Klotzen, nicht kürzen

Aon-Bericht bescheinigt Versicherern Fehler in der Strategie

Der Großmakler Aon hat seinen wuchtigen Bericht über die Versicherungsbranche vorgelegt. Demnach läuft dort einiges verquer, weshalb sie umdenken sollte. Die Botschaft: Komplexer werdende Risiken verlangen komplexer werdende Produkte – und nicht abgespeckte. Als Beispiel dient die Cyberversicherung.
Dürre erzeugt Niedrigwasser auf dem Rhein, lässt dadurch Lieferketten klemmen und Preise steigen: Risiken werden komplexer
© picture alliance/dpa | Roberto Pfeil
Dürre erzeugt Niedrigwasser auf dem Rhein, lässt dadurch Lieferketten klemmen und Preise steigen: Risiken werden komplexer, meint man bei Aon

Versicherungen, wie wir sie kennen, können die neue Welt der Risiken nicht mehr richtig abdecken. Dafür sind sie zu komplex, dynamisch und vernetzt. Zu dieser Einsicht gelangen die Analysten des Großmaklers Aon im Rahmen ihres „Marktreport 2022“. Der reichhaltige Bericht geht auf zahlreiche Einzelmärkte der Versicherungsbranche ein und lotet deren Zukunftsaussichten aus. Sie können ihn sich hier komplett ansehen.

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Darin gehen die Autoren darauf ein, dass sich in der Versicherungsbranche einiges verschärft: Risiken und Unsicherheiten nehmen für Unternehmen seit Jahren stetig zu und werden komplexer. Brexit, Corona-Pandemie, Naturkatastrophen, Ukraine-Krieg – die Liste ist ziemlich beeindruckend. Inzwischen ziehen bestehende Risiken wie beim Domino-Effekt neue Risiken nach sich. Zum Beispiel die Dürre mit den folgenden Waldbränden. Oder der Krieg in der Ukraine, der einerseits das Geschäft in Russland wegbrechen ließ und andererseits Rohstoff- und Energiepreise steigen lässt, aber auch für höhere Risiken im Internet mit verantwortlich ist.

Zugleich sei es teurer geworden, Schäden zu bezahlen. Und Dinge wiederaufzubauen oder zu reparieren, dauert länger als früher und ist aufwendiger geworden – was an gestiegenen Kosten für Material und Arbeit liegt. Deshalb erhöhen Versicherer in vielen Sparten die Prämien, verringern die Deckung oder schließen mehr Risiken aus. Oder wie es im Bericht wörtlich heißt:

Die Versicherungswirtschaft reagiert auf die geschilderten Szenarien mit einem reduzierten Risikoappetit.

Allerdings geht die Branche dabei nicht einheitlich vor, bemängeln die Aon-Leute. Stattdessen kocht jeder Anbieter mehr oder weniger ein eigenes Süppchen. Damit wird es für Kunden schwieriger, sich den gewohnten und bewährten Versicherungsschutz zu besorgen.

Seite 2: Wenn es für Kunden richtig teuer wird …

Weshalb die frei übersetzte Botschaft des Reports für fast alle beleuchteten Bereiche lautet: Komplexe Risiken verlangen nach komplexen Produkten. Und nicht nach abgespeckten. Es gehe darum, „in einem volatilen Umfeld gelingen, intelligente und individuelle Absicherungslösungen für Unternehmen zu entwickeln“. Hartmuth Kremer-Jensen, stellvertretender Geschäftsführer von Aon in Deutschland, warnt: „Es gibt nichts Teureres für Kunden, als ohne Kenntnis des wirklichen Bedarfs an einer vorgeblich billigen Lösung festzuhalten.“

Cyberversicherungen als Beispiel

Besonders deutlich wird das laut Report bei der Cyberversicherung, offenbar ein Schwerpunktthema bei den Aon-Leuten. Die enormen Unterschiede zwischen den Anbietern beginnen schon dabei, welche IT-Sicherheit sie bei Unternehmen voraussetzen, um sie überhaupt versichern zu können. „Es gibt deutliche Prämienanpassungen und zahlreiche Auflagen“, sagt Kai Büchter, Geschäftsführer von Aon in der Dach-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Das mache es für die Wirtschaft nicht einfach, Umfang und Inhalt ihres Versicherungsportfolios im Blick zu behalten.

Um bei dem Beispiel zu bleiben: Den Markt für Cyberversicherungen vergleicht man bei Aon mit einem zufrierenden See: Auf dem noch flüssigen Grund versuchen neue Versicherer weiter, sich ausreichend große Portfolios aufzubauen. Und oben versuchen die etablierten Cyberversicherer der zunehmenden Zahl von Angriffen aus dem Netz auf ihre Kunden und neuen Regularien Herr zu werden.

Dabei bemerken die Autoren durchaus, dass Cyberversicherer professioneller werden. Damit können sie ihre Portfolios besser nach Risiken ausrichten und auch Bedingungen und Prämien genauer anpassen. Die gute Nachricht lautet also wörtlich:

Damit wird sich mittelfristig die einst […] der Versicherungswirtschaft zugedachte Steuerungsfunktion realisieren und ein adäquater Versicherungsschutz für gut aufgestellte Unternehmen zu akzeptablen Prämien einkaufbar sein.

Es sei jetzt wichtig, ganzheitlich zu denken. Man müsse Informations- und Kommunikationstechnologie, Wertschöpfung, Risikomanagement und Risikotransfer zusammenführen. Wer immer nur einzelne Parameter optimieren will, werde scheitern, heißt es weiter.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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