davon aus, dass die Kfz-Versicherer in diesem Jahr „deutlich mehr Geld ausgeben als sie einnehmen“.

„Nach unserer neuesten Hochrechnung wird die Sparte in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von fast drei Milliarden Euro machen“, so Asmussen. Denn unter dem Strich stünden jedem eingenommenen Euro Ausgaben von 1,10 Euro gegenüber.

Für ihre Untersuchung der Ersatzteilpreise recherchierten Ingenieure und Statistiker des GDV laut eigenen Angaben in der Schadenkalkulations-Datenbank von Audatex. Die Auswahl der Fahrzeuge umfasst danach aktuell 34 Fabrikate mehrerer Hersteller und Kleinwagen ebenso wie Oberklasse-Modelle. Für jedes Fahrzeug seien die Preise von bis zu zwanzig Ersatzteilen erhoben worden, die laut Verband nach Unfällen häufig ausgetauscht werden müssen.

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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